Igel-Wein

Wieder mal aufgrund eines TexMex-Abendessens eine willkommene Gelegenheit zur Rotweinöffnung, durchaus auch für was Handfesteres, da hab ich mal im Österreich-Keller nachgesehen (mit mexikanischen Weinen habe ich nur ein einziges, durchaus traumatisches Erlebnis) und Folgendes gefunden:

2011er [Cuvée] – Ab Ericio – trocken – Qw, Hans Igler, Mittelburgenland

Hier haben wir es mit einer Cuvée aus 40 % Blaufränkisch, 30 % Merlot und 30 % Zweigelt zu tun, welche 20 Monate in kleinen Holzfässern reifen durfte.

Farblich präsentiert sich der Wein mit einem recht undurchsichtigen, dunklen Granatrot, am Rand minimal ziegelig. Das Riechorgan bekommt einen Mix aus recht saftigen Schwarzkirschen und ein paar Pflaumen beschert, die ihre Primärfruchtigkeit noch nicht ganz abgelegt haben, leicht ankompottiert, das Holz ist ein bißchen etherisch, ein Hauch Essigbaum noch, wechselt mit ordentlich Luft zur warmen Totholzseite hin. Gaumenmäßig ebenfalls recht altsaftig, das Holz bietet hier auch etwas Baumschwamm, Totholz und Ziegenbart bzw. Pfifferling, sehr schön austarierte Säure, die steinige Unterlage bietet Kalk, Speckstein und Glimmer. Abgangsmäßig hat man deutlich im Minutenbereich Freude, hier ist das Holz klar im Vordergrund und zeigt sich von Beginn an von seiner wärmsten Seite mit saftigem Tabak, wieder Ziegenbart und auch mit einem Hauch Karamell.

In dieser Cuvée sorgt der Blaufränkisch-Anteil sehr schön für Frische und die leichtere Frucht auf der Kirschseite, der Merlot sorgt für etwas mehr Fülle, ohne das Ganze überzustrapazieren, der Zweigelt dient irgendwie wohl eher als Füllmaterial; jedenfalls ist das meine Assoziation, die bezüglich letzterer Sorte daher rührt, als daß diese für mich in der Regel eher nichtssagend ist. Solche Arten von Blends brauche ich essensmäßig eher selten, aber wenn, dann ist mir sowas mit BF als Frischespender tatsächlich deutlich lieber als die sonst vielgeliebten Klassiker aus dem Bordelais (mag auch sein, daß ich von dort bisher nur die falschen Weine im Glas hatte). Ist auch mit seinen 10 Jahren auf dem Buckel gerade schön angereift und es würde mich nicht wundern, wenn der „Ab Ericio“ (=“vom Igel“) sich auch die nächsten 10 Jahre nicht nach unten bewegt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

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