Angereifter Küchenmeister – Relaunch

Nach gut 3½ Jahren wurde es Zeit, ein weiteres Fläschchen des

2012er Sylvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Weltner, Franken

zu enstöpseln, welches sich beim letzten mal ja bereits im leicht angereiften Stadium befand:

Im Glas ein satteres Goldgelb, nasal zeigen sich deutliche, aber nicht zu aufdringliche Silvaner-Reifenoten wie Torf und Totholz vor Resten von Pfirsichen und Aprikosen. Gaumal präsentieren sich T+T höchst geschmeidig bzw. samtig, der weit fortgeschrittenen, matschigen und kurz angegorenen Frucht (hier vielleicht noch etwas Kaki) wird durch die muntere Säure ordentlich auf die Beine geholfen, dazu eine kleine Spur weißen Pfeffers sowie ein paar recht herbe Trockenkräuter auf leicht seifigem Kalk. Der ordentlich lange Abgang kommt mit einem dezenten Campari-Bitterchen daher, Altfrucht und Säure liefern auch hier eine schöne Spannung.

Trotz der nunmehr deutlichen Reife kommt dieser Sylvaner alles andere als behäbig daher, der geschmeidig-frische Stil läßt mir keinen Raum zu nachhaltiger Meckerei, auch wenn die Vielfalt der Aromatik vielleicht etwas nachgelassen hat; das macht der Wein aber mit seiner wunderbar ausgewogenen Gesamtstruktur wieder wett. Kann sicher noch ein paar Jährchen vertragen, muß aber nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 21. Oktober 2017:

Zur Maronensuppe gab es heute mal wieder ein schönes fränkisches Sylvanerchen:

2012er Sylvaner – Rödelseer Küchenmeister – trocken – Erste Lage, Weltner, Franken

Im Glas zeigt sich ein mittleres Goldgelb mit leichtem Ocker-Einschlag. Das Bukett ist anfangs eher verhalten, aber nach spätestens einer halben Stunde dreht der Sylvaner richtig auf: ein gut sortierter und prall gefüllter Fruchtkorb erwartet einen mit Physalis, Papaya, etwas angematschter Aprikose und Quitte. Dazu gibt’s auch ein bißchen Blütenhonig sowie ganz leicht Vanille und Schnupftabak. Am Gaumen erscheinen die Früchte etwas mit braunem, malzigen Palmzucker garniert zu sein; diesem doch etwas fett anmutendem Extrakt steht aber genügend und vor allem sauber strukturierte Säure gegenüber, die den Y-Sylvaner schön und anhaltend fließen läßt. Der Bodeneinfluß geht am Gaumen zwar fast etwas unter, dafür hält der Abgang dann mehr kalkig-herbes Gesteinsmehl parat, welches mit etwas Lakritze um die Pole-position zankt. Hier spielen die Früchte zwar auch noch erkennbar mit, haben aber doch ein bißchen das Nachsehen.

Insgesamt ist dies für mich ein sehr typisches Beispiel dafür, daß und wie Sylvaner reifen kann. Dabei ist der Höhepunkt vermutlich noch in etwas weiterer Ferne, ein paar Jährchen traue ich dem Wein durchaus noch zu. Schön und interessant in diesem Fall für mich vor allem, daß der Wein in den verschiedenen Trinkstadien (gibt’s das Wort überhaupt?) jeweils andere Schwerpunkte setzt. Macht sehr viel Freude, nur ein bißchen Zeit sollte man mitbringen oder den Wein ggf. karaffieren.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

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