noch sowas halbtrockenes… – Relaunch

Nach über 4 Jahren im Keller erblickte nun eine weitere Flasche des

2014er Riesling – Hallgarten Hendelberg – [halbtrocken] – Erste Lage, Balthasar Ress, Rheingau

das Licht der Welt:

Ein mittleres Strohgelb zeigt sich im Glas, in der Nase dann rötlicher Schiefer mit erdigen Beigaben sowie entsprechend dotierter Zitrone, ganz entfernt ein Hauch Mirabelle, wirkt hier schon etwas angesamtet. Schmeckt dann auch im Wesentlichen so, die Ackerscholle führt in Verbindung mit der ordentlichen, aber auch irgendwie gesitteten Säure zu einer gewissen Sämigkeit ohne die Frische an sich zu beeinträchtigen, diese zeigt sich jedoch eher von der eleganten Seite; der Restzucker führt sich gefühlt eher so auf, als wenn er nur mit ca. 6…7 g/l vertreten wäre, eine typisch halbtrockene Anmutung zeigt sich mir nicht. Der Abgang ist ein ausdauernder Geselle, auch hier elegante, fluffige, erdige Frische bis ins Finale.

Hier gefällt mir vor allem, daß die etwas gedeckt-vornehme Erdigkeit in keinster Weise viskositätserhöhend wirkt und es trotz des technisch etwas höheren Zuckergehalts kein entsprechendes Schwänzchen gibt; Rieslinge fernab der eher klaren bis spitzen Stilistiken werden in diesem Süßebereich gerne auch mal anstrengend (zumindest für mich), das kann man hier nicht behaupten. Paßte sehr schön zu indischem Romanesco und vor allem auch zur Jahreszeit. Im Vergleich zum Erstkontakt nun wohl etwas weniger komplex, da die einst recht vielschichtige Fruchtseite nunmehr klar auf dem Rückzug ist; stützt sich jetzt eher auf seine Struktur, war in seiner Jugend jedoch tatsächlich noch ein bißchen interessanter.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 01. Juli 2016:

Auf Erkundungstour in den halbtrockenen Gefilden, die ja nicht per se ein Genuß für mich sind, manchmal aber doch großartige Stöffchen hervorbringen, fiel mir jetzt mal was aus dem Rheingau in die Hände:

2014er Riesling – Hallgarten Hendelberg – [halbtrocken] – Erste Lage, Balthasar Ress, Rheingau

Wobei: so wie ich das irgendwo gelesen habe, ist dieser Riesling je nach Jahrgang auch mal offiziell „trocken“, aber in 2014 war er mit ca. 10 g/l RZ doch knapp über der Trockengrenze und somit steht dieses Wörtchen eben auch nicht auf dem Etikett. Mal schauen, was der Zucker hier so treibt. Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich allerdings auf den Status, den der Wein bereits einen Tag nach dem Öffnen der Flasche hatte:

Die Farbe ist ein mitteldichtes Strohgelb. Das Bukett ist sehr mineralisch, wobei Flint den Ton angibt und ein paar Kiesel folgen. Frucht ist hier kaum erkennbar. Am Gaumen zeigen sich neben Feuerstein und herben Steinen einige exotische Früchte wie Papaya und Mangos, dazu eine fast schon kandierte Zitrusfront aus Grapefruit, Pomelo und Orange. Weiters eine schöne, dezente Lakritz-Note im Hintergrund. Das Süße-Säure-Spiel funktioniert hier perfekt, der Wein wirkt deutlich trockener als mancher offiziell trockene Kollege, bei dem dieses Kriterium groß auf dem Etikett vermerkt ist. Wieder so ein Fall, bei dem die an einen technischen Wert gekoppelte Weineigenschaft bezüglich der qualitativen Aussage ins Leere führt. Der Nachhall hält einige Minuten lang an und betont die Lakritznote recht stark.

Ein wirklich wunderschöner und ausdrucksstarker Riesling, gehaltvoll, zuvorderst auf der mineralischen Seite, aber -zumindest am Gaumen- auch die Fruchtseite nicht vernachlässigend, in der Hauptsache aber diese schöne Balance zwischen Süße, Säure und Extrakt. Es paßt einfach alles bei diesem Wein.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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