Die hohe Kunst der Leichtigkeit

Eigentlich hätte ich zum gestrigen Essen eher zu Pinot noir (oder auch Trousseau) gegriffen, aber die letzten Tage haben mir einige PN’s in die Gläser geschwappt, so daß ich nun dezidiert nach was Anderem gesucht habe:

2018er [Cuvée] – Táganan – Tinto – Vinos Atlanticos, Envinate, Islas Canarias

Die ist übrigens eine Cuvée aus Negramoll, Listán Negro, Moscatel Negra, Listán Gaucho sowie Vijariego Negro

Farblich ein leicht violetthaltiges Kirschrot mit hoher Transparenz, in der Nase erst ein leichter Kelleranflug (ist nach gut zwei Stunden fast komplett weg), dann helle Kirschen, etwas staubige Johannisbeere, ein Hauch sonnengegerbtes Fichtenholz. Am Gaumen ist die Frucht sehr leicht und kühl wirkend, vermittelt aber kein Gefühl der Substanzlosigkeit, die herb-schlanke Rotfrucht ist sehr klar und fokussiert, weiters eine ebenso klare Säure, dazu wieder etwas degressiver Kellerdreck, ein paar wenige und doch stilbildende Tannine, ein Hauch Hartfaserplatte, steinseitig fast inert, aber was hartes Blaues schwingt doch mit. Der ordentlich lange Abgang zeigt die Fruchtreste nochmals weiter reduziert, wobei hier auch noch ein Erdbeerhauch dazukommt, der vor allem das Finale dominiert.

Bei eher leicht wirkenden Weinen hab ich häufig das Problem, daß mit der Leichtigkeit auch quasi automatisch eine gewisse Inhaltsleere einher geht; anscheinend ist es ein größeres Problem, schlanke Weine vor einem geschmacklichen Loch zu bewahren. Hier ist das aus meiner Sicht sehr schön gelöst, denn der Wein machte zu Lammlenden eine äußerst gute Figur und ließ sich nicht unterkriegen; die leichte Schmutzigkeit könnte manchen anfangs „Weinfehler“ schreien lassen, für mich ist es eine animierende Kante.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

4 comments on “Die hohe Kunst der Leichtigkeit

    • …war mal ein Beifang bei einer Bestellung, den „Migan“ hab ich auch noch. Leider gab’s da die Weißen nicht, aber auf der Wunschliste stehen die bereits.
      Bei den ganzen Natursachen zeigen sich für meinen Geschmack die Weiß- (oder Orange-) -weine mehrheitlich spannender, aromatisch ausgefallener als die Roten, deshalb kann ich gut nachvollziehen, daß das hier auch so ist…
      VG vom Erich

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