Warm und kühl in Einem

Wenn ich alleine bin, trinke ich in aller Regel nichts, eigentlich brauche ich dazu Gesellschaft. Aber in den letzten Tagen habe ich eine Ausnahme gemacht, da ich das erste mal seit längerer Zeit wieder mehrtägig geschäftlich unterwegs war. Da mich das Pandemie-Gedöns in den Hotels abgeschreckt hat, habe ich einfach eine Ferienwohnung gemietet und mich essensmäßig selbst versorgt. Dazu habe ich mir ein paar Weinchen mitgenommen, um dann zum jeweiligen Essen was Passendes dabei zu haben. Folgendes Weinchen wurde am ersten Abend nach knapp 700 km Wegstrecke geöffnet:

2017er [Pinot noir] – Les Crays – Bourgogne Rouge AC, Vignes du Maynes – Julien Guillot, Bourgogne

Farblich ein dunkleres Rubinrot mit ziegeligen Rändern und eher geringerer Transparenz, in der Nase gibt’s deutlich steinmehldotierte Kirschen (später auch rote Pflaumen) im Unterholz sowie auch etwas zurückhaltend eine Möbelschreinerei. Am Gaumen dann deutlich kühler und frischer als nasal angekündigt, komplett trockene Anmutung, glasklare Säure, das Holz präsentiert sich hier sehr distinguiert und essigbaumgrün, ein bißchen Gebirgsbachbett noch. Der Abgang ist ebenfalls sehr klar und schlank, dabei aber nicht substanzlos, das sehr lange Finale konzentriert sich auf die kühlen und doch irgendwie elegant wirkenden Kirschen.

Je nach Essen mag ich solche filigran-coolen Understatement-Pinots neben den eher wärmeren Waldweinen auch sehr gerne, hier hat man vom Bukett bis zum Nachhall von allem etwas, was aber auch zur Enttäuschung führen kann, wenn man eher auf heimeligere PN’s steht. Zum nur kurz angebratenen, „blauen“ Filetsteak paßte das jedenfalls sehr schön!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

2 comments on “Warm und kühl in Einem

  1. Lustig, gerade zufällig den 18er Crays im Glas. Beschreibung passt da auch, bis auf die Möbelschreinerei (igitt), ich bin anfangs eher bei ganz dezent Stall. Aber null freakig/fehlerhaft, einfach bissl wild und sehr lebendig. Sehr guter Wein.

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    • Hallo Christoph,
      in der von mir assoziierten Möbelschreinerei werden eher alte Bauernmöbel restauriert, denn schwedische Preßspan-Regale am Fließband zusammengeleimt, so weit weg ist der Stall da gar nicht. Freakige Fehler sehe ich bei dem „Les Crays“ auch nicht, aber ins Denkschema der Mehrheit der „klassischen Pinot-Fans“ paßt’s wohl eher nicht. Bin gespannt, wohin sich der Wein mit ein paar Jahren Auszeit noch entwickelt…
      VG vom Erich

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