Aosta-Chardonnay – diesmal die Holzvariante – Relaunch

Wuchtige Essen brauchen bei uns auch etwas strammere Weine, die sich nicht unterkriegen lassen; so habe ich mich heute mal einer meiner älteren Chardonnays erbarmt:

2008er Chardonnay – Cuvée Bois – Valle d’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

Die Farbe ist ein sattes, dunkles Altgold, nasal gibt’s herben Korianderhonig mit recht sekundären Pfirsichen und Aprikosen, dazu ein paar herbe Trockenkräuter. Gaumal dann dann ebenfalls wieder Honig, aber eher vom Rosmarin -wieder komplett süßebefreit-, bei der Frucht spielt auch noch Mango mit; die Säure ist nicht hervorstechend, aber sehr gut austariert und sorgt für relative Frische, die mineralische Grundlage würde ich eher ins leicht Erdige schieben. Nachhallmäßig hat man mit der durch die Säure niederviskos gehaltenen, reifen und leicht herben Frucht lange Freude, das Finale steuert noch ein gehauchtes Bitterchen aus der Kräuterecke bei.

Dieser nunmehr immerhin 13 Jahre alte Berg-Chardonnay hat sich richtig gut gehalten, auch wenn’s in den 4 Jahren einen kleinen Einbruch gab. Oder Tagesform oder geschmackliche Weiterbildung oder was auch immer, jedenfalls gibt’s keinerlei störende Altweinattribute, die äußerst dezenten Kräuterbitterchen befinden sich klar auf der animierenden Seite. Machte zu Gorgi-Gnocchen viel Freude und strengt auch „beim Glas danach“ nicht an. Nur der Originalpreis ist halt doch nach wie vor recht amtlich…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 31. Juli 2017:

Aus dem Aostatal habe ich von „Les Crêtes“ ja schon zwei mehr bzw. weniger gereifte Chardonnays vorgestellt, die -trotz des etwas gehobeneren Anspruchs- aber rein im Stahl ausgebaut wurden. Das fand ich jeweils sehr schön und angenehm, denn gerade bei Chardonnay muß es meiner Meinung nach nicht immer ausnehmend viel Holz sein; auch mit wenig oder nix davon läßt sich diese Rebsorte sehr schön abbilden. Aus dem Haus gibt es aber auch eine holzige Variante, vor deren Kauf ich allerdings ob des nicht ganz geringen Preises doch immer zurückgeschreckt bin. Jetzt hatte ich aber das Glück, ein paar ältere Einzelflaschen zum Spottpreis zu ergattern. Da täte es nicht weh, wenn ich dann doch nicht so begeistert sein sollte. Diese Variante heißt

2008er Chardonnay – Cuvée Bois – Valle d’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

und wurde zu 100 % im Barrique ausgebaut, wobei man unterschiedliche Angaben für die Verweildauer im Holz findet; für die aktuellen Jahrgänge sind es um die 10 Monate incl. Battoniererei. Ob’s beim 2008er genauso war, weiß ich leider nicht. Aber mal sehen:

Die Farbe sorgt mit einem deutlichen Bernstein erst mal für Aufsehen, für die Nase gibt’s mit Nachdruck frittierte Banane mit Rosmarinhonig, dazu dezent Anis und Vanille. Am Gaumen geht’s gleich so weiter, mit der relativ deutlichen Säure kommt auch etwas Kumquat mit. Das Holz macht hier zwar signifikant auf sich aufmerksam, bleibt aber wohldosiert. Trotz allem Gehalt und einiger Cremigkeit doch erstaunlich niederviskos. Der Abgang ist lang und dicht, dabei schön schmelzig, ohne breit zu werden.

Ich hatte eigentlich befürchtet, daß diese „Cuvée Bois“ vielleicht zuviel des Guten an Holz mitbringt, zum Glück stellte sich dann heraus, daß der Holzeinsatz für meinen Geschmack fast perfekt ausbalanciert war. Die Frucht befindet sich wohl schon auf dem Rückzug, aber es ist noch von allen Aromabestandteilen für jeden genug dabei. Zeigte jetzt keinerlei Schwäche und kann wohl noch ein bißchen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

4 comments on “Aosta-Chardonnay – diesmal die Holzvariante – Relaunch

  1. Klingt nach einem spannenden Wein. Chardonnay kann (teilweise) toll reifen und hat eine riesige „Spannweite“ an Typen/Stilarten. Der Les Crêtes klingt ziemlich eigenständige.
    In welcher Preisklasse liegt der normalerweise?
    VG Patrik

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