Der Kampf der Spitäler… – Relaunch

Heute ist mir beim Kellerstöbern -Silvaner war angesagt- mal wieder ein Wein vom aus meiner Sicht „anderen Würzburger Spital“ in die Hände gefallen:

2016er Silvaner – Würzburger Stein – trocken – Erste Lage, Bürgerspital, Franken

Die Farbe ist (immer noch) ein helles Strohgelb, riecht anfangs recht spärlich nach fast gar nichts, aber nach etwa 20 Minuten kommt dann mehr und mehr dichtes, jedoch nicht (über-) reif wirkendes, eher sogar frisches, unprimäres Steinobst plus Kaki zutage, weiters leicht Bohnerwachs bzw. Lederfett. Am Gaumen wiederholt sich das weitgehend, die Säure ist deutlich, aber auch geschmeidig, steinseitig assoziiere ich Kreide und Gips. Der Abgang ist von schöner Länge, hier ein ganz leichtes, grünliches Bitterchen der angenehmen Sorte, fast könnte man an etwas reduktives, burgundisches Großholz denken.

Aktuell befindet sich dieser Silvaner in einer eher schlanken (Übergangs-?) Phase, ich traue mich jedoch nicht vorherzusagen, ob es ab hier nochmal aufwärts oder doch eher kontinuierlich bergab geht. Nach etwas Anlaufzeit durchaus schön, aber die Begeisterung der Erstbegegnung stellt sich nicht mehr in gleicher Weise ein, auch wenn der Wein aktuell eigentlich mehr Charakter bzw. Kante als vor zweieinhalb Jahren zeigt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 29. September 2018:

…ging in den letzten Jahren -wenn ich den Vergleich mal gemacht habe- eher immer knapp für das Juliusspital in Würzburg aus, die Weine des Bürgerspitals waren eigentlich immer ein Stückchen hinten dran, was aber nicht heißen soll, daß die Weine deshalb nun schlecht wären. Deshalb habe ich mich, wenn’s um Würzburger Spitalweine ging, immer eher für die vom Juliusspital entschieden. Gestern gab’s dann aber mal wieder was vom Bürgerspital:

2016er Silvaner – Würzburger Stein – trocken – Erste Lage, Bürgerspital, Franken

Die Farbe ist ein etwas helleres Strohgelb, für die Nase gibt’s von Anfang an viel gelbes Steinobst, innerhalb einer guten halben Stunde verdichten sich Pfirsich, Aprikose und Kaki deutlich, ganz leicht ist auch Koriandersaat erkennbar. Geschmacklich ebenfalls viel sattgelbe Frucht, der aber ein schöner Batzen Säure gegenüber steht, die jegliche Breite vermeidet. Dazu auf der Würzeseite etwas unraffinierter Palmzucker bzw. Malzbonbon, was aber nicht zu einem zuckerschwanzigen Eindruck führt. Den Muschelkalk muß man zwar aufgrund des amtlichen Extrakts etwas suchen, man findet diese Steinchen aber recht schnell. Der Abgang ist ziemlich lang, dabei wieder recht fruchtig, leicht angewürzt, hier schlagen die Steinchen in Kombination mit etwas weißem Pfeffer deutlich stärker zu.

Dieser Stein-Wein ist einerseits primär ein fast schon opulenter Fruchtinger, die steinigen und würzigen Komponenten machen aber ein recht komplexes Weinchen daraus. Der bürgerliche Stein-Silvaner ist damit dem Pendant vom Juliusspital immerhin fast ebenbürtig, auch wenn ich den jetzt nicht parallel daneben im Glas hatte. Ein Tick an Varianz auf der Frucht- und Würzeseite fehlt im Vergleich dann doch, jedenfalls gemäß meiner Erinnerung an die Konkurrenz. Das ist nun allerdings Meckerei auf beidseitig hohem Niveau. Ich bin mal gespannt, wie das Alterungsverhalten dieses Silvaners ist, macht aber auch jetzt schon erheblich Freude. Und: ist sehr viel Wein fürs Geld…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

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