Unterkühlter Burgunder – Nachtrag

Gestern haben wir mal wieder einen der in präpandemischen Zeiten eingeschmuggelten burgundischen Probanden geöffnet, bei dem wir keine großartige Vorstellung hatten, was uns da erwartet:

2015er [Pinot noir] – Savigny-les-Beaune AC, Alex Gambal, Bourgogne

Farblich ein dunkleres Kirschrot mit mäßiger Transparenz. Fürs Näschen gibt’s recht würzige Kirsch- und Beerenfrucht, wobei die Würze im Wesentlichen aus dunklem Tabak, Chili und etwas Lakritz besteht, später auch ein Hauch grüne Paprika. Am Gaumen ebenfalls zuerst die Sekundäraromen, welche noch durch ein bißchen Holzteer ergänzt werden, erst danach machen sich Weichseln und ein bißchen Pimiento bemerkbar, dazu ein paar eher flaumige Tannine sowie eine kühle Säure; auch die Steinchen muten eher herb-kältlich an. Der schön lange Abgang ist auch recht frisch und fast schlank unterwegs, ist der reduzierteste Teil des Genusses.

Dieser PN ist ein eher etwas unterkühlt wirkender Rebsortenvertreter, dabei aber nicht filigran, andererseits aber auch in keinster Weise füllig, auch wenn das Bukett das anfangs noch etwas vorgaukelt. Von der Grundausrichtung her durchaus mein Beuteschema, wirkt aber zumindest aktuell ein bißchen uncharmant bis fast abweisend, da er auf mich ab dem Gaumen eher „technisch kalt“ denn „schmutzig kühl“ wirkt. Auch wenn das für burgundische Verhältnisse ein eher günstiger PN ist, stellt sich da aktuell kein Nachkaufreflex ein.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: nasal taucht jetzt noch ein kleines Mini-Wäldchen mit bemoosten Stämmen auf, das in der Folge beständig größer wird. Am Gaumen geht die Entwicklung anfangs eher ins Vegetabile mit würzigen Wirsingrouladen und Pilzen plus Pfeifenkondensat, aber auch hier wächst langsam aber sicher ein grüner Laubwald mit ordentlich Flechtenbefall. Auch der Abgang schaut erst in die grünliche Tabaksaftrichtung, entwickelt sich aber Zug um Zug ebenfalls in die Grünwaldrichtung, klar eher Frühling als Herbst. Das ist vom Aromenmix schon irgendwie interessant, um nicht wild zu sagen, zu einer höheren Benotung hat mich das anfangs nicht hingerissen, aber mit der Zeit hab ich dann doch mehr als einmal über eine Bewertungsaufbesserung nachgedacht, wird schon…

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

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