Meersburger Burgunder-Mix – Relaunch

Heute nach bald drei Jahren Ruhe gab’s mal wieder ein Weinchen, von dem ich hoffte, daß es den Spagat zwischen Fülle und Beschwingtheit immer noch gut hinbekommt:

Ein leuchtendes Altgold im Glas, fürs Näschen gibt’s vom Fleck weg ordentlich Steinobst und etwas Kaki in reduzierter und leicht reduktiver Form, der ein paar wenige oxidierte Fruchtfetzen überlagert sind, dazu ein bißchen gelb-grünes Frischholz. Am Gaumen wird der fruchtige Eindruck weitgehend bestätigt, hier auch etwas reifere Kochbanane, dem amtlichen Extrakt steht eine relativ satte Säure gegenüber, welche mit etwas weißem Pfeffer im Gepäck für einige Spannung sorgt, auch hier dieser leichte, irgendwie gelb-grünliche Holzeindruck, mit Suchen fällt mir steinseitig bemooster Tuffstein im Eibenwald ein. Der mehrminütige Nachhall wirkt leicht herber und auch etwas cremiger, hier auch etwas Koriandersaat, im Finale behaupten sich dann aber Säure und Pfeffer und vermeiden jede Anstrengung.

Ganz ansatzweise blitzt hier immer wieder der Benchmark „Burgund“ auf, um dann jedoch gleich wieder verworfen zu werden, zu eigen ist da die Wahrnehmung der Sekundärseite mit dem doch recht speziellen Holzeindruck sowie dem sehr charakteristischen Mix aus reduktiven und oxidativen Noten, auch wenn es sich teils nur um Spuren -allerdings prägende- handelt. Den Chardonnay kann man durchaus erkennen, blind hätte ich wohl auch darauf getippt, der hälftige Grauburgunderanteil ist schlüssig, wenn man’s weiß. Jedenfalls ein super Schnitzelbegleiter, der sich seit der Erstbegegnung super behauptet hat, die Frucht ist halt reifebedingt zur sekundären Seite gewandert, wirkt insgesamt etwas eleganter und doch auch spannender zugleich. Der Bodensee kann schon was, wenn man ihn läßt…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 01. Mai 2018:

Es ist ist schon einige Zeit her, daß ich zuletzt einen Burgunder-Mix vom Bodensee im Glas hatte. Den verlinkten Wein fand ich damals sehr schön, mal sehen, ob der

2015er Grauburgunder + Chardonnay – Meersburger Sängerhalde – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

in dessen Fußstapfen treten kann. Der Mix besteht übrigens zu jeweils 50 % aus den beiden Rebsorten.

Im Glas ein recht deutliches Goldgelb, für die Nase gibt’s recht satt gelbe Frucht von Pfirsich über Aprikose bis zur Mango, aber nicht auf die platte Art, ein paar Nüßchen und Gerbstoffe gehören auch dazu. Geschmacklich schlägt der G+C in die gleiche, leicht aristokratische Fruchtkerbe (wie komm ich jetzt da drauf?), hinter dem irgendwie schmatzigen Extrakt schimmert auch etwas bemooster Fels in einer Klamm durch. Die Säure ist für solch eine Fruchtbombe recht bemerkenswert, sie läßt dennoch eine leichte Cremigkeit zu. Der Nachhall hallt lang und schön, hier ist die intensive Frucht am deutlichsten mit Gesteinsmehl gepudert, der Wein bleibt aufgrund der gut dosierten Säure weiterhin auf der unangestrengten Seite.

Wenn man sich mal ein primäres Fruchtweinchen einbildet, dabei aber dennoch nicht auf abwechslungsreiches Beiwerk verzichten mag, dann ist man hier sehr gut bedient, finde ich. Paßte jedenfalls wunderbar zum Essen (Kräuterrouladen im Blätterteig), ist als Solist aber ebenfalls nicht zu verachten, jedenfalls führte das letzte Solo-Glas auch zu keinerlei Völlegefühl. Wenn jetzt noch jemand generell was gegen den Grauburgunder ins Feld führt, weiß ich auch nicht, was man noch an positiven Beispielen anführen soll. Auch mit Chardonnay kann er aus meiner Sicht wunderbar zusammenarbeiten, wenn der Winzer seine Hand gekonnt drüber hält.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s