Weninger ist mehr

Den Titel hab‘ ich diesmal ganz frech vom Organisator der letzten WRINT-Flaschen Verkostung geklaut, ich hoffe, es sei mir von Seiten Christoph Raffelt und seinem Blog „Originalverkorkt“ verziehen…

Diesmal hätten wir ausnahmsweise mal Mittwochs zum eigentlichen Sendetermin Zeit gehabt, dummerweise war dann aber die Sendezeit ab 20:30 h nicht einschlußkompatibel, deshalb also mal wieder im Nachgang; ab 17:30 h haben wir’s uns mit den Podcast-Weinen plus „X“ gemütlich gemacht, um 20:59 h war ich regelkonform wieder von der Straße weg…

So war denn auch noch Zeit für einen Einsteiger:

Wein A: 2018er Tai – Biancone – Veneto IGT, Alla Costiera, Veneto

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Tai ist übrigens eines der Synonyme für die Rebsorte Friulano…

Leicht angerötetes Goldgelb, ist gleich recht fruchtig unterwegs, aber auf der eher sekundären Seite in Form von ganz leicht anfermentierten Pfirsichen und Mirabellen. Schmeckt auch so, vielleicht gegenüber dem nasalen Eindruck noch etwas sekundärer, dazu eine moderate, aber passende Säure, etwas rotlehmiger Untergrund. Der Abgang ist lang und warm samtig, eine Spur weißen Pfeffers gibt’s noch fürs Finale.

Mit etwas mehr Säure wäre der Biancole mit seiner an sich attraktiven Aromatik durchaus ein Nachkaufkandidat für mich, vielleicht ein Jahrgangsthema…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

1. Wein: 2018er Kékfrankos – Balf – száraz – OEM, Weninger, Soproni

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Leicht ins Violett gehendes mittleres Blutrot mit einiger Transparenz. In der Nase anfangs etwas plakative Kirsche, innerhalb einiger Minuten wird die Frucht deutlich ernsthafter und es kommen dann mehr und mehr harzhaltige Weichholznoten sowie ein Hauch Kleber dazu. Am Gaumen leicht, aber nicht substanzlos, mit einiger charmanter Würze, super integrierte, frische Säure, leichter, kühler Steingrund. Auch der schön lange Abgang ist sehr frisch und gehaltvoll-leicht, im Finale eine deutliche blaue, fast etwas stahlige, aber in keinster Weise harsche Mineralik.

Der Balf kommt auch im wärmeren 18er Jahr mit eher schlanken 12,5 Umdrehungen und trotz gehobener Frische und ausgeprägter Säure ohne jegliche Unreife auf der einen Seite sowie keinerlei Warmjahrspeck auf der anderen Seite daher. Hier wurde einfach rundrum alles richtig gemacht!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Wein: 2018er Blaufränkisch – trocken – Qw, Weninger, Mittelburgenland

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Im Glas ein etwas dunkleres Purpurrot mit violetten Anklängen, geringere Transparenz, riecht nach Schwarzkirschen sowie ein paar Brom-, Heidel- und Walderdbeeren; deutlich und angenehm Großholz mit Buchenstaub, ein Hauch Beifuß. Gaumal sehr frische und irgendwie auch gesetzte Kirschen plus ein leichtes Beerentopping, deutliche Säure, milde Herbheit. Auch der Abgang ist zwar primär fruchtig und frisch, bringt aber eine sehr ernsthafte Vollmundigkeit mit, im Finale macht sich das Holz mit einer kleinen aber feinen Specknote bemerkbar.

Ganz großartiger kleiner Wein, der fürs Geld enorm viel bietet, bereits voll „da“ ist und das auch noch in Super-Bio-Qualität! Insgesamt etwas differenzierter als der „Balf“ wirkend

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

3. Wein: 2017er Blaufränkisch – [Horitschoner] Ried Kirchholz – trocken – Qw, Weninger, Mittelburgenland

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Farblich ein sattes Rubinrot mit mittlerer Transparenz, riecht nach einem Mix aus diversen Kirschen, die mit einer deutlichen Geschmeidigkeit ausgestattet sind, dazu sehr feines Holz aus der Zedernecke sowie etwas altes Leder plus leicht Kräutersaitling. Geschmacklich ebenfalls leicht und dicht zugleich, sehr differenzierte Kirschseite, dezentes, fast kühles Holz, leicht kalkig-lehmig wirkende Basis. Auch der minutenlange Abgang ist frisch-kirschig-ernsthaft mit feiner Holzauskleidung und kühlem Finale.

Sehr schöner BF mit deutlichem Anspruch bei gleichzeitiger Unkompliziertheit, eher kühle Kaltjahrausrichtung, ihm sollte daher aus meiner Sicht noch Zeit gegönnt werden, auch wenn der Wein aktuell nicht wirklich unfertig wirkt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Es war dann sogar noch Zeit für ein bißchen Neutralisationswein:

Wein B: 2019er Rivaner – trocken – Gutswein, Schäffer, Franken

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Farblich ein ganz leicht rotstichiges Strohgelb, riecht nach weißer Johannisbeere, dezent Stachelbeere, etwas Estragon. Schmeckt dann auch so, satte Säure, deutliche und auch bereits lautere Scheureben-Aromatik, etwas nasse Terrasse. Der lange Abgang zeigt dann auch im Wesentlichen eine kühle, grünliche, aber nicht unreife Bukettraubenaromatik.

Wir fühlten uns am Tisch recht klar an Scheurebe der kernigeren Sorte erinnert, was jetzt aus meiner Sicht erst mal nichts Schlimmes ist, auch wenn das „Neutralisieren“ damit nicht wirklich gelingen konnte. Dieser Wein (und ein paar andere auch noch) wurden im Weinforum teils recht euphorisch beschrieben, weshalb ich ebenfalls ein paar Probefläschchen besorgt habe. Für mich bzw. uns ein durchaus schöner, eher in den Sommer passender Zischwein, jedoch ohne solch herausragende Qualitäten, als daß ich ihn -auch vom PLV her- auf die Nachkaufliste setzen würde. Allerdings hatte es der Rivaner gegen die zuvor getrunkenen Basis-Granaten vom Weninger nicht gerade leicht, dennoch denke ich, daß wir den Wein „gerecht“ bewertet bzw. eingeordnet haben…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit:

Es hat sich im Laufe des Abends sehr schön bestätigt, daß das Weingut Weninger vor allem auch deshalb ein Top-Erzeuger ist, weil bereits die Basisweine durchgängig nach deutlich mehr Geld schmecken als man für die jeweilige Flasche hinlegen muß. Vor allem gelingt die Balance zwischen Gehalt und Frische eigentlich bei allen Kreationen vorbildlich; lediglich in kühleren Jahren empfiehlt es sich, ein bißchen länger mit dem Genuß zu warten. So auch im Falle des „Kirchholz“, der objektiv der bessere, feinere Wein gegenüber den Gutsweinen ist, aber als Kind eines kühleren Jahrgangs ist er einfach noch nicht so weit wie seine warmen 18er Basis-Brüder.

Eine sinngemäße, zusammenfassende Aussage am Tisch war, daß man sich für den Alltagsrotweinbedarf eigentlich nur den Keller mit allerlei Weninger-Weinen zustellen muß, dann hat man auf viele Jahre hin immer Freude im Glas. Dem stimme ich gerne zu, denn auch hinsichtlich des Reifepotentials habe ich gerade auch mit den Einstiegsweinen des Guts über quasi alle Rebsorten sehr gute Erfahrungen gemacht. Und die Biodynamie ist im Preis auch noch serienmäßig enthalten…

Und dann muß ich schon wieder ein großes Lob hinsichtlich der begleitenden Verköstigung über „meinen“ Veranstalter ausschütten! Die nächste Verkostung steht schon in den Startlöchern…

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