Fränkisches Allerlei

Die Zeit der Online-Verkostungen dauert ja anscheinend noch länger, diesmal haben wir an einer teilgenommen, die vom DIW veranstaltet wurde; einmal im Monat wird da eine ganze Weinregion präsentiert, bezüglich der Weinchen gibt’s nicht eine feste Auswahl, sondern verschiedene Händler oder Winzer können hierzu entsprechende Pakete schnüren. Wir haben uns für eines entschieden, welches nur Bio-Weine enthielt, die darüber hinaus zumindest teilweise nicht den konventionelleren Spuren der fränkischen Weinstilistik folgen. Die Mitmach-Möglichkeiten sind jedoch auf den Chat begrenzt, also wieder eher eine Art „Frontal-Unterricht“, war aber dennoch recht informativ, auch wenn der Struktur folgend die Einzelweine nicht im Detail thematisiert wurden.

Diesmal gab’s wieder ein kleines Intro:

Prolog:

Wein A: 2017er Spätburgunder – [trocken] – Qw, Achim Jähnisch, Baden

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Im Glas ein hochtransparentes Rubinrot mit leichtem Ziegelschlag, riecht nach würziger Kirsche mit Sternanis und etwas Nelke. Geschmacklich ist der Wein recht leicht unterwegs, die an sich dichte Aromatik zerfällt dabei ein bißchen in ihre Bestandteile, die Säure ist dafür gut austariert, eher kühles Steinbettchen. Der Abgang ist relativ lang und repetiert den gaumalen Eindruck mehr oder weniger 1:1.

Einfach, aber durchaus schön, vor allem nichts, was ich state pede als „typisch deutsch“ einstufen würde. Einen Nachkauf sehe ich für mich jedoch nicht, Spätburgunder ist bei mir doch eher was für besondere Anlässe…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Drama: nun nach Franken:

1. Wein: 2018er Silvaner – [Tauberzeller Hasennestle] – Steillage – Alte Reben – trocken – Taubertäler Landwein, Kraemer, Franken

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Farblich ein trübes Altgoldocker mit leichtem CO2-Rest, nasal klar naturweinig mit vorwiegend reduziertem Apfelmost, deutlich gerbstoffig und gelbsalzig. Geschmacklich dann um Einiges mineralischer wirkend mit kantigen, gelben und schwefeligen Salzen, leicht bizzelig, stark reduzierte Frucht, hier eher aus der exotischen Ecke mit Papaya und Co.; trinkflußfördernde Säure, kühle Kreidebasis. Auch der lange Abgang lebt das Naturweinklischee voll aus, im Finale eine schier unendliche Salzspur.

Einer der ganz wenigen Weine, der kein einziges der -für mich- negativen Merkmale des 18er Jahrgangs transportiert, der Wein könnte ohne Weiteres auch aus einem deutlich kühlerem Jahr wie 2014 stammen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

2. Wein: 2019er Riesling – Stetten – trocken – Ortswein, Weingut am Stein, Franken

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Im Glas ein mittleres Goldgelb, riecht leicht basaltisch-flintig, dazu eher sekundäre Ananas und ein Hauch Tamarinde. Am Gaumen setzt sich das so fort, die Säure ist für Riesling fast ein bißchen moderat, moderiert aber dennoch ganz gut zwischen dem exotischen Extrakt und der etwas kernigeren Mineralik, die Steingrundlage wirkt irgendwie kühl specksteinig. Der Abgang ist frisch und lang, im Finale hallt vor allem die eher neutrale Säure nach.

Das ist jetzt ein zwar „ohne Fehl und Tadel“ gemachter Riesling, er hinterläßt bei uns allerdings keinerlei nachhaltigen Eindruck, quasi gekonnt gemachte Beliebigkeit auf höherem Niveau; verschreckt nicht, begeistert aber auch nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

3. Wein: 2019er Scheurebe – Grande – [trocken] – Landwein Main, Rothe, Franken

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Ein eher helles Strohgelb im Glas, nasal sehr verhalten, man findet vor allem etwas Waschbenzin. Am Gaumen ein bißchen mehr Gehalt, allerdings hauptsächlich Organik, z.B. auch Ether mit Alk-Präsenz, dafür eine gut austarierte Säure; ein paar frisch ausgepackte Lego-Steine müssen als „mineralische“ Grundlage herhalten. Der Abgang liefert keine neuen Erkenntnisse.

„Schinkenhäger light“ fiel mir irgendwann ein; das ist zwar außergewöhnlich, wird dadurch aber leider nicht besser, denn es wirkt auf mich in erster Linie chemisch, und zwar in einer recht uncharmanten Art. Ich hab mal ein bißchen gestöbert, frühere Jahrgänge wurde von verschiedenen Weinprofis durchaus wohlwollend bewertet, aber diese Ausgabe wurde von uns so eingeschätzt, daß da auch mit Luft nichts Attraktives mehr passiert; als Kochwein ebenso ungeeignet, also verschwand der nicht geringe Rest leider im Ausguß…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 10 von 25

Epilog: so wie’s begann, so hört’s auch auf, nämlich mit Spätburgunder:

Wein B: 2018er Spätburgunder – Birkweiler Mandelberg – vom Muschelkalk – trocken – Qw, Wolf, Pfalz

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Ein sattes Kirschrot mit höherer Transparenz, nasal gibt’s Waldkirsche plus Veilchenpastillen bzw. „noblem Rentnerduft“. Gaumal sehr geschmeidig auf der Fruchtseite wirkend, einige sehr weiche und dennoch etwas roh wirkende Tannine, aufkommender Wald mit frisch geteertem Rückeweg, leicht kantige Säure, das Ganze auf einer teerdotierten Terrasse. Der Abgang ist kantig-fruchtig, dabei nicht zu primär, jedoch etwas metallisch wirkend.

Nicht unflotter Spätburgunder, etwas kantig-hart, aber zumindest nicht beliebig bzw. mit „deutschen“ Attributen versehen. Aber man merkt im Vergleich zu den sehr schönen Rieslingen, daß die rote Seite nicht ganz die Kernkompetenz des Weinguts ist.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Fazit:

Vom Riesling war ich etwas enttäuscht, Ludwig Knolls Weine kenne ich als deutlich expressiver, allerdings waren die richtig guten Sachen bisher auch tatsächlich vor allem in den höheren Ligen vorzufinden. Auch eine Erkenntnis! Die Scheurebe hat uns dann eher ratlos zurückgelassen, daß man sowas ernsthaft verkauft, ist für mich kaum noch nachvollziehbar. Ich bin mal gespannt, wie der Wein von anderen Seiten beschrieben wird (auf die Schnelle hab‘ ich nichts gefunden…). Zum Glück gibt’s aber das Weingut Kraemer, mittlerweile klar eine Bank für spannende fränkische Weine neben der Spur, unbestrittener und sehr klarer Sieger des Abends! Die beiden Spätburgunder entstammen einer Testreihe, die im Haushalt des Gastgebers zu einem neuen Alltags-Spätburgunder führen soll, da einer der früheren regelmäßig dafür verwendeten Weine dauerhaft nicht mehr erhältlich ist. Bin gespannt, was dabei letztlich rauskommt!

Abschließend der obligatorische und dennoch ehrlich gemeinte Dank an den Gastgeber, das Einzige was gefehlt hat, war eine etwas größere Gesellschaft rundrum; kommt aber sicher wieder…

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