Nach der Online-Pleite

…und weiter geht’s mit der Aufholjagd bei den Gruppentrinker-Beiträgen: nachdem die letzte hier dokumentierte Online-Weinprobe leider nicht so der Brüller war, hofften wir bei unserer ersten von Vinocentral veranstalteten Probe mit Weinen des Pfälzer Newcomer-Weinguts Seckinger auf deutliche Besserung. Mal sehen, ob’s geklappt hat…

Vorne weg gab’s aber erst mal was Schaumhaltiges:

Wein A: 2020er [Solaris] – Lingera – Vino bianco frizzante – Vigneti delle Dolomiti IGT, Cavic, Trentino

Im Glas zeigt sich ein helleres, leicht trübes Messing, eher verhaltener und feiner Blubber, der uns aber im Verkostungszeitraum nicht verlassen hat. Nasal gibt’s Grapefruit in flaumig, geschmacklich gesellt sich eine samtige Säure dazu, Kalkgrundlage der dezenteren Art. Langer frischer, kalkgepufferter Abgang.

Schöner, unkomplizierter Sommerfrizzante, der seinen Gestehungspreis von gut 10 Euronen vor Ort voll und ganz wert ist!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

1. Wein: 2020er Weißburgunder – „vom Kalkstein“ – [trocken] – Pfälzer Landwein, Seckinger, Pfalz

Die Farbe ist ein fast klares Messing, in der Nase ein leichter Stinker plus samtige Cantaloupe-Melone. Geschmacklich dann leicht sekundäre, samtige Frucht, mit Luft auch reduzierte Nektarine, eher wenig Säure im Gepäck, dennoch recht trinkig, deutliche Gerbstofffracht ohne Freakcharakter mit irgendwelchen „fiesen Naturweinkanten“. Sehr langer fluffiger Abgang, mit Luft nimmt hier die Fruchtsüße deutlich zu.

Quasi ein Alltagsnaturinger für die Massen, anspruchslos mit Anspruch, Crowdpleaser im allerbesten Sinne, dazu ein PLV-Kracher.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: mir wurde vom Gastgeber noch Folgendes zugetragen: „Der Weißburgunder leidet heute stärker darunter, dass ihm kein Säuregerüst mitgegeben wurde. Dadurch etwas langweilig. Für mich nur noch ein Einser.“

Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 1 von 3

2. Wein: 2019er Riesling – Deidesheim „Am Kirchenberg“ – [trocken] – Qw, Seckinger, Pfalz

„Am Kirchenberg“ ist übrigens keine Weinbaulage, sondern eine rein geographische Bezeichnung, es gab auch mal ein gleichnamiges Flurbereinigungsprojekt sowie eine historische Lage „Am Kirchberg“, welche 1971 in der „Maushöhle“ aufgegangen ist. Ich gehe davon aus, daß die äußersten westlichen Bereiche der Deidesheimer Lage „Maushöhle“ sowie ggf. auch des „Herrgottsacker“ hier am ehesten bzgl. der Traubenherkunft zutreffend sind.

Hier leuchtet’s Messing bis Altgold aus dem Glas, fürs Näschen gibt’s rauchige Mandarinenschalen (das Weiße) mit sehr weicher Textur, später auch grünliche Mirabellen. Am Gaumen dann gegerbte Orangen- und Mandarinenschalen, eher moderate Säure, deutlich grünlicher Gerbstoff, untendrunter ein Kalkbett mit Schieferverunreinigungen. Sehr langer, leicht pelziger Abgang mit etwas essigbaumgrüner Großholzanmutung.

Ganz großartiger, frisch-flaumig-grüner Riesling mit leicht naturburgundischer Anmutung, bei dem ich mich wundere, wie der Wein eine amtliche Prüfnummer bekommen konnte, denn typisch ist hier aus meiner Sicht gar nichts.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

3. Wein: 2020er Chardonnay – R[uppertsberg] – pure – [1. Charge] – [trocken] – Pfälzer Landwein, Seckinger, Pfalz

Farblich ein ganz leicht angetrübtes Goldgelb, nasal zeigt sich flaumiges, grünes Steinobst, deutliche Frischeankündigung, etwas volatile Säure, ein Hauch Essigbaum. Schmeckt dann nach sekundären Reneclauden und grüner Kochbananenschale, wieder gut dosiertes Essigbaumholz, recht deutliche Säure, Glimmer und Kalk als Untergrund. Der sehr lange und zudem wunderbar salzige Abgang wirkt im ersten Moment durch die Gerbstoffe gut gepuffert, die Säure holt das Ganze aber sofort wieder auf die spannende Seite.

Äußerst animierender Natur-Chardo, den ich ohne mit der Wimper zu zucken auch als innovativen 30 Euronen-Burgunder eingeordnet hätte, großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Der folgende Seckinger-Wein stammte nicht aus dem Verkostungspaket, ich hab ihn mir mal separat besorgt und noch mit oben drauf gepackt:

4. Wein: 2020er Grauburgunder – Nature’s Calling – Orange – [trocken] – Pfälzer Landwein, Seckinger, Pfalz

Nach zweimal Stürzen der Flasche zeigt sich ein undurchsichtiges, trübes Grapefruitpink. In der Nase leicht schwefeliger, basaltischer Grapefruitsaft, am Gaumen etwas bizzelig, wieder pink grapefruitig, eigentlich nur leicht weinig, knackige Säure, kühler Kalk als Basis. Dann noch ein sehr langer Abgang, dabei mit schöner Salzspur.

Super Zischwein mit Anspruch, wobei das „Trübsaftige“ fast ein bißchen überwiegt, macht sich wohl am besten im Hochsommer in der Hollywoodschaukel (oder so…).

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: die schwefelige Mineralik hat sich weitgehend verdünnisiert, auch der Restbizzel ist weg; aber dafür hat sich die Salzspur deutlich verbreitert. Heute insgesamt ein leichter Abschlag, am besten man zischt die Flasche gleich in einem Rutsch weg…

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Epilog: Nach dieser insgesamt doch recht erfreulichen Runde wurde mir dann noch was eingeschenkt, das ich so oder ähnlich noch gar nicht im Glas hatte:

Wein B: 2018er Saint Laurent – Kvevri – Moselle Luxembourgoise AOP, L & R Kox, Moselle

Farblich ein leicht ins Violette gehendes Kirschrot, nasal gibt’s klare Kirsche, vielleicht etwas alte Fichtenholz-Berghütte. Geschmacklich auch vordergründig Kirsche, klare Säure, Gebirgsbachmineralik. Der Abgang ist auch eher klar und kirschbetont.

Von Qvevri / Amphore schmeckt man hier meines Erachtens gar nix, ist einfach ein netter Zechwein, dafür braucht’s aus meiner Sicht den Aufwand nicht. Aber immerhin: mein erster Luxemburger…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit:

Wie erhofft bzw. erwartet war diese Online-Runde erheblich erfreulicher als der oben verlinkte Vorgänger. Nur das Video zur Verkostung war dann aus meiner Sicht nicht so besonders gelungen, nicht nur weil am Drehort im Hintergrund eine ganze Busladung von Leuten, die anscheinend mit was völlig Anderem beschäftigt waren, für eine extrem störende Geräuschkulisse sorgten.

Vielen Dank an die Gastgeber für das wie immer vorzügliche Catering, ich komm immer wieder! (Achtung: Drohung!)

2 comments on “Nach der Online-Pleite

    • …egal ob eigentlich „klassisch“ und mit Prüfnummer oder „Pure“er Landwein, die Seckinger-Weine sind -soweit bisher probiert- alle erfrischend anders ohne zu sehr ins Freakige abzugleiten. Bin mal gespannt, was ihr dazu meint…

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