Julius IV. – Relaunch

Über 5 Jahre nach der Erstbegegnung -die nicht so sonderlich euphorisch stattfand- habe ich nunmehr folgendem Kaltjahrriesling eine zweite Chance gegeben:

2014er Riesling – Würzburger Stein – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Ein mittleres Goldgelb im Glas, nasenmäßig gibt’s frisch und dicht Zitruskonzentrat aus Ugli, Minneloa und Pomelo, ein oder zwei Pattex-Moleküle, angekündigte blau-kühle Mineralik, mit etwas Luft auch kalter Flint. Gaumenmäßig dann etwas niederviskoser als erwartet, der Zitrusmix ist leicht zur gelberen Seite hin verschoben; ziemlich knackige, hochfrische Säure, insgesamt von glockenklarer Struktur, auch unterstützt durch die relativ kühl wirkende Steingrundlage, welche m.E. eher wenig Hinweise auf den Muschelkalk der Lage gibt. Auch der Abgang ist sehr zitrisch-frisch, hier auch einiges an Korund / Schleifscheibe, was den kühlen Charakter klar zementiert.

Nunmehr ein ganz hervorragender Kaltjahrriesling mit geringster Trinkhemmung, vorbildliche Balance zwischen Gehalt und Frische, schöne Differenzierung der verschiedenen Zitrusaromen. Kalte Jahre brauchen halt einfach ein bißchen länger…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 15. November 2015:

Der vierte Kandidat in der Testreihe vom Juliusspital ist der

2014er Riesling – Würzburger Stein – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Der Wein wird ja als eines der Flaggschiffe des Weingutes bezeichnet, weil er von der Lage stammt -Würzburger Stein-, die auch schon mal als die beste Lage des Juliusspitals bzw. als die beste Lage in Würzburg bezeichnet wird. Laut Weingut bzw. Handel wird der Wein wie folgt angepriesen:

Rassiger Muschelkalkriesling, mineralisch, mit großer Klarheit, reine Fruchtaromen von Pfirsich und Aprikose.

Ein klarer, brillianter Riesling mit einer beeindruckenden Intensität. Die exotischen Fruchtnoten und seine wohl dosierte Säure sprechen für sich. Die rauchig mineralischen Komponenten charakterisieren ihn als Spitzenwein vom Würzburger Stein

Schau ma mal: im Glas stroh- bis goldgelb, in der Nase weißer Pfirsich und ein paar gelbe Äpfel, einige mit Moos bewachsene Steine. Am Gaumen für eine Erste Lage auch nach einiger Zeit nicht besonders intensiv. Ein paar Äpfel wiederum, aber eher auf der grünen Seite, Reneclaude, etwas Limette, Steine und Säure sind auch eher zurückhaltend. Die 13,5 Ampere merkt man nicht mal im Ansatz. Der Abgang hält zwar lange an, ist aber auch eher etwas schwach auf der Brust.

Den obigen Beschreibungen kann ich also nur zum Teil bzw. gar nicht folgen. Ich vermute mal, daß der Riesling einfach deutlich länger braucht, bis er so richtig Spaß macht, als das bei seinen Silvaner-Brüdern der Fall ist. Ich gebe den anderen Flaschen jetzt mal mindestens 3 Jahre, dann sehen wir weiter. Für den schnellen Genuß gibt’s jedenfalls deutlich bessere Sachen um den gleichen Preis. Da ändert auch die Franken-Gold-Medaille nichts…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft: In der Nase jetzt deutlich intensiver nach Pfirsich und Mango duftend. Am Gaumen ebenfalls viel dichter. Hier dominieren jetzt gelbe Grapefruit (gibt’s leider fast nicht mehr zu kaufen, immer nur dieses pinke Zeugs…) mit dem zugehörigen Bitterchen, Blutorange, Tamarinde, weiters auch Ananas und Karambole. Die Säure ist etwas rauh, aber vielleicht schleift sich das über die Jahre noch ein. Jedenfalls hat der Wein in den 4 Tagen nach dem Öffnen einen großen Schritt nach vorne gemacht. Einen Tag vorher war er übrigens noch im Wesentlichen auf dem Stand der ersten Verkostung, es handelt sich hier also nicht um eine lineare Entwicklung. Schon lustig, wie unstet sich manche Weine entwickeln.

Meine Hoffnung, daß sich der Wein in ein paar Jahren wirklich groß präsentiert, wird durch diese schöne Entwicklung bestärkt. Mal sehen…

2 comments on “Julius IV. – Relaunch

  1. Hatte den Wein auch an diesem Wochenende im Glas und muss sagen, dass ich recht enttäuscht war. fand ihn ziemlich flach, dafür recht säurehaltig und wenig was dagegensteht. Lagere mir die andere Flasche, die ich habe auch ein und denke auch, dass sich da etwas tun wird, andererseits würde ich bei der Kategorie an Wein durchaus Erwarten, dass man den Ende 2015 mit viel Genuss trinken kann, war bei mir leider nicht gegeben.

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    • Hallo Sascha,
      ich teile deine Meinung Meinung voll und ganz. Es passiert ja auch in den seltensten Fällen, daß man 4 Tage Zeit hat, die Flasche zu beobachten. Auch und gerade für die Gastronomie ist sowas sehr schwierig, wenn man den Wein nicht einfach ein paar Jahre im liegen lassen kann…

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