Kraftvoller Schmeichler – Relaunch

In letzter Zeit hatte ich ja des öfteren „Relaunches“ von Weinchen, die seit der Erstbegegnung mehr als 4 Jahre Zeit zur Weiterentwicklung hatten, hier wieder sowas:

2010er [Cuvée] – Tinto – Bairrada D.O.C., Ataíde Semedo, Beiras

Farblich ein fast undurchsichtiges und recht dunkles Rubinrot mit ganz dezentem Braunstich. Riecht in erster Linie nach würzigem (Süß-) Holz, dieses geprägt von weichem Holzteer, süßlichem Pfeifentabak, älterer Zigarrenkiste und Zeder, dahinter etwas Pflaumen- und Brombeerkompott. Am Gaumen überwiegt auch klar das Würzholz, das genannte Kompott behauptet sich noch ganz gut, die Säure ist nicht überbordend, aber doch so ausreichend bemessen, um den Wein nicht plump werden zu lassen. Der Abgang hält mehrere Minuten lang an, dabei keinerlei störendes Beiwerk wie z.B. metallische Bitterchen, die bei solch reifen Basis-Tintos gerne mal auftreten können.

Trotz mittlerweile amtlicher Holzpräsenz kommt mir das Wort „Holzmonster“ hier nicht in den Sinn, obwohl es objektiv gesehen durchaus angebracht wäre. Eigentlich dürfte mir der Wein aufgrund meiner allgemeinen Vorlieben in seiner aktuellen Verfassung gar nicht mehr schmecken, er tut’s aber doch irgendwie, denn trotz aller Fülle kommt das Holz hier mit einer versöhnlichen Geschmeidigkeit und ohne Altersschwäche daher. Für ein 12 Euronen-Weinchen in dem Alter recht bemerkenswert, auch wenn ich ihn in jünger doch etwas attraktiver fand.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 20. Juli 2016:

Heute hatte ich in der Woche schon zum zweiten mal die Gelegenheit, einen Roten loszuwerden. Da dachte ich mir, ich könnte mal wieder einen Ausflug nach Portugal wagen:

2010er [Cuvée] – Tinto – Bairrada D.O.C., Ataíde Semedo, Beiras

Dieser Tinto ist übrigens eine Cuvée aus Baga und Touriga Nacional.

Im Glas ein ziemlich dunkles Rubinrot, praktisch nicht transparent. In der Nase recht mineralisch: roter Phosphor und mal wieder 600er Naßschleifpapier. Dahinter aber sehr schwarze Kirschen und schwarze Johannisbeeren, ergänzt durch etwas Kakao. Das Gleichgewicht verschiebt sich allerdings im Laufe der Zeit zu Gunsten der Früchte. Am Gaumen eher wenige Tannine, die sind jedoch recht geschmeidig. Dennoch hat der Wein ordentlich Schmackes im Glas, seine 13,5 Umdrehungen wirken da fast untertrieben. Die oben beschriebene Mineralik ist hier nicht ganz so intensiv bzw. äußert sich eher in Form von herben Steinen, Ackerscholle und den Holznoten in Form von Kakao wie oben und -ich mußte lange überlegen- Süßholz. Zwar in intensiver Form, aber dennoch nicht dominierend, die Früchte: wieder die schwarze Kirsche und etwas Heidelbeere, aber auch Pampelmuse – ohne Fruchtsäure, aber mit leichtem Bitterchen. Nicht falsch verstehen: Säure hat der Wein ordentlich bzw. gerade richtig, um trotz des Gehalts für eine elegante Frische zu sorgen. Der Abgang ist von einiger Fruchtsüße geprägt, das führt zu einem warmen, fast samtigen Gefühl im Rachen, das wenigstens fünf Minuten anhält.

Wieder mal so ein Weinchen, das Kraft und Eleganz schön miteinander zu kombinieren vermag. Übrigens: Alterungstöne? Bis jetzt Null. Gibt’s übrigens hier (der Inhaber ist Mitglied unserer Weinrunde, deshalb mache ich hier mal unbezahlte Werbung), allerdings findet man den von mir beschriebenen Jahrgang dort nicht mehr; ein paar Flaschen gibt es aber wohl noch (siehe bei den Kommentaren unten).

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

8 comments on “Kraftvoller Schmeichler – Relaunch

  1. Danke für diesen super Review und die „unbezahlte Werbung“ Erich :).

    Vom 2010er Jahrgang habe ich noch ein paar wenige Flaschen im Lager. Ansonsten ist der 2013er auch sehr gut gelungen :). Den 2014er Jahrgang hat der Winzer übersprungen, da er für ihn nicht die Qualität erreicht hat die er sich vorstellt. Die Bairrada wird in schwächeren Jahren halt immer am stärksten getroffen.Der 15er Jahrgang ist aber auch schon in den Startlöchern und wird wohl der Qualität des 10er in nichts nachstehen.

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    • Hallo Manuel,
      das spricht ja durchaus für den Winzer, wenn er so handelt, auch wenn das Auslassen eines Jahrgangs wahrscheinlich finanziell schmerzlich ist. Es gibt ja durchaus auch einige Winzer, die „raushauen, was geht“. Andererseits entwickeln sich solche Jahrgänge über die Jahre manchmal erstaunlich gut (wie ich mit manchen 2010ern aus D erfahren konnte -sogar von der Ahr, da gab es diesbezüglich sogar mal eine Kaufwarnung von einem der führenden Weingurus-). Da braucht man dann halt einen langen Atem…

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  2. Ich hab auch noch welchen daheim 😉 Erich danke für die ausführliche Bewertung. Hab den Wein für ein Essen angedacht. Dank deiner „Entschlüsselung“ kann ich ihn Perfekt kombinieren.

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