Typisch Traisental? – Relaunch

Gestern mal wieder Traisental, eine jener österreichischen Regionen, die auch in Österreich eher unter dem Radar fliegen, vertreten durch eines der bekanntesten Weingüter dort:

2013er Grüner Veltliner – Getzersdorfer Berg – trocken – 1ÖTW – Traisental DAC Reserve, Markus Huber Traisental

Das Glas präsentiert ein helleres Altgold, fürs Näschen gibt’s erst mal ein schöne Mischung aus Tabak und Torf, die mich blind vermutlich zu gereiftem Silvaner geleitet hätte; dahinter versteckt sich einiges an gereiftem Steinobst. Am Gaumen setzt sich das so fort, hier zeigt sich eine sehr reife und sekundäre Aprikose sowie auch etwas Mandarinenschale; der Extrakt ist ziemlich „guad beinand“ und die Fruchtsüße schabt auch angenehm am Rachen, die schön bemessene Säure sorgt jedoch für geringste Reibungswiderstände, steinseitig zeigt sich ein Hauch herber Schiefer (ob’s den da tatsächlich gibt, bezweifle ich, aber: Eisen und Mangan im Kalk-Konglomerat -laut Heimseite des Guts- könnten ein gute Erklärung dafür bieten). Der schön lang hallende Nachhall lebt am meisten von der reifen, tabakdotierten Frucht, wirkt hier am geschmeidigsten ohne dabei an relativer Frische einzubüßen.

Wunderschön angereifter GV, auch wenn er sich aus meiner Sicht nun etwas mehr als Silvaner zeigt, was ich im Wesentlichen den Reifenoten zuschreibe; das typische GV-Pfefferl taucht auch erst nach gut 3 Stunden mit Luft beim Abgang auf. Es gibt nicht mal im Ansatz was zu meckern, außer vielleicht, daß an der ein oder anderen Stelle noch ein bißchen mehr gehen könnte, aber das ist schließlich bei fast jedem Wein der Fall. Hat sich seit der Erstbegegnung sehr attraktiv entwickelt, die leichte Reife steht dem GV äußerst gut, hat das Niveau souverän gehalten.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 08. Oktober 2018:

Die Österreicher erfinden ja in letzter Zeit immer neue gebietstypische Herkunftssiegel, zuletzt „Schilcher DAC“ und „Rosalia DAC“, womit die Regionenlandschaft in A immer kleinteiliger wird. Auch im westlichen Donaubereich reihen sich 3 DAC’s eng aneinander: Kremstal, Kamptal und Traisental. So wirklich habe ich die Typizitätsunterschiede zwischen den genannten DAC’s noch nicht fassen können, aber anscheinend müssen die Unterschiede hier innerhalb nur weniger Kilometer viel größer sein als im vergleichsweise großen Weinviertel, wo sich dessen Typizität über die weit mehr als 10 mal so große Anbaufläche erstreckt. Aber vielleicht erschließt sich mir die spezielle Typizität des Traisentals ja mit dem folgenden Wein:

2013er Grüner Veltliner – Getzersdorfer Berg – trocken – 1 ÖTW – Traisental DAC Reserve, Markus Huber, Traisental

Das Goldgelb im Glas ist recht leuchtend, für die Nase hat der GV vom Fleck weg sehr intensiv Pfirsich, Aprikose und Mirabelle sowie etwas Orangenzeste im Angebot. Am Gaumen fällt zuerst eine eigene Würznote in Form von Kardamom und Sanddorn auf, welche die Frucht umhüllt, einmal hatte ich auch kurz Schwarzwurzel im Sinn. Die Säure ist recht schön ausgeprägt, für ein bißchen Cremigkeit bleibt aber Platz, etwas weißen Pfeffer kann man neben ein paar Specksteinen auch wahrnehmen. Der Nachhall hallt ordentlich, hier kommt erst die würzig-mineralische Seite zum Zug, zum Finale hin trumpfen dann die Früchte nochmal in leicht angecremter, aber nicht breiter Form auf.

Dieser GV ist schon ein eigener Charakter, die mineralisch-würzige Seite jedenfalls hat klare Alleinstellungsmerkmale. Allerdings weiß ich nicht, ob ich das nun als Traisental-typisch werten kann, dazu kenne ich einfach zu wenige Weine aus dieser kleinen Region. Jedenfalls ist ein anderer GV des Hauses wieder ganz anders „anders“. Das ändert aber nichts daran, daß dieser Veltliner ein schöner, anspruchsvoller Freudenwein mit Kante und eigenem Kopf ist.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die eigene Mineralik zeigt sich heute fast gar nicht mehr, sie ist eher lehmbeschmierten Steinen gewichen. Dafür hat sich die Fruchtseite nochmals etwas intensiviert, der GV zeigt sich dennoch etwas runder, sogar die Säurestruktur hat an Eleganz gewonnen, ohne dabei an Frische einzubüßen. Auch wenn die schöne Kante von gestern wegfällt, gefällt er mir heute sogar noch ein bißchen besser als gestern.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

2 comments on “Typisch Traisental? – Relaunch

  1. Guter Erzeuger, von dem ich allerdings gerade bei der Basis auch schon mal enttäuscht wurde, weil die Weine aus den Hitzejahren 2015 und 2016 für meinen Geschmack etwas zu breit und säurearm waren.

    Ich habe vom Berg 1 noch einen Riesling im Keller, den ich demnächst einmal probieren werde.

    Die Unterschiede zwischen Krems-, Traisen-, Kamptal und Wagram haben sich mir auch noch nicht erschlossen. Überall gibt es Löss und zumindest in den drei „Tälern“ auch Urgestein. Vom einen Gebiet zum anderen sind es lediglich Katzensprünge (teils nur eine Straße als Grenze). Eventuell steht ja das Marketing im Vordergrund.

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    • Die gleiche Erfahrung habe ich leider ebenfalls mit einigen Huber-Weinen aus den genannten Jahren gemacht. Aber da gab’s auch noch recht viele andere große Namen aus dem Donauraum, die in den beiden Jahren aus meiner Sicht kein so glückliches Händchen hatten; vor allem, wenn die Böden schon etwas fetter sind…

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