Teroldego der leisen Töne – incl. Nachtrag

Gestern stand uns spätabends noch der Sinn nach solo-Rot, letztlich hab ich mich mal wieder der „Queen of Teroldego“ besonnen und einen Ihrer Amphorenweine aufgemacht:

2013er Teroldego – [Mezzolombardo] Sgarzon – Vigneti delle Dolomiti IGT, Foradori, Trentino

Während ältere Jahrgänge nach dem etwa 8-monatigen Amphorenbad sich noch eine Zeit lang im Holzfaß suhlen durften, ist das bei diesem Jahrgang nicht mehr der Fall, was ihn deutlich klarer machen soll. Mal sehen:

Farblich ein dunkles Violettrot mit mäßiger Transparenz, riecht nach herben und leicht staubigen Schattenmorellen, dahinter verstecken sich als deutlicher Kontrapunkt auch ein paar süßliche Kirscharomen sowie ein bißchen Johannisbeere, etwas Lehmig-Toniges noch. Schmeckt dann etwas leichter als erwartet, die Kirschen sind hier fast ausschließlich auf der herben Seite angesiedelt, ein paar recht kühl wirkende Tannine führen zu leichter Adstringenz, auch die durchaus potente Säure wirkt fast unterkühlt, steinseitig bin ich hier eher bei Zement. Der ziemlich lange Nachhall führt diese Coolness weiter, im Finale ein adstringierendes Zementbitterchen.

In erster Linie ist hier die kühle, mineralische Seite prägend, die stark reduzierte Kirschfrucht setzt noch einige kantige Marken. Ist alles andere als „warm“, wirkt jedoch in keinster Weise grün oder unreif, sondern einfach „sophisticated“ kühl-distanziert. Der überwiegende Teil ist in der Flasche verblieben, da die roten Sachen von Elisabetta Foradori bis jetzt immer mit Luft deutlich gewonnen haben, mehr oder weniger frisch aus der Flasche gibt’s

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: nasal kommen die süßeren Kirschen etwas mehr zum Vorschein, auch ein paar Brombeeren haben sich eingefunden, vielleicht noch ein paar Mandelschalen, später auch etwas graues Fichtenholz. Gaumal hat sich die Rotfrucht ebenfalls deutlich gesammelt, ist dabei aber nach wie vor sehr klar und frisch wirkend und weist kaum Fruchtsüße auf, steinigerseits bin ich jetzt eher bei Ton bzw. Terracotta, mit Schwenkerei und Temperatur blitzt dann auch eine kleine rote Paprika auf. Der Abgang hat sich ebenfalls mit Paprika angereichert, hier aber eher das edelsüße Pulver, die glasklare Säure zeigt sich am prägnantesten.

Nach wie vor ein eher filigraner, leiser Wein, der allerdings in den 24 Stunden eine bemerkenswerte Wandlung hingelegt hat, manche Aromen sind komplett verschwunden, andere dazu gekommen. Insgesamt nun deutlich wärmer im Eindruck, aber immer noch ein Wein, der gegen viele wirklich warme Sachen im direkten Vergleich wohl hoffnungslos untergehen würde. Aber für sich gesehen -und wenn man auch solche leiseren Vertreter zu schätzen weiß- ist das schon recht eindrucksvoll.

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s