Der Drang nach oben

Nachdem die bisher getrunkenen kretischen Weinchen soweit alle ganz nett bis gut waren, aber noch kein so richtiger Kracher dabei war, hab ich gestern beherzt und vermeintlich ganz oben zugegriffen:

2014er [Cuvée] – Heliades – dry – PDO Sitia, Οικονομου {Economou}, Crete

Hierzu wurden 50 % Vilana und 50 % Thrapsathiri verwendet.

Im Glas ein leicht oranges Messing mit geringer Trübung, riecht erwachsen nach wachsiger Exotik wie Physalis und Papaya mit etwas Verjus und komplett zuckerbefreitem Kastanienhonig. Am Gaumen dann eine hohe Spannung zwischen der zwar überreifen, aber nicht matschigen, stark sekundären, aber äußerst agilen Frucht mit der straffen Säure und dem frischen, hier eher vom Thymian stammenden Honig, dazu eine erdige, eisensalzige Basis. Der mehrminütige Nachhall ist dann leicht wärmend (ohne Brandigkeit), die Frucht ist hier bei aller Frische im besten Sinne kompottig, schier ewiges Trockenhonigfinale mit Verjus-Kontrapunkt.

Daß Economou als DAS Weingut auf Kreta gilt, erschließt sich mir nach der bisherigen Serie sofort, das ist bis dato sehr outstanding bis eigenwillig. Ich weiß nur nicht, ob der aktuelle Reifezustand möglicherweise auch auf die Lagerbedingungen bei dem Händler zurückzuführen ist, auch wenn der Laden einen sehr guten Eindruck machte, aber auf Kreta ist’s im Durchschnitt wahrscheinlich mindestens 5 Kelvin wärmer als bei uns. Andererseits scheint der 14er der aktuell im Handel verfügbare Jahrgang zu sein, d.h., die Flasche stand wohl noch nicht allzu lange im Laden rum. Wie auch immer, unsere Buddel ist aktuell in Hochform, die knapp 35 Euronen dafür reuen mich kein bißchen.

Meine Wertung am ersten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: nasal mischen jetzt auch noch Orangen und Mandarinen ein bißchen mit, auch leicht teeige Noten aus der Roiboos-Ecke; die gestrigen Aromen sind jedoch nicht abgeschwächt oder gar verschwunden. Auch am Gaumen diese Komplexitätszunahme durch den Tee- und Agrumenbereich, dazu ein Mehr an sanfter Würze, die Balance zwischen Säure und Extrakt nochmals weiter perfektioniert. Und der Abgang kann ebenso noch eine Schippe drauflegen.

Zwischendrin dachte ich mal „Werlitsch in griechisch“, dazu hat sich der Wein seit gestern deutlich verjüngt und man findet noch weit mehr Nuancen als frisch aus der Flasche. Das ist gemessen an meinen Vorlieben schon richtig groß!

Meine Wertung am zweiten Tag: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 24 von 25

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