Holz vom Schwäbischen Meer – Relaunch 2

Heute mal wieder was, von dem ich beim Durchsehen des Kellerbuches (bzw. der Keller-Datenbank) dachte, daß das so langsam mal getrunken werden sollte:

2014er Pinot blanc – [Überlinger Felsengarten] „Goldbach“ – trocken – Qw, Kress, Bodensee

Farblich sind wir nunmehr bei einem leuchtenden Altgold angelangt, fürs Näschen gibt’s eine recht intensive Honigfrucht aus der reifen Pfirsich-Quitten-Ecke, dazu ein Hauch Tabak. Schmeckt dann auch nach der genannten Frucht mit trockenem Honigcoating, schön ausbalancierte Säure, holzseitig eine eher dezente Tabak- / Beifußaromatik, steinseitig was leicht Herbes, das ich aber nicht näher beschreiben kann. Der ordentlich lange Abgang repetiert das nochmals recht schön.

Der Goldbach-PB ist nunmehr durchaus schön gereift, erfreulich ist vor Allem, daß sich keinerlei unangenehme Begleiterscheinungen in Form von harschen Bitterchen oder aromatischen Löchern auftun. Allerdings zeigt sich keine dem Preis angemessene Finesse, ist eher „einfach schön“ bzw. „schön einfach“, aber das kann man mit einem ordentlichen Orts-Weißburgunder auch erreichen, wenn auch in der Regel mit weniger Barrique-Aromatik. Also insgesamt kein Fortschritt seit der letzten Begegnung, aber auch kein Rückschritt.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 28. März 2018:

Ich habe heute im Keller festgestellt, daß eine Flasche des

2014er Pinot blanc – [Überlinger Felsengarten] „Goldbach“ – trocken – Qw, Kress, Bodensee

etwas aus dem Korken suppt. Da habe ich mir gedacht, daß aufgrund der vorgesehenen Abendspeisung einer „Notöffnung“ der Flasche nichts entgegenstehen dürfte. Wahnsinnig viel hat sich gemäß aktuellem Füllstand (noch im Flaschenhals) wohl noch nicht verflüchtigt, deshalb hätte die Flasche vielleicht auch noch deutlich länger durchgehalten, aber diese Fragestellung ist ja jetzt hinfällig.

Die Farbe ist ein dichtes, leuchtendes Goldgelb, die Nase bekommt vor allem Holzaromatik in Form von Nelke, Lederkragen und entfernt Vanille ab, dazu -auf der noch angenehmen Seite- was leicht Molkiges. Frucht läßt sich hier eher erahnen, wenn, dann reif und gelb in Richtung Mango-Maracuja. Geschmacklich ist die Fruchtseite etwas präsenter, ein dunkelgelber Mix aus heimischem, reifen Steinobst und Exotik liegt hier etwa gleichauf mit dem Holz; auch hier eine dezente Molkenote. Die Säure ist unauffällig, vermeidet aber die allseits gefürchtete Weinbreite zuverlässig. Der Abgang ist druckvoll reif-fruchtig, dabei ewig lang und trotz allem Gehalt nicht belastend.

Der Holz-Pinot blanc hat sich in den gut zweieinhalb Jahren seit der letzten Öffnung schon recht deutlich verändert (s.u.). Da gibt es einige für sich gesehen recht schöne Komponenten und insgesamt macht der PB eine ganz gute Figur, aber die Nachkaufschwelle reißt er in der aktuellen Kondition bei mir nicht mehr. Vielleicht haben sich auch einfach meine Vorlieben in der Zeit seit der ersten Flasche weit genug verändert…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 20. Oktober 2015:

Das obere Ende der Preisskala beim Seegut Kress bildet neben einem Chardonnay und einem Pinot noir aus der gleichen Lage der

2014er Pinot blanc – [Überlinger Felsengarten] „Goldbach“ – trocken – Qw, Kress, Bodensee

Die Sub-Lage Goldbach (oder historische Lage, Gewann, ggf. auch einfach ein Phantasie-Lagenname mit Bezug zum gleichnamigen Überlinger Ortsteil) gehört zu dem kürzlich von Kress übernommenen Weingut Spital zum Heiligen Geist in Überlingen und stellt wohl das neue Filetstück des Weinguts dar. Dieser neue Teil ist deutlich größer als der Stammsitz in Hagnau, mittlerweile wurde auch die gesamte Kellertechnik nach Überlingen geschafft, weil dort wohl wesentlich mehr Platz verfügbar ist.

Der Wein wurde im Barrique ausgebaut. Wie lange, weiß ich nicht genau, aber er wurde im Mai 2015 frisch abgefüllt, also kann es sich nur um max. 6 Monate plus / minus handeln. Hat mich interessiert, wie das dem Pinot blanc respektive Weißburgunder bekommt.

Im Glas ist der Goldberg-WB schön goldgelb und noch leicht perlend. In der Nase eine deutliche Holzaromatik, jedoch weniger auf der würzigen denn auf der Zedernholzseite. Die Fruchtaromatik verschwindet fast hinter dem Holz, man kann aber Quitte und Co. ausmachen. Am Gaumen ist das Holz zum Glück nicht ganz so prägnant, dafür erkennt man die Früchte umso besser: Quitte, frittierte Kochbanane, Backapfel mit Zimt, etwas buttrig, Sternanis und ein paar phenolische Noten, weiters Karamell und Kastanienhonig. Erfrischend viel Säure bietet der Wein, was dem deutlichen Extrakt gut entgegen wirkt. Die 13 PS fallen dadurch nicht weiter auf. Der Abgang ist lang und würzig-mineralisch.

Den Goldberg-WB hätte ich blind wohl eher zur Chardonnay-Seite geschoben. Das Bukett war mir noch etwas zu sehr auf der holzigen Seite, aber der komplexe bzw. vielschichtige Eindruck am Gaumen entschädigt für vieles. Der WB ist ja auch noch ziemlich jung, in ein paar Jahren präsentiert er sich vielleicht von einer noch schöneren Seite.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

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