49. Weinrunde in München

Ich arbeite mich langsam vor! Auch wenn die 50. Runde nun schon wieder Geschichte ist (da konnte ich leider nicht) und die 51. schon in den Startlöchern steht. Leider war die Nummer 49 nicht so gut besucht, lag wohl zum Einen an dem Termin mitten in den Sommerferien, zum Anderen gab’s auch noch krankheitsbedingte Ausfälle. Also wurde es eine an sich überschaubare Veranstaltung, wir haben aber dennoch nicht gerade wenig probieren können. Thema war diesmal übrigens „Weine von Italiens Inseln“.

Prolog: zu Beginn jedoch erst mal ein bißchen was Spritzeliges:

Wein A: [2021er] Riesling – brut – Deutscher Sekt b.A., Bassermann-Jordan, Pfalz

Im Glas ein helleres Strohgelb, mäßige, recht feine Perlage. In der Nase leicht süßlicher Apfel und etwas Ananas. Am Gaumen dann auch relativ klarer Apfel, gepaart mit leichter Süße, unauffällige Säure, etwas Kreide und Polyester als Unterlage. Beim recht langen Abgang macht sich die Säure erheblich mehr bemerkbar, deutlich wärmendes Finale.

Ich hatte auch bei den Stillweinen von Bassermann-Jordan in letzter Zeit feststellen müssen, daß man sich in der Stilistik der Weine anscheinend in die Richtung der Massenkompatibilität bewegt, möglicherweise ist das die vom Eigner Niederberger diesem Gut nun zugewiesene Marschrichtung, ist jedoch eher eine Spekulation von mir. Jedenfalls sehe ich diesen Schäumer auch eher in der Crowdpleaser-Ecke, mir persönlich ist er mit etwas zuviel Zucker ausgestattet und ist eher unauffällig und gänzlich kantenlos. Allerdings wäre ich bei manchen Events, bei denen es gerne völlig unsägliche Schaumweinchen zum Empfang gibt, äußerst froh, wenn mir stattdessen sowas ins Glas eingeschenkt würde.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Wein B: oJ Le Costaud – [brut] – Cidre, Pacory, Normandie

Braunorange trüb im Glas, mittlere Perlage mit ordentlicher Ausdauer, riecht recht hopfig-gerbstoffig nach Mostäpfeln und etwas Pfirsich. Am Gaumen dann sehr flaumige Gerbstoffe, leicht bittere Frucht, einerseits knalltrocken, andererseits aber gut mit herber Extraktsüße ausgestattet. Der sehr lange Abgang ist auch schön süßlich-herb.

Wunderbar bierig-herber Cidre mit toller Balance zwischen Gerbstoffen und Extraktsüße, guter Essensbegleiter. Hatte ich im letzten Jahr schon mal im Glas, war aber eine andere Charge, die hatte weniger Alk und war deutlich saftiger. Die hier verkostete Ausgabe ist da deutlich ernsthafter und macht -mir- nochmal deutlich mehr Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Drama:

1. Wein: 2019er [Cuvée] – Bianco – Terre Siciliane IGP, Cristo di Campobello, Sicilia

Dieser Bianco besteht übrigens aus Grillo, Chardonnay, Inzolia und Cataratto.

Die Farbe ist ein dichteres Strohgelb, fürs Näschen gibt’s relativ kühles Steinobst wie Mirabelle und etwas grünen Apfel, auch gelbe Kiwi, alles recht sekundär aufgestellt. Gaumal ist die Frucht etwas verschleiert, zwar eine ordentliche Säure, aber eine deutlich specksteinige Mineralik. Der recht lange Abgang ist dann der grünste und frischeste Teil des Genusses, das Finale ist dann auch von der Steinseite her klarer aufgestellt.

Typischer, leicht belegter Sizilien-Bianco, der aber mit einer vergleichsweise schönen Säurestruktur aufwarten kann. War mein letzter verbliebener italienischer Inselwein im Keller, den ich auch schon mal im Glas hatte, und da meine Zeit leider recht knapp bemessen war, hab ich’s nicht mehr geschafft, noch rechtzeitig was mir Unbekanntes zu besorgen; man möge mir diesen Regelverstoß verzeihen! Meine Wertung fiel hier etwas niedriger aus als bei der letzten Begegnung, kann aber auch tagesformabhängig gewesen sein.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2021er [Grillo] – Bianco – The Cure – Terre Siciliane IGP, Campisi, Sicilia

Der Grillo präsentiert sich mit einem helleren Strohgelb, das Bukett liefert etwas kaltvergorene Frucht aus der Lychee- / Netzmelonenecke, ein Hauch Kerbel noch. Am Gaumen kommt zu der o.g. Frucht noch deutlich grünes Maoam, der Wein verfügt über eine zwar deutliche, aber chancenlose Säure, dazu Speckstein als Basis. Recht langer, leider recht künstlich wirkender Abgang.

Da ich nun so gar kein Freund von kaltvergorener Plastikfrucht bin, konnte ich auch leider mit diesem Wein so gar nichts anfangen, er wurde jedoch am Tisch teils auch deutlich höher bewertet als der erste Wein des Wettbewerbs, Geschmackssache halt.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 12 von 25

3. Wein: 2020er Vermentino – Opale – Vermentino di Sardegna DOC, Cantina Mesa, Sardegna

Ein helles Goldgelb zeigt sich im Glas, den Riechkolben erreicht hellgelbe Frucht wie Kaktusfeige mit Zitronenkonfekt, auch etwas Krautwickel. Am Gaumen wiederholt sich das fruchtseitig, ganz leicht basaltische Einflüsse, relativ schöne, gut austarierte Säure, kalkig-schotterige Basis. Ordentlich langer Abgang mit hier eher cremigen Pfirsichen.

Entwickelt sich mit Luft recht schön zu einem mediterranen Fischbegleiter, ist allerdings für das Gebotene ziemlich ambitioniert bepreist, deshalb hier für mich kein Nachkauf denkbar.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

4. Wein: 2021er Nuragus – Pedraia – Nuragus di Cagliari DOC, Cantina Santadi, Sardegna

Im Glas ein helles Strohgelb bis Messing, riecht nach Rambutan und Kaktusfeige. Geschmacklich dann relativ viel Fruchtextrakt mit ordentlicher Fruchtsüße, auch etwas alkig, moderate Säure, leicht herbe, dezente Terrassenunterlage mit kleiner Salzspur. Langer, fruchtdominanter Abgang.

Sehr fruchtorientierter Wein, der zwar nicht ins Kitschige abgleitet, aber wenn kaum was Anderes da ist, das der Fruchtseite ein bißchen Paroli bietet, baut sich keine Spannung auf, aber auch wenn man nach etwas Eleganz sucht, wird man hier nicht fündig, zumindest ging’s mir so.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

5. Wein: 2020er Nerello Mascalese – Molino a Vento – Terre Siciliane IGP, Tenute Orestiadi, Sicilia

Hier ein frisches Violettrot, mittlere Transparenz im Glas. Die Nase bekommt erst mal eine satte Kirschladung mit leichtem Staubanteil ab, das nimmt jedoch mit Luft etwas ab; etwas recht ältlich wirkendes Holz mit würzigen Pilzelementen wie Pfifferling und Ziegenbart kommt dafür zunehmend auf, auch etwas Schokolade. Geschmacklich dann etwas zahmer, hier überwiegend Pilze und Tabak, sehr schöne, überraschend frische Säurestruktur, kalkige Basis. Der mehrminütige Abgang lebt von einem großen Pilzwald mit hintergründiger Rotfruchtbegleitung.

Sehr runder, Pinot-ähnlicher Wein mit erstaunlich viel Finesse und Eleganz bei gleichzeitigem Druck und Eleganz, für einen Nerello, der anscheinend gerade mal 6 Euronen kostet, ist das ziemlich viel Wein fürs Geld, stellt sich höchstens die Frage, ob die Qualität gleichbleibend ist. Kam aber nicht durchgehend so gut an wie bei mir, hat halt keine Dickweinqualitäten, wie man das von einem Süditaliener vielleicht erwartet, sondern ist relativ „cool-climate“.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

6. Wein: 2017er [Cuvée] – Shardana – Rosso – Valli di Porto Pino IGP, Cantina Santadi, Sardegna

Dies ist eine Cuvée aus Carignano und einem geringen Anteil an Syrah.

Das Glas zeigt ein dunkles Granatrot mit geringer Transparenz, nasal anfangs Herzkirsche (abnehmend) mit etwas Wald, Tabak und Kaffee, gaumal dann süßer Tabak und dunkles Karamell, moderate, aber gut ausgepegelte Säure, kalkig-lehmige Basis, leider schlägt der Allohol auch deutlich durch. Abgangsmäßig hat man mehrere Minuten was davon, auch hier lebt der Wein in erster Linie vom selbstbewußten Holz, im Finale brandelt’s gut.

Das war mir von fast allem einfach zu viel des Guten, insbesondere was das Holz und den Alk angeht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

7. Wein: 2017er [Cuvée] – Orodoro – Passito – Isola dei Nuraghi IGT, Cantina Mesa, Sardegna

Für diesen Süßwein wurden Vermentino and Moscato verarbeitet.

Optisch sind wir beim Braunorange, das Näschen wird mit Orangenkonfekt und etwas Marzipan erfreut. Am Gaumen zeigt sich eine ölige Orange sowie diverse Nußkomponenten, eher filigranes Säuregerüst, erdige Basis. Dann ein minutenlanger Nachhall mit sehr weich wirkender Orange.

Sehr schmeichelnder, liköriger Süßwein, der trotz Säuremangel ganz gut flutscht, nachspeiseabhängig durchaus nachkaufwürdig.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Fazit:

Von Süditalien mit seinen Inseln habe ich mich weintechnisch in den letzten Jahren mehr und mehr entfernt, da ich halt doch eher den nicht so sonnengegerbten Gewächsen zugetan bin. Aber vereinzelt gibt’s dann doch immer wieder mal überraschende Ausreißer in Richtung meines Beuteschemas, insbesondere der 6 Euronen-Nerello Mascalese war für mich die Überraschung des Abends, allerdings stand ich mit dieser Einschätzung ziemlich alleine da. Insgesamt jedenfalls eine schöne, entspannte und erkenntnisreiche Runde für mich.

Zu guter Letzt mein Dank an die Gastgeberin für die freundliche Aufnahme, ich komme gerne wieder, falls ich darf…

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