Ein Date mit Sophie – Relaunch

In letzter Zeit trinke ich -wenn’s um Südtirol geht- vermehrt 2014er weg, da es allgemein heißt, daß dieser Jahrgang weitgehend schon am absteigenden Ast ist und was auch durchaus nachvollziehbar ist. Heute mal ein Wein, der nun schon seit knapp 5 Jahren nicht mehr angetastet wurde:

2014er [Cuvée] – Chardonnay V.S. – Sophie – Alto Adige Terlano DOC, Manincor, Südtirol

Farblich ein leuchtendes Goldgelb, riecht frisch und kräftig zugleich nach Pfirsichen und ein paar Aprikosen, die teils ordentlich reif und teils noch ein bißchen grün wirken; dezent schwingt ein bißchen Großholz mit. Am Gaumen legt die recht sekundäre und gut mit Braunwürze kontaminierte Frucht noch etwas zu, der unreife Obstteil sorgt in Verbindung mit der potenten Säure für fortgeschrittene Frische, untendrunter sorgt eine signifikante Salzfracht in Verbindung mit kühler Steinigkeit für Spannung. Beim sehr lang hallenden Nachhall gewinnt das Salz noch mehr an Bedeutung, beim Finale wirkt es sehr anregend und wärmend zugleich.

„Sophie“ zeigt aktuell keinerlei Schwächen und könnte vermutlich locker 10 weitere Jahre wegstecken; hier zeigen sich die Vorzüge von Kaltjahrweinen sehr schön: wenn der Winzer ein Händchen dafür hat, kann die Wechselwirkung zwischen grünlich-frischer und kräftig-gelber Seite hochanimierend sein. Südtirol 2014 at it’s best!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 08. April 2016:

Ich habe aktuell in der SZ gelesen, daß gemäß Erhebungen der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. „Sophie“ (bzw. die Ableitung „Sofie“) nun im sechsten Jahr in Folge der beliebteste Vorname ist, mit dem Eltern in Deutschland ihre frisch geborenen Mädchen beglücken.

In der weißen Weinwelt ist der Chardonnay auch ziemlich verbreitet, wenn auch nicht der Spitzenreiter (den ersten Platz nimmt die weiße Tafeltraube „Sultana“ ein), dennoch paßt der Massenname ganz gut zur Massentraube, finde ich (auch wenn der Grund zur Namensgebung in diesem Fall wahrscheinlich ein anderer ist):

2014er [Cuvée] – Chardonnay V.S. – Sophie – Alto Adige Terlano DOC, Manincor, Südtirol

Ob da auch ein Massengeschmack dahinter steht? Zumindest ist die „Sophie“ nicht reinsortig, sondern es sind kleine Mengen des Dickweins Viognier (4 %) und des Kräuterkandidaten Sauvignon blanc (3 %) enthalten. Deshalb auch die Bezeichnung „Chardonnay V.S.“. Weiters ist aus meiner Sicht bemerkenswert, daß dieses nicht ganz kleine Weingut (ca. 50 ha) im Jahr 2006 den gesamten Betrieb mit einem Schlag auf biodynamischen Weinbau umgestellt hat und seit 2009 komplett diesbezüglich zertifiziert ist. Folgendes findet man noch auf der Manincor-Website zur „Sophie“:

Die Trauben kommen je zur Hälfte aus Terlan „Lieben Aich“ und Kaltern „Mazzon“. „Lieben Aich“ ist eine warme, nach Westen ausgerichtete Hanglange auf 300 m Meereshöhe. Chardonnay und Sauvignon stehen hier auf lehmigem Sandboden, der von Porphyrverwitterungsgestein durchzogen ist. Chardonnay und Viognier auf „Mazzon“ bilden unseren steilsten Weinberg, die sogenannte „Leiten“ mit bis zu 100 % Gefälle. Südwestexponiert auf 350 – 400 m Meereshöhe, mit kalkreichem, lehmigem Lössboden bietet dieser Steilhang ein ganz besonderes Mikroklima. Die entrappten Traubenbeeren blieben zur Mazeration vier Stunden in der Presse um Aroma und Struktur aus den Beerenhäuten zu extrahieren. Der Pressvorgang verlief sehr langsam und schonend, denn Finesse ist unsere oberste Maxime. Die Gärung erfolgte in Holzfässern verschiedener Größe, spontan mit traubeneigenen Hefen. Während des neunmonatigen Ausbaus auf der Feinhefe verfeinerten sich Aroma und Geschmack.

Mal sehen, was das im Glas bedeutet:

Goldgelb im Humpen, in der Nase Physalis und Nachtkerze, später auch Maracuja. Weiters nasse Steine und Kupfer, wenn man es heiß macht. Anfangs ist die Sophie hier komplett holzfrei, mit der Zeit kommt aber etwas Nelke auf. Am Gaumen dann eher nicht ganz reife Aprikose, etwas Banane, deutlich Minneloa. Auch ein paar Blumen, die ich hier aber nicht so genau einordnen kann. Und wiederum Steine. Etwas Korianderhonig, vielleicht der Einfluß vom Viognier. Dem SB hier was Spezifisches zuzuschreiben fällt mir allerdings schwer. Säuremäßig zeigt sich die Sophie recht ausgewogen und für einen Chardonnay ziemlich dicht. Ist ggf. jahrgangsspezifisch, wäre dann aber absolut von Vorteil. Leichte Holznoten sind auszumachen, aber wohltuend weit im Hintergrund, auch wenn sie sich innerhalb einer Stunde etwas intensivieren. Langer, wenn auch eher leichter, dafür komplexer Nachhall, der die Fruchtaromen nebst den Steinen schön differenziert betont.

Die Sophie ist ein Chardonnay, der (bzw. die) sich wohltuend von den meisten Rebsortenkollegen absetzt. Das mag auch dem Umstand geschuldet sein, daß hier ja auch noch in begrenztem Maß andere Trauben mitspielen, aber festlegen will ich mich da nicht. Ist auch egal, der Wein macht einfach viel Freude, das zählt!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

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