Kochwein für Geizhälse

Vor lauter Pandemie hat einer meiner Weinhändler, bei dem ich eh schon relativ viel kaufe, seit einiger Zeit so eine Art „Dauerrampe“ eingeführt, auf der es aus seinem Sortiment ständig wechselnde Angebote gibt. Der Händler hat vor allem deshalb zu kämpfen, weil er eigentlich zum allergrößten Teil die Gastronomie beliefert. Jetzt hoffe ich einfach mal, daß er dieses Tal der Tränen so übersteht. Ich kann auch nicht ständig mehr in meinen Keller reinschlichten als ich raustrinke, aber ich versorge mit meinen gehäuften Einkäufen nunmehr einen größeren Teil meines Umfelds auf diese Art mit Weinen, die dann wiederum solche aus dem Lebensmittelhandel verdrängen und gekocht muß ja schließlich auch werden. Den unteren Preisvogel hat dabei mit 2,95 Euronen pro Flasche der

2012er [Cuvée] – Basisrot – trocken – Qw, Weinreich, Rheinhessen

abgeschossen, der regulär immerhin fünfeinhalb Taler kostet. Gekannt habe ich diese Cuvée aus 60 % Dornfelder, 20 % Merlot und 20 % Regent nicht und normalerweise komme ich auch nicht auf die Idee, mir sowas zuzulegen, vor allem nicht blind. Aber nachdem ich von Weinreich schon einige sehr nette Sachen im Glas hatte, dachte ich mir, daß das Risko, daß der „Basisrot“ nicht mal zum Kochen zu verwenden ist, doch recht überschaubar ist…

Farblich ein dunkleres Rubinrot mit leicht angebräunten Rändern und geringerer Transparenz. Das Bukett ist saftig und leicht ankompottiert mit vorrangig reiferen Pflaumen und ein paar Schwarzkirschen, dazu was tabakig Ledriges. Am Gaumen setzt sich das so mit einiger Intensität fort, die Säure ist schön bemessen, verhindert aber nicht, daß der amtliche Extrakt gut zulangt, auch hier wieder etwas Leder und Tabak. Der ziemlich lange Abgang wiederholt das nochmals, hier ist die Würze am angenehmsten, das Finale wirkt trotz gerade mal 12,5 Umdrehungen leicht wärmend.

Für seine 9 Jahre ist dieser Basisrote erstaunlich gut „beinand“, störende Altersattribute gibt es gar nicht. Ist jetzt nichts, was mir schon von der Grundstruktur her Freude bereitet (könnte man tatsächlich für merlotdominiert halten), konkret ist mir vor Allem die Extraktsüße zu vorlaut, ist jedoch als Kochwein (in dem Fall für die Burritofüllung) absolut i.O. Wer auf solch fülligere, saftige Sachen mit leichter Süßebetonung steht, kann das sicher auch ohne Weiteres so wegsüffeln, dann wäre auch gegen den Normalpreis aus meiner Sicht nichts einzuwenden.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

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