Oranges Rätsel

Mittlerweile sind wir ja schon längst wieder im herbstlich-deutschen Arbeitsalltag angekommen, aber es stehen immer noch einige der in Kroatien erworbenen Urlaubsweine zur Verkostung an. Das heutige Opfer haben wir schon vor Ort im Weingut probieren können, somit wußte ich, auf was ich mich bei diesem orangen Amphorenwein, dessen genaue Rebsortenzusammensetzung vom Gut im Geheimen gehalten wird, einlasse:

2019er [Cuvée] – M∀R∀NY – suho – KZP – ZOI Plešivica, Tomac, Plešivica

Der Wein durfte übrigens 4 Wochen in der Amphore gären, danach gab’s noch 12 Monate Reifung im Holzfaß.

Im Glas ein leicht angetrübtes Braunorange, nasal gibt’s erstmal Dicktee, fermentierte Mandarinen, einiges an leicht süßlichem bzw. malzigem Gerbstoff. Geschmacklich drängt sich der höchstwahrscheinlich mit enthaltene Traminer nach vorne, wirkt dabei aber in keinster Weise penetrant, sondern lediglich prägend; die diesbezüglich verräterischen Aromen -insbesondere der Gewürzstrauß und etwas Rosenöl- wirken durch die Maischegärung in der Amphore sehr samtig-elegant, dazu eine deutliche, aber ebenso flaumige Säure, die Gerbstoffe sorgen für einen angenehmen Mikrofaserpelz. Wenn auch Roter Veltliner mit drin wäre (ja, wird da auch angebaut!), würde das geschmacklich gut ins Konzept passen, da der „M∀R∀NY“ schon eine gewisse „Grundfülle“ (incl. etwas süßebefreitem Thymianhonig) aufweist, welche diese Sorte gerne mal mitbringt, sie wird aber durch die Säure und die Teeseite (hier Roiboos) schön in der Viskosität gesenkt, die Unterlage besteht aus Rotlage und gelben Eisensalzen. Der ziemlich lange Abgang hebt die trockene Mostmandarinensüße am meisten heraus, dem steht ein fein-leichtes und herbes Trockenkräuterbitterchen gegenüber, im Finale dann Koriandersaat mit ein bißchen getrockneter Kumquat.

Egal welche Rebsorten da letztlich verwurschtet wurden, dieser Orangewein ist ein Musterbeispiel für einen Wein, bei dem Fülle und Leichtigkeit sowie Komplexität und Unbeschwertheit in wunderbarer Balance stehen und sich dabei nicht gegenseitig negieren; die Aromatik ist typisch orange, auch typisch Traminer-orange, setzt aber doch deutliche eigene Akzente und man muß nicht befürchten, mit z.B. österreichischen Orange-Traminern verwechselt zu werden. Großer Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 23 von 25

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