Grauriesling?

Ich weiß gar nicht so genau, ob es das einstige kollektive Grauburgunder-Bashing in den sozialen Wein-Netzwerken noch so gibt oder ob man sich mittlerweile andere Opfer gesucht hat. Mich hat das ja eher angestachelt, auch Weine aus dieser Sorte zu finden, die dieser Pauschalverurteilung souverän trotzen, mal sehen, ob dieser GB diesbezüglich mitstreiten kann:

2016er Grauburgunder – Großkarlbacher – <Réserve> – trocken – Ortswein, Philipp Kuhn, Pfalz

Im Glas ein helleres Gelbocker mit rötlichen Reflexen, perlt ganz leicht. Riecht nach braunem Schießpulver und Ziegelbruch sowie Ton, dahinter ein Hauch Steinobst und geräucherte Cantaloupe-Melone. Schmeckt dezent angecremt nach recht quirlig scharfem Melonen-Pfirsich-Saft, welcher mit ordentlich Piment und Phosphorsalzen angereichert wurde, dazu eine insbesondere für GB-Verhältnisse extrem agile Säure, weiters ein eher kühles Steinbett. Der sehr lang hallende Nachhall stellt die Säure am markantesten heraus, sie macht hier auch ordentlichen Rieslingen Konkurrenz; das Finale betont vor allem Piment und Schießpulver.

Von der Farbe her könnte man durchaus auf Grauburgunder kommen, ansonsten aus meiner Sicht kaum. Die Spannung, die allein aus der Interaktion von Säure und Mineralik entsteht, ist m.E. für diese Rebsorte ziemlich außergewöhnlich; schön, daß es neben der üblichen Grauburgunder-Behäbigkeit auch die ein oder andere Rennsemmel gibt…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

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