Halbwegs gelungene Ehrenrettung – Relaunch

Heute hab‘ ich was gebraucht bzw. mir eingebildet, das einerseits rot ist und andererseits auch was Lachshaltiges gut begleiten kann und bin dann bei diesem Griechen hängengeblieben:

2012er Agiorgitiko – Επιλεγμενος Οινος – Réserve – Nemea PDO, Parparoussis, Peloponnes

Farblich ein ganz leicht trübes, dunkleres Ziegelrot mit höherer Transparenz, in der Nase recht kräuterig-tabakige, sehr sekundäre Frucht aus der Kirschkompottecke, leichter Kalknebel sowie mit Luft ein Hauch Waschbenzin. Am Gaumen setzt sich das so fort, die recht kecke Säure sorgt für ordentlich Frische, ein bißchen Holzteer sowie leicht angebranntes Chili sorgen für eine dezent angeschärfte Kante, steinseitig ploppt bei mir die Assoziation „Eisensalz mit einer Spur Jod“ auf. Der Abgang lebt dann auch im Mehrminutenbereich vornehmlich von dieser etwas jodigen Mineralik.

Hat sich seit der Erstbegegnung vor gut zweieinhalb Jahren deutlich harmonisiert und intensiviert ohne seine Kanten dabei abzuwerfen, die Nachkaufriege erreicht dieser Agiorgitiko nunmehr locker. Ist für mich nicht nur von der Farbe her ein bißchen wie die griechische Antwort auf Pinot noir ohne hierbei was kopieren zu wollen. Die Struktur in Bezug auf Klarheit, Frische und auch Filigranität bringen mich jedenfalls zu dieser Einschätzung.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 31. August 2018:

Vor einigen Wochen ist mein Wein bei der Griechenland-Runde leider etwas abgesackt. Ich habe aber davon noch ein deutlich jüngeres Exemplar:

2012er Agiorgitiko – Επιλεγμενος Οινος – Réserve – Nemea PDO, Parparoussis, Peloponnes

Also mal sehen, wie sich der Wein mit weniger Jahren auf dem Buckel so zeigt:

Die Farbe ist ein dunkleres Granatrot mit mittlerer Transparenz, hier zeigt sich -im Gegensatz zum 2005er- noch keinerlei Braunfärbung am Rand. Für den Riechkolben hat das Glas folgendes parat: filigran-dichte (ich weiß, klingt blöd, ist aber irgendwie so) Kirschen -eher hellere Sorten- sowie ein ebenfalls filigranes Holz, welches sich in Vanille, Süßholz und Anis sowie später auch Schnupftabak zerlegen läßt und mit Luft deutlich gewinnt. Am Gaumen zeigt sich ebenfalls eine leichte Spannung zwischen einer eher feinen und einer -zumindest anfangs- deutlich derberen Seite des Weins. Die feine Seite bietet eine angenehme, aber nicht sehr differenzierte Kirschfrucht, die von recht feinen Tanninen begleitet wird. Mit etwas Verzug kommen dann Bakelit und Chili-Aromen auf, die sich langsam, aber kräftig im Mund breit machen; sie werden mit etwas Luft jedoch deutlich zahmer und wandeln sich in eine teerige Richtung, dann hat auch die vom Bukett her erlebte Holzaromenstruktur eine Chance. Die Säure ist schön ausgeprägt und hält den Agiorgitiko gut auf der leichten Seite, sie hat aber auch keinen übermächtigen Gegner. Der Abgang ist nach einiger Anlaufzeit von ordentlicher Länge, bildet insbesondere die Holzstruktur recht angenehm ab und garniert das Ganze anfangs mit einer kleinen Amarena-Kirsche, mit Luft wird sie deutlich dunkler.

Wenn man dem Weinchen genügend Zeit gibt, entwickelt es sich zu einem durchaus angenehmen Cool-climate-Stöffchen, welches recht weit weg vom Dickwein-Image griechischer Rotweine ist. Dennoch bin ich auch nach dem Rückzug der kantigeren Sachen nicht so warm mit ihm geworden, als daß ich ihn in die Nachkaufriege gehoben hätte, dazu war er mir insgesamt nicht stimmig genug, obwohl ich die Einzelbestandteile incl. der Kanten eigentlich ganz schön fand. Vielleicht ist Griechenland in rot einfach nicht so sehr mein Thema…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

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