Gereifter Pizza-Wein – Relaunch 3

Heute hab ich mich eines Weines erinnert, der vor gut einem halben Jahr noch nicht deutlich „drüber“ war, aber doch klar an Schlagkraft verloren hat:

2008er [Cuvée] – Reoltre – Rosso Veronese IGP, Campo Reale, Veneto

Da ich hiervon mal ein Sixpack geschenkt bekam -was für meine Trinkgewohnheiten bei dem fortgeschrittenen Alter einfach zuviel ist-, muß das Zeug jetzt einfach zeitnah weg. Da ich was zum Marinieren brauchte, traf sich das eigentlich ganz gut und insgeheim hoffte ich auf ein bißchen Flaschenvarianz, also dahingehend, daß die heutige Buddel vielleicht weniger weit entwickelt ist.

Kurz und knapp: sie war im Prinzip genauso weit wie die letzte, nur das im Mai festgestellte Bitterchen taucht hier so gut wie gar nicht auf. Ein Glas davon kann ich durchaus mit Freude wegschlabbern, aber dann stellt sich ein deutliches Sättigungsgefühl ein.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 12. Mai 2021:

Gestern wurde nach einem anstrengenden Tag der Wunsch nach einem „Absacker“ geäußert, also was Dickes bzw. Einschläferndes. Nach kurzer Analyse des Zweitkellerinhalts habe ich dann schon wieder einen

2008er [Cuvée] – Reoltre – Rosso Veronese IGP, Campo Reale, Veneto

geöffnet, den ich zuletzt -für uns untypisch- vor einem halben Jahr probiert habe; deswegen dachte ich auch, daß ich gar nichts drüber schreibe, da sich in dem halben Jahr wohl nicht viel getan haben wird. Es kam dann aber doch anders:

Farblich ein fast undurchsichtiges, dunkles Rubinrot mit leicht bräunlichen Rändern. Nasal gibt’s ordentlich trockene Trockenpflaumen und ein paar reichlich sekundäre Beeren, welche von leicht süßlichem Tabak und ein bißchen Bärendreck begleitet werden. Gaumal ist das Ganze dann noch dicker als erwartet, ein paar schmelzige Tannine zucken noch, die Säure ist noch einigermaßen Herr der Lage, darunter ein Gemisch aus Leichtmetall und ein paar bitteren Salzen. Der recht lange und warme, trotz 14,5 Umdrehungen nicht alkige Abgang ist der geschmeidigste Teil, das Finale mündet in eine leichte Bitterspur.

Für sich betrachtet würde ich jetzt sagen, daß es nun so langsam bergab geht mit dem Reoltre. Der Unterschied hinsichtlich der gefühlten Reife zwischen den beiden zuletzt probierten Flaschen ist jedoch enorm, auf jeden Fall viel größer als erwartet. Entweder hat sich der Wein nun generell in den Sturzflug begeben oder -zu was ich mehr tendiere- die Flaschen reifen aufgrund des Korkverschlusses einfach signifikant unterschiedlich. Das ist ja nun auch nichts Neues, aber an diesem Beispiel sieht man mal wieder schön, wie verläßlich solche Momentaufnahmen letztlich sind. Als Absacker verrichtete diese Flasche aber noch ganz gute Dienste, sie wurde auch nicht leer, vielleicht mariniere ich noch was mit dem Rest…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 19. November 2020:

Es wird mal wieder Zeit für einen nicht mehr ganz jungen Italiener, von dem ich auch noch mehr als diese heute geöffnete Flasche im Keller habe:

2008er [Cuvée] – Reoltre – Rosso Veronese IGT, Campo Reale, Veneto

Im Glas ein sehr dunkles Rubinrot mit leicht braunen Rändern, quasi nicht durchsichtig. Riecht in erster Linie nach Dörrpflaumen und getrockneten Feigen, relativ zu der Dörrfrucht ein eher dezent wirkendes Holz in Form von Kaffee, Nelke und Vanille, irgendwann auch was Malziges. Am Gaumen setzt sich das im Wesentlichen so fort, wirkt hier insgesamt noch etwas reifer, jedoch in keinster Weise morbid; die Säure hält den Wein noch ganz gut auf der unangestrengten Seite, darunter ein herb-fluffiges Steinbett. Der Reoltre hängt sich abgangsmäßig ziemlich lang im Rachen fest, hier wird’s dann auch leicht holzteerig, bleibt aber im angenehmen Bereich.

Der Reoltre hat sich alterungsmäßig leicht weiter entwickelt, alles ist noch gut im Lot, aber meiner Meinung nach ist nicht zu erwarten, daß der Wein in nächster Zeit noch betörende Entwicklungen durchmacht. Vielleicht bleibt er noch eine Zeit lang auf diesem Niveau, aber die Höhe der ersten Begegnung erreicht er nicht mehr ganz.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 18. September 2018:

Heute gab’s Pizza, natürlich von A-Z selbst gemacht! Ich kann mich nicht erinnern, daß ich zu diesem italienischen Klassiker schon mal was anderes als einen Wein aus I getrunken hätte, käme mir irgendwie wie Frevel vor. Deshalb heute ein

2008er [Cuvée] – Reoltre – Rosso Veronese IGT, Campo Reale, Veneto

Diesen Wein habe ich schon mal als 2011er vorgestellt. Den habe ich damals geschenkt bekommen und da ich nach der Verkostung gegenüber dem Schenker unvorsichtigerweise bemerkt habe, daß das sehr viel Wein fürs Geld war, habe ich zum nächstbesten Anlaß dann noch eine ganze Kiste mit dem 2008er bekommen, der genauso eine Cuvèe aus Corvina, Corvinone und Rondinella ist.

Die Farbe ist ein recht dunkles Rubinrot mit mäßiger Transparenz, ganz leichte Braunschimmer kann man erkennen. Ich rieche als erstes mal intensiv Pflaumen in leicht angedörrter Form, jedoch nicht kompottig; dazu eine kräftige, aber nicht übertrieben wirkende Holzaromatik in Form von Vanille, Espressopulver, etwas Nelke und angeschwitztem Lederkragen, später auch Süßholz und leicht Karamalz. Im Mund setzt sich das fast 1:1 fort, die Pflaumen sind hier allerdings etwas weniger präsent. Was an Tanninen da ist, ist erst mal butterweich, dennoch kommt ein kleines, nussiges Bitterchen mit. Säure ist ausreichend vorhanden, sodaß der Wein trotz 14,5 bar Druck auf dem Kessel nicht ins Machohafte abgleitet. Steinmäßig gibt’s was dezent glimmerig-herbes als Unterlage. Der Nachhall hallt im Mehrminutenbereich, die Dörrpflaumen haben hier nochmal einen großen Auftritt und zwar mit super Säurebegleitung. Dann holt langsam aber sicher die würzige Seite auf und übernimmt das Ruder, ohne zu fett zu werden.

Auch hier ist ordentlich was im Glas, aufgrund der weiter fortgeschrittenen Reife sind halt z.B. keine Kirschen mehr da, die Holzseite glänzt dafür aber mit einer Fülle differenzierbarer Aromen, ohne dabei anstrengend zu werden. Alles in allem läuft’s auf die gleiche Bewertung wie beim 11er hinaus:

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

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