Das verflixte 7. Jahr

Heute führten die Überlegungen, was wohl zu pilzlastigen Panzerotti passen würde, nicht zu einem Italiener, sondern geradewohl nach Franken:

2011er S7lvaner – Escherndorfer Lump – trocken – Erste Lage, Schäffer, Franken

Die etwas eigene Wortkreation rührt daher, daß der Wein gut 7 Jahre lang auf der Hefe lag, 4 davon im Holzfaß (2014 ins Faß gelegt, 2015 wurde die Vollhefe des 2014ers hinzugefügt), am 04. April 2018 kam der Wein aus dem Faß, wurde filtriert und Mitte April 2018 wurde das Ganze dann erst abgefüllt. Das Weingut schreibt dazu auf seiner Heimseite:

Wir wollten mit diesem Wein herausfinden wie ein Wein im Fass mit Hefe im Gegensatz zur Flasche reift.

Einen 12er oder 13er „S7lvaner“ gibt’s aktuell im Shop des Guts nicht, ob das also ein einmaliges Experiment war? Und gab’s in 2012 überhaupt eine reguläre 11er Erste Lage aus dem Lump? Eigentlich ja nicht, da die Lage dann ja schon „verbraucht“ gewesen wäre und der „S7lvaner“ gemäß den (mir nach wie vor schleierhaften) VDP-Statuten nur ein lagenloser Ortswein bzw. Qw sein dürfte. Tatsächlich habe ich in einer alten Preisliste des Weinguts einen „2011er Silvaner – Escherndorfer Lump – trocken – Spätlese – Pw“ gefunden. Also hat man da vorausschauend auf eine 11er Silvaner EL aus dem Lump verzichtet? Hört sich mal wieder nach ziemlichem Quark im VDP-Getriebe an…

Die Farbe ist ein schon fast kitschiges Goldgelb, kurz vor der Fluoreszenz, riecht nach recht sekundären Aprikosen und Pfirsichen, welche von etwas Tabak und Torf überlagert werden. Am Gaumen verstärkt sich die Silvaner-Reifearomatik noch etwas, wobei diese nicht ältlich daherkommt, sondern eher erwachsen, hier auch ein kleines Zigarrenkondensatbitterchen; die Fruchtseite spielt in der zweiten Reihe mit, auch hier das genannte Steinobst sowie etwas angecremte Pampelmuse incl. zugehörigem Bitterchen, die Säure agiert recht munter-frischlich, die Steinseite geht fast etwas unter, aufgrund der Bitterspur wirkt diese eher kühl-kantig, beinahe etwas schieferig. Der ziemlich lange Nachhall zeigt dann die Pampelmuse am deutlichsten, hier eine ordentliche Spannung zwischen Bitterchen nebst Säure sowie der fast ins Ölige gehenden Restfrucht.

Diese eher ungewöhnliche Vinifizierung hat einen ebenso wenig typischen Silvaner hervorgebracht, obwohl die Grundstruktur dafür schon paßt; hier stehen deutliche Anzeichen von Reife ebenso prägnanten jugendlich-frischen Attributen gegenüber, was für eine belebende Spannung sorgt. Aus meiner Sicht jedenfalls ein durchaus gelungenes Experiment, wobei ich allerdings meine, daß der Wein drei Jahre nach seiner Abfüllung nunmehr seinen Zenit erreicht haben dürfte oder zumindest nicht allzu weit davon entfernt ist; also besser keine 6er-Kiste mehr davon kaufen, zwei Flaschen sollten reichen…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

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