Meedels 3

Schon wieder Gruppentrinken! Eigentlich war die dritte Runde, in der ich ausschließlich Weine von Winzerinnen öffnen wollte, schon im letzten Jahr angedacht, widrige Umstände haben jedoch zu einer kleinen Verzögerung geführt. Aber jetzt war’s soweit, ich hatte insgesamt 14 Weine von verschiedenen Frauen aus der Weinbranche am Start, von denen wir letztlich 8 geöffnet haben, der Rest kommt vielleicht bei „Meedels 4“ dran. Zwei weitere Weine wurden von Rundenteilnehmern mitgebracht, wovon einer nicht so ganz dem Thema entsprochen hat, da er von einem Winzerpaar gekeltert wurde, allerdings haben in diesem Fall beide Protagonisten einen in etwa gleichberechtigten Anteil an der Weinwerdung, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Jetzt geht’s los:

1. Wein: [2015er] Pinot noir – Traverse – brut nature – Champagne [AOP], Val Frison, Champagne

Valérie Frison übernahm die etwa 1 ha umfassenden Lagen von ihrer Familie in Ville sur Arce im Jahre 1997 und stellte 2003 auf ökologischen Weinbau um. Weitere vier Jahre später verabschiedete sie sich von der Rolle der Traubenlieferantin für die „Grandes Marques“ und vinifizierte ihren ersten eigenen Champagner. Heute bewirtschaftet sie auf auf etwa 6 ha Fläche 93 % Pinot noir und 7 % Chardonnay.

Farblich ein leicht rötliches Strohgelb, mittelfeiner Blubber mit hoher Ausdauer. Riecht leicht rotfruchtig mit Johannisbeeren, roten Bergäpfeln und etwas Granatapfel, dezente Hefespur. Am Gaumen trotz Zuckerfreiheit eine recht deutliche, aber sehr edel wirkende Extraktsüße, distinguiertes Kalkbett. Der schön lange Abgang beginnt erst mal etwas karger, im Finale dann wieder etwas mehr rötlicher Extrakt.

Hier gefällt mir vor allem die Ausgewogenheit aller Aromenbestandteile und die trotz „brut nature“ einerseits elegant wirkende Fruchtsüße, die andererseits aber nichts Schmeichlerisches an sich hat. Großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

2. Wein: 2019er Krakhuna – [Obcha] – Dry White Wine, Baia’s Wine, Imereti

Baia und Gvantsa Abuladze aus Obcha im westlichen Imereti (was wiederum in Georgien ist) haben im Alter von 20 und 19 Jahren ihre ersten Weine im ca. 5 ha großen elterlichen Weingut hergestellt. Die beiden Schwestern teilen sich die Arbeit in etwa nach den Weinfarben, Weiß ist in der Regel „Baia’s Wine“, Rot und Rosé dann „Gvantsa’s Wine“. Baia erscheint zumindest nach außen hin als führende Kraft im Weingut, da sie das Marketing über ihr Dorf und Georgien hinaus forciert hat.

Farblich ein helleres Bernstein, für die Nase gibt’s erst mal Rauch und Liebstöckel, mit etwas Luft dann auch Schinken und Papaya. Am Gaumen fast fruchtfrei neben der hier bestimmenden erdig-tonigen Mineralik, wirkt etwas spröde, aber frisch, die Säure ist ordentlich bemessen, drängt sich aber nicht auf und läßt einer leichten Öligkeit Raum. Beim ziemlich langen Abgang meint man am ehesten die Amphore zu schmecken.

Trotz seiner etwas höherviskosen Art zeigt sich keinerlei Breite, kann man ebenso beschwingt wegtrinken wie einen 2010er Riesling. Ist auch trotz seiner Andersartigkeit nicht mit dem „Freakmakel“ belegt, fanden auch die weniger nerdigen Gäste „lekker™“.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 24 h mit Luft: die Frucht ist nun etwas präsenter, ein bißchen Mango spielt mit, ansonsten haben sich die Aromenbestandteile etwas mehr miteinander arrangiert. Sehr schöne Weiterentwicklung, die auch eine deutliche Aufwertung rechtfertigt:

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

3. Wein: 2015er Riesling – Sister.Act – Alte Reben – trocken – Qw, Wirsching, Franken

Das Weingut Wirsching ist mit gut 90 ha Rebflächen und 650.000 Flaschen Jahresproduktion eines der größten privat geführten fränkischen Weingüter, das für seine eher traditionelle Ausrichtung bekannt ist. Nunmehr erfolgt die Geschäftsführung / Leitung des Gutes durch Andrea und Lena Wirsching, die diese Tradition einerseits fortführen, denn schließlich kann es sich ein so großes Weingut nicht so ohne Weiteres leisten, seine Gesamtstilistik total auf den Kopf zu stellen. Andererseits setzen die Schwestern aber nach und nach auch Akzente mit Weinen wie denen aus der „Sister.Act“-Reihe, mit denen ein paar alte Zöpfe abgeschnitten werden; auch die mittlerweile erfolgte „Fair’n Green“-Zertifizierung sowie eine damit einhergehende Ertragsreduzierung auf ca. 60 % der Ursprünge zeigt eine deutliche Richtungsänderung auf. Das erfolgt anscheinend nicht unbedingt zur Begeisterung einzelner, sehr konservativer Vertreter des Guts, wie ich selbst bei einer Jahrgangspräsentation mal erfahren mußte. Ich würde mir aber wünschen, daß der von den Schwestern eingeschlagene Weg konsequent so weiter gegangen wird.

Im Glas ein sattes Altgold, nasal gibt’s Honig, Orangenmarmelade und Lemon Curd sowie etwas Löwenzahn. Schmeckt dann erst mal leicht wachsig sowie nach Naphtalin, dann schmelziges Steinobst, dagegen steht eine straffe, eher jahrgangsuntypische Säure, welche den Wein trotz aller Dichte sehr klar erscheinen läßt, untendrunter kühler Kalk. Der Abgang ist die frischeste Phase, aber auch die mit der höchsten Agrumenkonzentration.

Sehr expressiver Riesling, der vor allem nicht typisch fränkisch ist; das passiert anscheinend, wenn man abseits der Traditionen einfach mal drauf loskeltert ohne den Sachverstand dabei über Bord zu schmeißen. Großer Spaß!

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: die Agrumen haben sich weiter formiert, das Steinobst hat sich dagegen stark geduckt, so bleibt nun mehr Raum für die frechen Zesten von Minneloa und Kumquat, dazu Limette und Pampelmuse in solcher Konzentration, daß es schon recht schieferig wirkt. Am Gaumen dann eine etwas viskosere Textur als gestern, dennoch macht der Wein auch hier einen erheblichen Frischesprung.

Nun merkt man wirklich deutlich, daß Andrea Wirsching 18 Jahre beim Weingut Schloss Saarstein gearbeitet hat, und auch die blaugrüne Schlegelflasche -die ja hauptsächlich an der Mosel incl. Saar und Ruwer zuhause ist- ist hier absolut sinnführend.

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

4. Wein: 2016er Sauvignon [blanc] – LBL – Vieilles Vignes – Vin de France, Noëlla Morantin, Loire

Noëlla Morantin arbeitete in ihrem „ersten Leben“ in einer Marketingagentur in Nantes, bevor sie sich beruflich neu orientierte. Es folgten Schulungen und Praktika, was dazu führte, daß sie im Jahr 2009 die ersten Flächen von der Domaine de la Roche Blanche erwerben konnte; es waren wohl eher ältere, für den Verkäufer unattraktive Parzellen, was andererseits für den ambitionierten Weinbau durchaus von Vorteil ist. Noëlla baut vorwiegend Sauvignon blanc an und verschrieb sich zunehmend der Naturweinszene, ohne diese dogmatisch zu leben, d.h. zum Beispiel, daß Schwefel in der Regel gar nicht zugesetzt wird, wenn’s aber mal sinnvoll erscheint, gibt’s eine pragmatische Dosis bei der Füllung.

Das Frontetikett zeigt übrigens als feine Prägung ein Blumenornament, das leider auf dem Foto nur bei ganz genauem Hinsehen zu erahnen ist.

Ein leicht trübes Messing im Glas, nasal erst mal ein deutlicher Stinker, dahinter Stachelbeere, Apfel und grüne Kochbanane in recht flaumiger Textur. Am Gaumen dann durch die sehr knackige Säure recht klar wirkend, warm-grüne Frucht, auch etwas essigbaumig, kühl-erdige Basis. Der sehr lange Nachhall ist trotz der fast fordernden Säure dem Grunde nach doch ziemlich elegant.

Wunderbar balancierter Sauvignon, der m.E. die Loire-Stilistik dieser Rebsorte sehr schön interpretiert, aber mit dem Gegensatz grün zu warm in recht eigener Weise spielt; wohl deshalb war auch für die Nerds nicht zweifelsfrei klar, was da im Glas war. Wurde am Abend auch komplett leer, deshalb gibt’s auch keinen Nachtrag…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

5. Wein: 2017er Pinot gris – Amphore – Athenaïs – Vin de France, Château de Béru, Bourgogne

Die Familie de Béru betreibt seit über 400 Jahren Weinbau auf ihrem Château bei Chablis, der zwischenzeitlich nach dem Ausbruch der Reblausplage jedoch aufgegeben wurde. Im Jahre 1987 entschloß sich Comte Éric de Béru, die Weinberge erneut zu bestocken. Aktuell wird das Gut von seiner Frau Laurence und seiner Tochter Athenaïs geführt. Neben den klassischen Chablis werden unter dem Namen der Tochter Athenaïs auch Weine gekeltert, die mit der Klassik der Gegend nur wenig zu tun haben.

In den Gläsern ein leicht trübes Braunorange, für den Riechkolben gibt’s reduzierte Waldhimbeeren, leicht Bitterorange sowie Roiboos-Tee, weiters leicht braunkräuterig. In Phase II dezent rauchig, extrem reduzierte Rotfrucht aus der Johannisbeer- / Himbeerecke, ein Hauch Hansaplast, potente, aber unaufdringliche Säure, dezente, kantig-herb-bittere Steingrundlage. Langer und etwas dehydrierender Abgang mit gerbstoffigem, rauchigen Finale.

Wahrscheinlich mein bester, weil eigenständigster und sicher auch abenteuerlichster Grauburgunder ever, der aber dennoch sowohl für Freaks als auch für „Laien“ sehr gut zugänglich ist.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: die Beeren sind auf dem Rückzug, Grapefruit und Gips dafür auf dem Vormarsch, etwas geschmeidiger als gestern, insgesamt eine schöne Seitwärtsbewegung auf beständigem Niveau.

6. Wein: 2017er [Cuvée] – Theodora – trocken – Landwein Weinland, Gut Oggau, Leithaberg

Das Gut Oggau wird vom Winzerpaar Stephanie Tscheppe-Eselböck und Eduard Tscheppe betrieben. Eine augenscheinliche Besonderheit dieses demeter-Weinguts ist die, daß die Weine nicht in erster Linie nach Rebsorten und / oder Herkünften aufgereiht werden, sondern daß das Gut jedem Wein eine fiktive Weinpersönlichkeit zuordnet, die dann der Flasche Gesicht und Namen gibt.

Diese Flasche stammt übrigens aus der sehr seltenen Sonderedition „DR“, bei welcher Theodoras Haare und Lippen mit den nachfolgenden Rotweinen handcoloriert wurden. Kann zum Höchstgebot abgegeben werden, allerdings ohne Inhalt, welcher meines Wissens nach aus Grünem Veltliner und Welschriesling bestand!

Sehr trübes Orangebraun im Glas, fürs Näschen gibt’s würzig-flintigen Apfelmost und Jasmintee. Gaumal dann reduzierte, gerbstoffdotierte Grapefruit, deutliche Agrumensäure, trotz der Gerbstoffe und Trübung recht klar wirkend, bemoostes Bachbett. Recht langer kühler Abgang, im Finale jedoch leicht wärmend ohne Brandigkeit.

Sehr frischer, mehr cidrig wirkender Vertreter der Naturweinszene, tritt völlig anders auf als die mir bekannten früheren Theodora-Jahrgänge, was ich grundsätzlich sympathisch finde; andererseits muß man sich darüber im Klaren sein, daß dieser Wein über allgemeine Jahrgangskontexte hinaus eine ziemliche Wundertüte ist.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

7. Wein: 2019er [Cuvée] – Corail – Vin de France, Domaine Dandelion, Bourgogne

Morgane Seuillot betreibt die Domaine Dandelion in Mavilly-Mandelot seit 2016, es werden ca. 2 ha Weingärten nach Naturweinprinzipien bewirtschaftet. Der hier beschriebene Wein wird wohl ein Unikat bleiben; da aufgrund von Ernteausfällen zu wenig Trauben für einzelne Weine vorhanden waren, wurden hier aus der Not heraus Aligoté, Gamay und Pinot noir gemeinsam zu einer Art Rotling auf französisch verarbeitet.

Hier farblich ein helles Kirschrot mit Tendenz zum Orange, hohe Transparenz. Geruchlich erschließen sich mir Preiselbeeren, Marzipan und Früchtetee, später auch freigestellte Himbeere, mit noch mehr Luft auch dezent Möbelschreinerei, mit steigender Temperatur leider auch zunehmend alkig. Am Gaumen dezent Amarena mit etwas Braunwürze, schöne leichte Säure, filigrane Unterlage aus sowas wie Bimsstein. Lang und feinfruchtiger Abgang mit filigraner Würze.

Sehr filigraner Wein mit an sich schöner Aromatik, welche es allerdings gegen die vorherigen Weine etwas schwer hatte, zusätzlich stört mich das leicht Brandige und hält mich von einer Nachkaufwertung ab; feingliedrig und 14 Volt vertragen sich einfach nicht so ohne Weiteres…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: nasal von den Komponenten her keine großartige Änderung, wirkt aber nun deutlich aufgeräumter, auch der Alk ist weniger präsent. Am Gaumen wirkt die immer noch recht helle Frucht etwas ernsthafter, hier jedoch nach wie vor die 14 Umdrehungen in Reinkultur. Ein kleiner Fortschritt zwar, aber nicht bepunktelungsrelevant.

8. Wein: 2018er Pinot noir – De l’aube à l’aube – Bourgogne AOC, Les Fauvettes, Bourgogne

Maryse Chatelin hat erst 2015 angefangen, ihren eigenen Wein zu keltern. In einer Parzelle bei Uchizy im Chardonnay-dominierten Mâconnais hat sie alte Pinot noir-Stöcke gepflanzt und stellte sich damit freiwillig in Konkurrenz zu ihrem Mann, der bereits seit 1996 im Naturweinbereich des Burgunds arbeitet.

Kirschrot ziegelig im Glas, riecht nach Kirschen und Brombeeren mit deutlicher Kleberspur. Gaumal dann nicht wenige Tannine, leichte Adstringenz, eher kühle Frucht, klare Säure, gerbstoffumantelte Speckstein-Kalkbrocken als Basis. Der recht lange Abgang bewegt sich bezüglich der Kleberaromatik auf dem schmalen Grat zwischen Spaß und Frust, hier jedoch noch auf der angenehmen Seite.

Die ungeschwefelten Natur-Pinots gleiten gerne mal in die Kleberecke ab, hier ist das richtige Maß bestimmend für Top oder Flop. In diesem Fall hätte dem Wein ein winziger Schwefelspruz möglicherweise ganz gut getan, aber das ist natürlich nur eine blutige Laienmeinung…

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: die Frucht nimmt ab, der Kleber zu, wird insgesamt etwas sperriger und verliert aus meiner Sicht mit Luftzufuhr signifikant. Vielleicht doch ein bißchen S reinrühren?

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

9. Wein: 2017er [Cuvée] – SP68 Rosso – Terre Siciliane IGT, Occhipinti, Sicilia

Arianna Occhipinti stammt zwar aus einer Winzerfamilie, dennoch war ihr Weg in dieses Business nicht vorgezeichnet. Sie hat aus eigenem Antrieb mit knapp über 20 Jahren einige aufgelassene Weingärten in den Bergen rund um Vittoria gekauft, die sie wieder zum Leben erweckte und studierte nebenbei Önologie; offizielles Gründungsjahr ist 2004. Mittlerweile ist sie unter den innovativ arbeitenden Winzern in Sizilien (und auch in Italien) eine etablierte Größe.

Dies ist übrigens eine Cuvée aus 70 % Frappato und 30 % Nero d’Avola.

Satt kirschige Farbe mit mittlerer Transparenz, nasal gibt’s Schwarzkirsche mit leicht teerig-ledriger Holzbegleitung. Am Gaumen recht herb kirschig bzw weichselig, relativ kühle Säure, ebenso kühle Mineralik, dezentes, kühl-teeriges Holz ohne Bitterchen. Dann ein ordentlich langer Abgang mit Dominanz der kühl-klaren Sauerkirsche, das Finale wärmt ein bißchen ohne brandig zu sein.

Daß man auf der warmen Insel Sizilien auch in niedrigeren Regionen ab vom Etna solch coole und vergleichsweise schlanke, aber dennoch substanzielle Weine hinbekommt, ist für mich schon bemerkenswert und fördert meine Achtung vor der Winzerin!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

10. Wein: [2019er] [Xarel·lo] – Xarelina – [Vino da Mesa], Emilie Mutombo, Catalunya

Emilie Mutombo ist eine Belgierin mit kongolesischen Wurzeln, die in Frankreich Önologie studierte und in der Folge in Katalonien und Australien praktische Erfahrungen sammelte, bevor sie auf dem katalonischen Gut Partida Creus tiefere Wurzeln schlug. Mittlerweile steht ihr eigener Name auf ihren Weinen, wobei sie nach wie vor die Kellertechnik von Partida Creus nutzt, wenn ich das richtig deute…

Ein trübes Orange zeigt sich, nasal gibt’s erst mal Schwefel, weißen Rauch und Basalt, mit Luft allenfalls ein paar Fruchtsprengsel erahnbar. Schmeckt ebenfalls sehr flintig-mineralisch, kaum Frucht, allenfalls ansatzweise ein Mix aus sehr reduzierter Papaya und Aprikose, straffe Säure, vulkanische Steingrundlage. Der ziemlich lange Abgang wiederholt das nochmals recht eindrucksvoll, das Finale wirkt trotz der Gerbstofflast recht quirlig.

Dieser Wein besticht durch seine kompromißlose Mineralik und trotz fast völliger Fruchtabstinenz fehlt einem hier nur wenig zum völligen Glück; auch die Balance zwischen Säure und der an sich viskositätserhöhenden Gerbstofffracht ist vorbildlich.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: mittlerweile ist dann doch einiges an Frucht in deutlich reduktiver Form aufgetaucht, darunter Papaya, Guave, Akee und ein bißchen Mandarine. Rauch und Flint sind entsprechend zurückgegangen, dafür gibt’s jetzt Salz in überraschender Konzentration, auch Karamell und Lakritz spielen in Spuren mit. Dann ein unendlich langer, exotisch-süßlicher und dennoch trockener Abgang. Auch dieser spannende und nunmehr enorm komplexe Wein schafft den Sprung in die 3er-Riege mit Bravour!

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Fazit: auch und gerade die „Meedels“ in der Weinbranche produzieren Weine von hoher bis höchster Qualität und sind dazu auch deutlich treibende Kräfte im Bereich des innovativen Weinbaus, das spiegelt sich sehr schön in dieser aus meiner Sicht sehr hochklassigen und spannenden Runde wieder (aber das ist natürlich nur MEIN subjektiver Eindruck, falls jemand anderer Meinung ist…). Leider ist das weibliche Geschlecht nach wie vor unterrepräsentiert im Weinbusiness, aber ich freue mich, daß die Winzerinnen stetig aufholen. Vielleicht nicht unbedingt im Massenbereich, aber der interessiert mich ja eh nicht so sehr!

Vielen Dank an alle unsere Gäste, daß sie diesen Abend so schön mitgestaltet haben. Ich finde auch diesen Mix aus ein paar Weingeeks wie mir und einigen zwar durchaus weinaffinen, aber in keinster Weise nerdigen Teilnehmern sehr förderlich, die Freaks werden dadurch etwas geerdet, die andere Seite schaut ein bißchen über den bekannten Tellerrand hinaus. Ich sammel mal für „Meedels 4“ weiter…

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