Kein leichter Grüner – Relaunch – Nachtrag

Heute mal ein Weinchen, das ich schon seit 6 Jahren nicht mehr angefaßt habe, ich vermute mal, daß er nunmehr im soliden Erwachsenenstadium angekommen ist. Wobei ich anmerken möchte, daß die meisten hierzulande erhältlichen Vinho Verdes aus den eher unteren Preissegmenten eher nicht für solche Lagerexperimente gemacht sind, aber in diesem Fall sollte es doch eigentlich gehen:

2014er [Alvarinho] – Expressões – Monção e Melgaço – Vinho Verde DOC, Anselmo Mendes, Minho

Farblich sind wir hier bei einem fast schreiend grellem Altgold, fürs Näschen gibt’s einen trocken-klaren Mix aus Physalis und Kaki, gepaart mit etwas Ugli, dazu zuckerfreier Rosmarinhonig, ganz leicht Wachs und helle Schuhcreme. Geschmacklich geht das so weiter, dem gefühlt nicht geringen Extrakt steht eine Säure gegenüber, die den Expressões ziemlich niederviskos macht, steinseitig sind wir am ehesten bei Beton-Kellertreppe der angenehmen Art, auch hier ein paar rieslingeske Reifenoten. Der Abgang ist ziemlich lang und ebenfalls höchst flüssig, dennoch tut sich kein geschmackliches Loch auf, der Extrakt baut auch hier Druck ohne jegliche Adipositas auf.

Ich habe schon mehrfach gelesen, daß Alvarinho aka Albarinho der Riesling der Iberer sei, das kann ich hier ohne Wenn und Aber unterschreiben. Faszinierend vor allem diese Gegensätzlichkeit der eigentlich präsenten Fülle einerseits und diese gnadenlose Leichtigkeit andererseits, das Ganze spielt sich übrigens bei smarten zwölfeinhalb Umdrehungen ab. Ich kann allerdings nicht einschätzen, ob’s hier nun schon bergab oder noch eine gute Zeit lang geradeaus weiter geht, störende Altersflecken gibt’s bisher jedenfalls nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachtrag nach 5 Tagen mit Luft: mal wieder so ein Wein, der mit Luft eher frischer wird, die Einzelaromen sind nach wie vor dieselben, insbesondere Wachs & Co. haben sich jedoch signifikant reduziert, was zu einem leicht frischeren Eindruck führt. Schöne Entwicklung auf gleichbleibendem Niveau.

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 14. Mai 2016:

Viele Leute assoziieren ja mit Vinho Verde einen eher einfach gestrickten Wein, den man vorzugsweise für 1,99 Euronen oder noch weniger beim Discounter einsackt. Das mag für viele Weine aus der Region Minho zutreffen. Aber da es in der gesamten Region nur eine große DOC gibt -eben Vinho Verde- tummeln sich unter dieser Herkunftsbezeichnung auch eine ganze Menge verschiedener Qualitäten. Wir steigen heute mal ein bißchen weiter oben in der Qualitätspyramide ein:

2014er [Alvarinho] – Expressões – Monção e Melgaço – Vinho Verde DOC, Anselmo Mendes, Minho

Dies ist ein reinsortiger Vinho Verde, die Alvarinho-Trauben stammen aus der Subregion Monção und Melgaço. Der Wein wurde 9 Monate in gebrauchten 400-Liter-Fässern ausgebaut.

Ein Goldgelb mit leicht bernsteinfarbigen Reflexen findet man im Glas. Geruchlich erst etwas grüner wirkend, entwickelt sich innerhalb einer halben Stunde aber hin zu Pfirsich, Mirabelle, auch Karambole. Die Holzaromatik hält sich ganz dezent im Form von Nelken im Hintergrund. Am Gaumen gelbe Äpfel, eher reife Pfirsiche, etwas schwarzer Pfeffer, weiters Limette, aus dem Faß Nelke und etwas Nadelholzrinde, das Ganze auf einer Unterlage aus herben Steinen, die sind jedoch keineswegs dominierend. Der Alvarinho bietet eine ausgeprägte Säure, die gut mit dem Extrakt auskommt. Der lange Nachhall ist fruchtig mit deutlicher Holzaromatik, die hier am intensivsten wahrzunehmen ist.

Der Expressões ist eher kernig und vielschichtig denn elegant und feingliedrig. Er ist aber auch kein Macho, wenn überhaupt, dann einer in feiner Garderobe. Hat mir sehr gut gefallen, ich bin gespannt, wie sich das Ganze über die Jahre entwickelt!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: In der Nase wurde die Karambole durch Aprikosen ersetzt, was hier einen kleinen Frischeverlust bedeutet. Dagegen ist die Zitrusseite am Gaumen nun etwas ausgeprägter, Orangenszesten und Grapefruit zeigen sich hier, die Frische eher betonend. Der Nachhall ist jetzt etwas weniger holzbetont. Insgesamt eine schöne und auch etwas ungewöhnliche, weil uneinheitliche Entwicklung.

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