Warmer Wein im kalten Herbst

Ich weiß aufgrund immer noch mangelnder Erfahrung nicht wirklich, welcher Wein als typisch für Kroatien gilt, ähnlich wie beim Riesling in D. Aber ich könnte mir vorstellen, daß die mediterranen Weine aus der roten Rebsorte Plavac mali dafür ganz gut herhalten könnten. Da die Küstenweine jedoch als eher gehaltvoll bis behäbig gelten, haben wir uns auch angesichts der Temperaturen während unseres zweiwöchigen Kroatien-Urlaubs doch vorwiegend an die kühleren Kontinentalweine des Landes gehalten. Aber jetzt im Herbst kann ich ja auch mal so einen Plavac probieren, das Weingut auf der Halbinsel Pelješac wurde uns bei einem Gutsbesuch nahe Zagreb als Spitze der Gegend empfohlen. Tatsächlich kann man bei Miloš auch recht tief für einen Plavac in Tasche greifen, jedenfalls zu tief für blind für mich, deshalb hier jetzt eher was von der Basis:

2017er Plavac mali – [suho] – ZOI Vinogorje Pelješac, Miloš, Srednja i južna Dalmacjia

Farblich ein etwas schmutzig wirkendes Violettrot mit mittlerer Transparenz, riecht relativ frisch, aber auch dicht nach roten Pflaumen und ein bißchen schwarzer Johannisbeere, leicht auch etwas Pulpe. Am Gaumen dann erst mal eine ordentliche Breitseite an Tannin, welchen einen ebensolchen Flokati hinter sich her zieht, der jedoch mit Luft etwas kleiner wird; die Frucht ist hier etwas weniger präsent und wirkt mit den Tanninen recht flaumig, die Säure ist einerseits moderat, andererseits doch signifikant viskositätssenkend, steinseitig schimmert eher wenig durch, da die Tannine recht viel mit ihrem Pelz zudecken. Auch der Abgang flaumt recht lange vor sich hin, im Finale dann auf einmal relativ klare Frucht in einer roten Johannisbeere.

Wenn ich auf der Herkunftshalbinsel in der warmen Sonne am Strand sitze, ist das tatsächlich nichts für mich, aber jetzt im garstigen Herbst ist das soweit ganz in Ordnung, kam auch mit den habanerogeschwängerten Burritos sehr gut zurecht; allerdings ist diese Stilistik dann doch ein Stück weit von meinen eigentlichen Vorlieben entfernt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß das ein sehr schön und auch qualitativ hochwertig gemachter Wein ist, der bei entsprechender Neigung sicher zu höherer Begeisterung führt als bei mir, preiswert im Wortsinn ist er allemal.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

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