SolidAHRität mit WRINT

Dieser Bericht kommt leider ein bißchen verspätet, da das Treffen kurz vor unserem Urlaub stattfand. Deshalb ist das eigentliche Thema schon etwas aus dem Fokus gerückt, zumindest für die, die nicht direkt betroffen sind. Die Flutkatastrophe an der Ahr hat ja zu einer sehr beeindruckenden Welle der Hilfsbereitschaft geführt, welche sich in vielfältiger Weise manifestiert hat. Zwei der Wege, sein Geld in Richtung Ahr loszuwerden, beschreibe ich nachfolgend.

Prolog:

Zum Einstieg gab’s aber erst mal ein Weinchen, das der Spender noch etikettenlos gekauft hat, da die Aufkleber anscheinend noch nicht fertig waren (siehe Beitragsbild). Deshalb nachfolgend ein Foto des Weinguts, welches zeigt, wie die Flasche eigentlich aussehen soll:

Wein A: 2020er [Cuvée] – Amante dei venti – Cinque Terre DOC, Cián du Giorgi, Liguria

Dies ist eine Cuvée aus den Sorten Bosco, Albarola und Vermentino sowie noch ein paar weiteren nicht näher genannten.

Farblich heller Rotguß, in der Nase wenig Frucht, vielleicht etwas verhangene Cantaloupe-Melone. Am Gaumen furztrocken, etwas angemehlte Frucht ohne Breite, leichtes Bitterchen; weiters eine ordentliche, aber etwas gedämpfte Säure, der mineralische Unterbau zeigt eine kleine Schleifscheibe. Abgangsmäßig sind wir durchaus lang mit leichtem Fruchtbitterchen unterwegs.

Ein eher verhaltener Norditaliener, nicht wirklich breit, aber doch irgendwie gebremst. Mit Luft wird die Bremse zwar leicht gelockert und führt zu einer leichten Aufwertung, die Nachkaufriege wird jedoch auch dann nicht erreicht. Gemäß den Anmerkungen unseres Gastgebers anscheinend so ein Fall, in dem sich das Urlaubsweinphänomen bestätigen läßt.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Drama: Die folgenden 3 Weine, welche im zugehörigen WRINT-Podcast besprochen und getrunken wurden, konnte man als Paket beim Online-Händler Pinard de Picard erwerben, wobei der Erlös der für den Podcast verkauften Pakete an die sehr schnell eingerichtete VDP-Hilfsorganisation als Spende weitergeleitet wurde. Faktisch teilen sich hier also Endverbraucher und Händler die Spende so ungefähr fifty-fifty, denn ich gehe davon aus, daß der Händlerpreis der Flaschen in etwa bei der Hälfte des Endverbraucherpreises liegen dürfte.

1. Wein: 2019er [Cuvée] – Mescladís – Pic Saint-Loup AOP, Domaine Clavel, Languedoc-Roussillon

Hier handelt es sich um eine Cuvée aus Syrah und Grenache sowie einer Kleinmenge Mourvèdre.

Im Glas ein mittleres Apricot, nasal finde ich Rambutan, Rote Eßbanane ohne Mehligkeit, einen Hauch Koriandersaat. Am Gaumen wiederholt sich das Ganze weitgehend, moderate Säure ohne größere Breitenwirkung. Recht langer Abgang, hier gibt’s etwas mehr Extrakt.

Soweit ein ganz schöner, unplakativer Rosé, gut zum auf der Terrasse wegschlabbern, hinterläßt aber dennoch keinen bleibenden Eindruck. Andererseits bin ich gespannt, wie sich sowas mit etwas Reife entwickelt, mal sehen…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2020er [Cuvée] – Les Garrigues – Languedoc AOP, Domaine Clavel, Languedoc-Roussillon

Dies ist eine Mixtur aus Syrah, Grenache noir und Carignan.

Hier haben wir’s mit einem dunklen Kirschrot mit leichter Transparenz zu tun, geruchlich anfangs recht plakativ „Mon Cherie“-kirschig, das bessert sich jedoch mit Luft etwas. Am Gaumen dann eher Himbeersirup, die Frucht insgesamt etwas alubüchsig, moderate Säure, vielleicht etwas Kreide als Unterlage. Der Abgang hat durchaus Länge, hier ploppt im Finale etwas Holzteer auf.

Meines Erachtens viel zu jung, die Frucht ist aktuell zu kitschig bzw. plakativ, fast keine Mineralik erkennbar. Mit Luft wird das Ganze allerdings etwas würziger, was Hoffnung für die Zukunft macht. Wiedervorlage in 2 bis 3 Jahren…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

3. Wein: 2018er [Cuvée] – Copa Santa – Languedoc AOP, Domaine Clavel, Languedoc-Roussillon

Dieser Rote ist eine Cuvée aus Syrah und Grenache noir.

Ein dunkles Rubinrot -kaum transparent- zeigt sich im Glas. Fürs Riechkölbchen ein Mix aus roter Pflaume und Preiselbeere, dezente aber prägende Würze mit Tabak- und Lederanteil. Gaumal ist die Frucht sehr schmelzig, das Holz super geschmeidig, die Säure gut dosiert und trotzdem schmeichelnd, etwas Tuff als Grundlage. Der Abgang bewegt sich im Mehrminutenbereich, hier zeigen sich die meisten Tannine / Gerbstoffe in super samtiger Verfassung, flaumige Säure.

Das ist schon ein ganz anderer Schnack, ein paar Jährchen Reife scheinen hier Wunder zu wirken. Obwohl das eigentlich nicht so ganz meine Baustelle ist, könnte man hier tatsächlich über einen Nachkauf nachdenken…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Epilog: zum Abschluß gab’s dann noch einen „richtigen“ Flutwein, diese Flasche habe ich mit ein paar anderen direkt vom Weingut gekauft. Bei der Bestellung hieß es, daß die Lieferung ein bis zwei Monate dauern kann, dann war das Paket aber doch innerhalb von gut einer Woche bei mir Zuhause. Hut ab!

Wein B: 2016er Spätburgunder – Dernauer Pfarrwingert – „R“ – trocken – Qw, Erwin Riske, Ahr

Farblich spätburgundertypisch rubinrot mit Tendenz zum Ziegel, höhere Transparenz. In der Nase vor allem Herbstwald mit ein paar Pilzen, dahinter Preiselbeeren und ganz leicht Kirsche. Am Gaumen dann auch deutlich Him- und Erdbeere, allerdings noch gut auf der unplakativen Seite, hier signifikant weniger Wald, dennoch präsent; geschmeidige und dabei durchaus selbstbewußte Säure, darunter eine schieferig-kalkige Basis. Der ziemlich lange Nachhall zeigt die Frucht dann in Verbindung mit der hier fast spitzen Säure mit einer recht hohen Spannung, insgesamt wirkt der Wein aber dennoch sehr geschmeidig.

Ein zwar grundsätzlich recht deutscher Spätburgunder, allerdings hier tatsächlich im besten Sinne; der dezente Schieferhauch wirkt dann einigermaßen verräterisch. Vor allem nasal wunderschön, ansonsten zwar ein für mich attraktiver Deutschburgunder, aber dann doch recht ambitioniert bepreist, was ihn wieder aus der Nachkaufriege schmeißt. Hätte ich um den aufgerufenen Preis normalerweise nicht gekauft, vor allem nicht blind, aber angesichts der Umstände reut mich das Geld in diesem Falle nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Fazit:

Es zeigte sich mal wieder eine gewisse Schwachstelle der Online-Verkostungen, denn die gemeinsam erworbenen und probierten Weinchen sind halt überwiegend die aktuellen Jahrgänge und seltener mal was jenseits der Jugend. Deshalb passiert’s einfach recht häufig, daß die Sachen noch zu grün hinter den Ohren sind, um ihr Potential voll ausspielen zu können. Und das traf bei dieser Verkostung eben teilweise auch zu. Aber es ist noch mehr davon da, kann man in angemessener Zeit also erneut unter die Lupe nehmen.

Und sonst? Schee war’s! Wie eigentlich immer! Die Veranstaltungen bei unserem Gastgeber sind einfach eine Bank, egal ob klein oder groß! Vielen Dank dafür!

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