Einfacher Anlaß – einfacher Wein – Relaunch

So mancher S-F-Gutswein hat bei mir / uns schon bewiesen, daß er sehr gut reifen kann, deshalb wollte ich heute mal wieder testen, ob das öfters bis generell der Fall ist. Wobei bei meiner Erstbegegnung mit dem heutigen Probanden auch schon 4 Jahre auf der Uhr standen, ein Lebensalter, das wahrscheinlich > 95 % aller Gutsweine nie erreichen werden und das heutige Alter von gut 7 Jahren schon gar nicht (nur so eine Schätzung ins Blaue von mir…).

2015er Weisser Burgunder – trocken – [Gutswein], Schäfer-Fröhlich, Nahe

Im Glas ein recht helles, leicht schwefeliges Goldgelb, das in keinster Weise auf irgendeine Reife hindeutet. Das Näschen bekommt dann erst mal Reduktivität in Form von vulkanischem Basalt ab, dahinter läßt sich helleres Steinobst vermuten. Am Gaumen dann ebenfalls die Vulkandominanz, die Frucht in Form von sekundären Weinbergspfirsichen und Mirabellen -ergänzt um Pampelmuse und etwas Limette- bekommt hier jedoch deutlich mehr Raum, dazu die sehr klare, auch leicht kantige, aber nicht fordernde Säure, ein bißchen Piment ist hier noch im Spiel. Der ziemlich lange und frisch-kantige Abgang wird dann noch um ein paar etwas rassere Kräuter ergänzt, was sich vor allem im Finale bemerkbar macht, hier dann auch eine Lemon-Pepper-Spur.

Ich stelle mir ja gerne vor, was ich blind zu einem bereits bekannten Wein gemeint hätte, was natürlich unter äußerstem Vorbehalt steht, wenn man sich diese Gedanken aus einer Befangenheitssituation heraus macht. Hier meine ich, ich hätte im Hinblick aufs Alter wahrscheinlich auf 2019 getippt und ganz sicher nicht auf ein Warmjahr. Da ich eher wenige solch spritzige Weißburgunder kenne, hätte ich da vermutlich auch daneben gelegen, kann durchaus sein, daß ich voll in die Riesling-Falle getappt wäre. Verglichen mit der Erstbegegnung vor etwas mehr als 3 Jahren fällt auf, daß jeglicher Süßeeindruck nunmehr Geschichte ist und eigentlich nur pure Frische im Glas übrigbleibt, die jedoch beileibe nicht substanzlos wirkt. In der Gesamtbetrachtung ist das jedenfalls ein sehr spannender und ebenso expressiver wie frischer Weißburgunder im besten Sinne, der wahrscheinlich gerade in Höchstform ist, dem ich aber gut und gerne mindestens 5 weitere Jahre ohne Qualitätsverlust zutraue, großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 9. Juli 2019:

…das war heute das Thema. Wobei: zuu einfach mag ich’s ja dann auch wieder nicht, aber mal sehen, was der Keller da so hergibt:

2015er Weisser Burgunder – trocken – [Gutswein], Schäfer-Fröhlich, Nahe

Im Glas ein helleres Strohgelb, nasenmäßig gibt’s hellgelbe Frucht wie Birne und gelbe Pitahaya in Verbindung mit dezentem Vulkangestein / Tuffstein, ein Hauch Braunwürze schwingt noch mit. Am Gaumen kommen einige gelb-grüne, reduzierte Zitrusaromen mit ganz wenig Pampelmusenbitterchen dazu, die Säure ist vergleichsweise ordentlich und hält trotz recht pfundigem Extrakt und durchaus vorhandener Extraktsüße jeglichen Anflug von Breite auf weiter Distanz; die Steine sind auch hier deutlich, wenn auch weicher anmutend. Beim Abgang schiebt sich die leicht kantig-süßliche Zitrusaromatik nebst sehr angenehmem, leichten Bitterchen deutlich nach vorne und bereitet locker im Minutenbereich Freude.

Insbesondere gemessen an der Tatsache, daß dieser WB aus dem Warmjahr 2015 stammt und als Gutswein nun auch schon gut 4 Jahre auf dem Buckel hat, finde ich es recht bemerkenswert, wie erfrischend-mineralisch sich dieser Wein trotz gewisser Süßereserven präsentiert. Wenn man also mal einen Weißburgunder für einfachere Anlässe braucht, der aber wiederum aufgrund der eigenen, hochgeschraubten Ansprüche selbst nicht zuu einfach sein soll und eine gewisse „Nervigkeit“ nicht stört, ist man hier auf jeden Fall nicht falsch.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

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