…kleines Naturweinintermezzo

Letzten Freitag war mal wieder Gruppentrinken angesagt, diesmal nicht anhand einer Online-Verkostung, sondern es wurden einfach zwei Weinpakete von zwei Winzern bestellt, immerhin 5 Flaschen davon haben wir an einem schönen Sommerabend geschafft:

1. Wein: 2018er Riesling – [Dorsheimer Goldloch] – Gold Layen – [trocken] – Nahegauer Landwein, Piri Naturel, Nahe

Dieser Riesling wurde mit einem Kronkorken verschlossen, weil er noch einiges an natürlicher Kohlensäure aufweist, er wurde in nicht ganz vergorenem Zustand gefüllt, quasi eine Art „Pét nat light“.

Farblich ein helleres Messing, mäßige feine Perlage, läßt aber über den wegen des nicht geringen Dampfdrucks des Getränks recht kurzen Verkostungszeitraum nicht erkennbar nach. Nasal leicht weiße Johannisbeeren, etwas herbe Nektarine, ein Schuß Limette, schon hier knochentrocken wirkend. Am Gaumen dann ebenfalls sehr trocken trotz leicht süßlichem Extrakt, schaumige Säure, dazu eine schöne Bimssteinunterlage. Der Abgang ist sehr herb fruchtig-trocken und deutlich tuffig.

Auf Riesling wäre ich hier nie gekommen, macht aber nix; sehr erfrischendes und gänzlich unmaskiertes Semi-Schaumgetränk! Da ordne ich es auch ein, auch wenn es sich ein bißchen zwischen den Welten bewegt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Wein: 2019er [Cuvée] – Weiss – Marto – [trocken] – Rheinischer Landwein, Weingut Wörner, Rheinhessen

In diesem Wein ist eine ganze Latte an Rebsorten verarbeitet worden: Würzer, Faberrebe, Bacchus, Scheurebe, Müller-Thurgau, Riesling und Silvaner vom Sandstein, die eine Hälfte der Trauben hat 2 Wochen Maischestandzeit hinter sich, die andere Hälfte wurde direkt gepreßt, die Reifung erfolgte über ein Jahr im großen Holzfaß.

Farblich ein sehr trübes Hellorange, riecht nach Papaya und Kalkmehl, mit der Zeit ploppen dann auch noch weitere Früchte wie Pitahaya und Guave sowie etwas Maracuja auf. Am Gaumen wiederholt sich das, trotz der gerade mal 10 Umdrehungen komplett trockene Anmutung, die Exotik ist präsent, aber nicht plakativ, die Säure ist deutlich, aber geschmeidig, fluffiges Kalkbett. Der recht lange Abgang kombiniert Frische und Geschmeidigkeit sehr schön, im Finale dann eine fluffige Mandarine.

Sehr eigener Natur-Exot mit extrem hohem Trinkfluß und einem wohltuend wie erstaunlich niedrigem Alk-Gehalt, für mich ganz knapp bei Punktegleichstand der Wein des Abends.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

3. Wein: 2019er [Cuvée] – Ponderosa – [trocken] – Deutscher Wein, Piri Naturel, Nahe

Dies ist übrigens eine Cuvée aus 85 % Grauburgunder und 15 % Spätburgunder, vergoren in alten Eichenfässern.

Ein leicht trübes und noch ein bißchen perlendes Lachsrosa im Glas, nasal reduzierte Erdbeere und etwas Cantaloupe-Melone, ein bißchen Kalkstaub. Am Gaumen die gleiche Fruchtstruktur, schön ausgeprägte, aber distinguierte Säure, geschmeidige Spur aus Kalk an sich, dazu noch eine etwas kantigere Kalkschaumwelle. Der Abgang ist dann in erster Linie fluffig-mineralisch, die Frucht geht aber dennoch nicht unter.

Sehr schöner, leicht anmutender Sommerwein mit ordentlich Anspruch, dabei wohl aufgrund des Rot-Weiß-Mixes sehr eigenständig und mit gefährlich niedriger Viskosität ausgestattet.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

4. Wein: 2019er Riesling – Marto – [trocken] – Rheinischer Landwein, Weingut Wörner, Rheinhessen

Farblich ein leicht trübes Honiggelb, riecht erheblich nach Schwefel und etwas Basalt, etwas Zitrik erahnbar. Am Gaumen dann viel klarer ausgeprägt ein halb reduktiver Zitrusmix mit Zitrone, Grapefruit und Ugli, im Hintergrund auch etwas stark reduziertes Steinobst, dazu eine ausgeprägte Säure ohne Grimassenwirkung, sanfter Schiefer. Schön langer Abgang mit frischen, aber auch eleganten Agrumen.

Dieser Riesling verbindet auf vorbildliche Weise Frische und „alternative Eleganz“ mit deutlicher Naturweinstilistik, aber aus meiner Sicht ohne überhöhten Freakcharakter.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

5. Wein: 2019er Pinot noir – [trocken] – Nahegauer Landwein, Piri Naturel, Nahe

Im Glas ein leicht violettes Kirschrot mit mittlerer Transparenz, riecht nach leicht zuckriger Kirsche, etwas Melasse. Schmeckt ein bißchen nach Ahoi-Brause rot im besten Sinne, weiters kalkgepuderte Kirsche sowie eine schöne, leicht gedämpfte Säure, gepflegtes Tuffbett. Der Abgang ist von schöner Länge, auch hier kalkige Kirschen mit etwas Talcum.

Auch wenn das hier wieder mal eine Art Babymord war, zeigt dieser PN eine sehr schöne Grundstruktur, aus der durchaus noch was werden kann, ist aber auch jetzt mit etwas Luftzufuhr schon schön und (fast) ohne plakative Noten trinkbar. Erreicht zwar aktuell nicht die Nachkaufgrenze, hat aber aus heutiger Sicht gute Anlagen dafür

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Fazit:

Diese Naturrunde zeigt wieder mal, daß weiße bzw. nicht-rote Sachen aus diesem Genre in der Regel tatsächlich die betörenderen sind, die Rotweine können zumindest in jung ihr Pulver häufig noch nicht so richtig verschießen. Und wenn sie älter werden, gleiten sie -wohl aufgrund der geringen bis gar nicht vorhandenen Schwefelung- manchmal in unschöne Gefilde ab. Insgesamt aber mit 3 „3ern“ ein gelungener Abend, was jedoch auch zu einem Großteil unseren Gastgebern und der begleitenden Verköstigung zuzuschreiben ist. Vielen Dank dafür nochmals an dieser Stelle!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s