Roter Saft am Lagerfeuer – Relaunch

Gestern wurde die Frage bezüglich eines Absackers an mich herangetragen und ich hab‘ mich im Keller nach einem lohnenden Objekt umgesehen, folgende Flasche wurde es nach über 3 Jahren der Ruhe:

2012er Syrah – Cortona DOC, Stefano Amerighi, Toscana

Im Glas ein fast blickdichtes und dabei recht dunkles Rubinrot, riecht herb-staubig-saftig nach einem reduzierten Brombeer-Weichsel-Mix, sachtes Holz aus 90er Schokolade und Lebkuchengewürz. Am Gaumen noch deutlich und kühl tanninhaltig mit ebensolcher Adstringenz, die Frucht auch hier recht herb und mit ein paar leicht grünlichen Bitterstoffen garniert, hier ist das Holz eher von der Art einer alten und lange nicht mehr gelüfteten Berghütte, die steinige Unterlage ist auch von der eher staubig-herben Sorte, die Säure ist recht kantig bei’nand. Der ordentlich lange Nachhall staubt auch ganz gut, aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen.

Ich weiß ja nicht, wie anfällig Syrahs generell für Verschlußphasen sind, kommt mir aber ein bißchen so vor, als ob die Frucht schon weitgehend gegangen und die Sekundäraromatik noch nicht so wirklich da ist. Ist aber dennoch trotz seiner relativen Karg- und Sprödheit sowie der nicht geringen Ladung Toscana-Staub ganz schön zu trinken, wenn man zur nebenher verzehrten 70er Schokolade ein Äquivalent sucht. Nachkauflevel erreicht der Wein aktuell nicht mehr, das ist bei mir mit Syrah allerdings auch generell schwierig, aber dieser hier hat das in jünger ja schon mal souverän geschafft…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: der Staub hat sich generell ein bißchen zurückgezogen, in der Nase wird das Holz durch einen Hauch Melasse verstärkt. Am Gaumen ist die Frucht ein klein bißchen mehr erwacht, hier kaum mehr Bitterstoffe, wirkt insgesamt etwas stoffiger, sowohl bei der Frucht als auch beim Holz. Auch der Abgang ist deutlich weniger spröde als gestern.

Insgesamt wirkt der Syrah nun viel harmonischer, man muß ihn sich nicht mehr so sehr erkämpfen, ein Schmeichler ist er deshalb aber nicht geworden; so gefällt mir das Ganze schon wieder besser, auch wenn’s aktuell nicht zur einstigen Bestform langt:

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 18. Dezember 2017:

Ein Großteil des gestrigen Abends wurde draußen rund um ein Lagerfeuer verbracht, über dem auch ein großer Topf hing, in dem etwas vor sich hin brodelte und was nach einem

2012er Syrah – Cortona DOC, Stefano Amerighi, Toscana

verlangte. Ist übrigens unfiltriertes Super-Bio (so mit demeter und allem vor und zurück), vegan weiß ich nicht, ist aber auch egal, gab’s aber eh zum Kesselgulasch…

Ein ziemlich dunkles Violettrot zeigt sich da im Glas, nur wenig transparent; für den Zinken gibt’s gleich von Beginn an fett -aber nicht marmeladig- einen Mix aus Schwarzkirschen, Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, das Holz in Form von Kakao und leicht Vanille ist eher stützend denn prägend. Geschmacklich fallen erst mal einige butterweiche Tannine mit einem kleinen Magnesiumschimmer auf, dann kommt wieder der pralle, rote Fruchtkorb daher und das Holz spielt auch ein bißchen in Form von Zeder und Zimtstange mit. Die Säure fällt nicht weiter auf, hält den Syrah aber dennoch schön auf der flutschigen Seite. Der Abgang ist ein Mehrminüter, dabei wieder intensiv, aber frisch-fruchtig ohne jeglichen Anflug von Plakativität; das Holz macht vor allem beim Finale ein bißchen mit.

Super schöner, saftig-dichter Syrah ohne jeglichen Störfaktor mit hohem Trinkfluß trotz deutlicher Aromendichte. Macht viel Spaß zum Gulasch mit Blaukraut am offenen Feuer bei ca. -2 ºC (hinten). Das war jetzt übrigens nur der „kleine“ Syrah, mit dem „Apice“ kann man da nochmal was drauflegen. Demnächst auf diesem Kanal…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

2 comments on “Roter Saft am Lagerfeuer – Relaunch

  1. Hi Erich,
    klingt nach einem ziemlich spannendem Syrah. Überhaupt eine tolle Rebsorte finde ich.
    Aus Italien hatte ich bis dato noch wenig Syrah im Glas (vor vielen Jahren mal was von Planeta aus Sizilien, was aber nicht super toll war). Der hier klingt nach einem lohenden Versuch 🙂
    VG Patrik

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    • Moin Patrik,
      von selber wäre ich da nicht drauf gekommen, habe ich bei einer Händlerverkostung mal „zwangsweise“ probiert und war durchaus erstaunt. Mit den sizilianischen Syrah -zumindest in Reinform- bin ich auch nie warm geworden, auch bei Planeta habe ich mich eher den weißen Sachen zugewandt. Ein Fiano („Cometa“) liegt noch im Keller…
      VG Erich

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