10 Jahre WRINT – Hoch die Tassen!

Ich gehöre nicht zu den WRINT-Hörern der ersten Stunde, aber seit ein paar Jahren lausche ich regelmäßig und gern den Podcasts von Holger Klein, egal ob es sich z.B. um den Geschichtsunterricht, den Laber-Podcast mit Toby Baier oder auch den Wissenschafts-Podcast handelt. Eine Sonderstellung nehmen für mich die WRINT-Flaschen-Sendungen nicht nur deshalb ein, weil ich eben auch gerne Wein trinke, sondern weil man da -anders als bei den anderen WRINT-Formaten- jeweils mit dem entsprechenden, vorher bestellten Weinpaket live (oder ggf. auch im Nachgang zur Konserve) mitmachen kann. So ist es dann auch nicht verwunderlich, daß zum 10. Jahrestag eine Flaschenfolge stattfindet, standesgemäß diesmal mit einem etwas teureren Paket, nämlich mit Champagner! Zu meiner großen Freude übrigens drei zuckerfreie Ausgaben von kleineren Champagnerhäusern, denn „brut“ ist mir meistens schon zu beppig…

Prolog:

Aber vorher gab’s zu Ehren eines der Mitverkoster noch folgenden Einsteiger:

Wein A: 2018er [Solaris] – Solarus – trocken – Wein Alpin, Armin Schütz, Tirol

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Einer der Mitverkoster hat uns beim letzten Treffen einen Wein aus seiner Heimat Tirol mitgebracht, meine persönliche Erstbegegnung mit Weinen aus dieser noch sehr überschaubaren Region. Davon habe ich einer Nachbarin erzählt, die ein Wochenendhaus in der Ecke hat, sie hat mir dann diese Flasche geschenkt und wartet seither auf mein / unser mehr oder weniger profundes Urteil. Versteht sich von selbst, daß ich bis zur Öffnung auf das Wiedersehen mit unserem Tiroler Gast gewartet habe!

Angebaut wird der Wein übrigens in gut 900 m Höhe auf einem gerade mal 400 m² großen Hanggrundstück, insgesamt gibt’s im Jahr gut 250 Flaschen weißen und roten ungespritzten PiWi-Wein, die nicht in den öffentlichen Verkauf kommen.

Im Glas ein helleres Goldgelb, nasal gibt’s Stachelbeere, Kiwi und Ananas auf der nicht zu primären und doch intensiven Fruchtseite, kräuterseits dann Estragon und Koriander. Gaumal auch sehr kräuterig-würzig, frisch-grüne, aber nicht plakative Frucht, knackige Säure, kühles Bachbett. Dann noch ein sehr langer Abgang, auch hier kantig-kräuterig wirkend, trotz ganz leicht wärmendem Finale hochanimierend.

Auch wenn die 14 Umdrehungen am Ende ein bißchen durchschlagen, ist das ein sehr erfrischender Wein, der durchaus ernsthaft daherkommt und blind wahrscheinlich als Sauvignon blanc eingeordnet würde; der Garagenwinzer braucht sich vor den professionelleren Kollegen jedenfalls nicht zu verstecken und auch als „Vorgruppe“ zur nachfolgenden Champagner-Riege war der „Solarus“ aus unserer Sicht nicht fehl am Platz!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama: nun aber los zur Schaumparty!

1. Schaum: 2017er [Cuvée] – Chamery Prémier cru – Seconde Nature – [brut nature] – Champagne [AOP], Bonnet – Ponson, Champagne

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Hier handelt es sich um eine Cuvée aus 45 % Pinot noir, 40 % Chardonnay und 15 % Pinot Meunier, kein zugesetzter Schwefel, 9 Monate Ausbau im Holzfaß, das Ganze kam im Mai 2018 in die Flasche, das Dégorgement fand im Februar 2020 statt.

Ein leuchtendes Messing im Glas, etwas gröbere Perlage mit guter Ausdauer, nasal ledrige Äpfel und Feigen, etwas Hefezopf. Am Gaumen ist die Frucht etwas breiter angelegt, die Säure ist für einen nicht dosierten Schampus relativ geschmeidig, ein Hauch Kohlwickel begleitet das Mundgefühl, weiters eine eher leichte Kalkspur. Der Abgang ist von schöner Länge, bietet aber praktisch keine Kanten, ist eher gefällig im besten Sinne, auch hier für brut nature durch den Kalk-Hefe-Mix relativ geschmeidig.

Ich denke, das war der flaumigste „Zéro dosage“-Blubber, den ich jemals im Glas hatte, kam bei den ungeübteren Gästen erst mal sehr gut an, nach Genuß der beiden anderen Flaschen wurde dem „Seconde Nature“ jedoch einhellig bescheinigt, daß er im direkten Vergleich der spannungsärmste bzw. behäbigste Champagner des Abends war. Dementsprechend kann ich dem Wein zwar eine über jeden Zweifel erhabene Machart bescheinigen, persönlich reihe ich ihn jedoch nicht in die Nachkaufriege ein.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Schaum: (2012er) [Cuvée] – Zero – brut nature – Champagne [AOP], Tarlant, Champagne

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Dieser Zéro-Schaum ist eine Mixtur aus 1/3 / 1/3 / 1/3 Pinot noir, Chardonnay und Pinot Meunier, bezüglich Terroir findet sich auf dem Rückenetikett der Hinweis: Craie, Spamacien, Sables et Calcaire lutétien. Verarbeitet wurde hauptsächlich der Jahrgang 2012 plus im Holz ausgebaute Reserveweine, das Ganze kam im Mai 2013 in die Flasche und wurde am 04.07.2019 dégorgiert.

Farblich ein helleres Messing, eher verhaltene, feine Perlage, hält aber gut durch. In der Nase zeigen sich relativ kantige und doch mürbe Äpfel in grün und gelb sowie eine fast grünlich-reduktive Hefe, deutlicher Säurenebel. Schmeckt dann nach einem Boskoop-Limetten-Mix mit Algen und gelöschtem Kalk, weiter etwas Nußmehl ohne Breite auf kühlem Kalkbett. Dann noch ein super langer Abgang mit kristallklarer Säure, jedoch nicht ansatzweise grimassenbildend.

Das ist schon recht fordernd, aber durchaus auch mit versöhnlichen Elementen aus der Mandelecke versehen; absolut kein „Schlüpferstürmer“ im klassischen Sinne. Mit seiner gekonnten, fokussierten, frischen Säurestruktur für mich letztlich der Schaum des Abends, wenn auch knapp.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

3. Schaum: 2013er Pinot noir – [Riceys] „En Barmont“ – Sève – Blanc de Noirs – brut nature – Champagne [AOP], Olivier Horiot, Champagne

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Das Rückenetikett weist hier Folgendes aus: Vendanagé le 4 Octobre 2013 – Mise en Bt le 23 juillet 2014 – Dégorgé le 26 Février 2019.

Farblich sind wir hier fast beim Rotguß, schön feine Perlage mit ordentlicher Ausdauer. Riecht nach rotem Bergapfel und weißen Johannisbeeren, dazu Almdudler-Kräuter, ein Mini-Nußhörnchen spielt noch mit. Geschmacklich auch wieder Almdudler in zuckerfrei plus Joh-Beeren, weiters eine fast dehydrierende Säure mit leichter Pelzwirkung, kühle Kalkbasis. Der Abgang ist ebenfalls frisch und johannisbeerlastig plus der erwähnten Almkräuter.

Hier gefällt mir vor allem die recht eigenständige, distinguiert mit Rot spielende Fruchtaromatik sehr gut, wirkt insgesamt nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, ist daher bei mir knapp auf dem zweiten Platz gelandet. Der „Sève“ wurde aber auch von einer Minderheit auf den ersten Platz gehievt, was ich gut nachvollziehen kann, ist halt dennoch ein super Zeuch!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Fazit:

Über allem stand bei diesem sehr gelungenen Abend, daß man sich nach relativ langer Pandemie-Trennung mal wieder sehen und austauschen konnte, da kam der Anlaß gerade recht. Alle (Schaum-) Weine waren dabei von herausragender Qualität und haben rundum Spaß gemacht, auch wenn einer davon nicht so ganz meinen Vorlieben entsprochen hat, aber „so what!“. Und unser zweiter Tiroler bestätigt nachdrücklich, daß Weinbau in diesem Bundesland zwar aktuell noch eher kurios ist, in die Liste der überflüssigen Experimente würde ich das jedoch nicht einreihen wollen.

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