Doppel-WRINT

Vergangenen Donnerstag haben wir mal wieder ein paar Flaschen geöffnet, die bei WRINT-Flaschen-Podcasts besprochen wurden, und zwar handelte es sich um zwei mal drei Flaschen aus dem Veneto bzw. der Gegend um den Gardasee. Weil wir’s terminlich nicht so hinbekommen haben, uns zu einem der beiden Sendetermine zusammenzufinden, haben wir das Ganze dann einfach eine Woche nach dem zweiten Gardasee-Podcast veranstaltet.

Drama:

Da wir aufgrund kurzfristiger Absagen leider etwas dünn besetzt waren, gab’s weder Pro- noch Epilog, sondern „WRINT pur“:

1. Wein: oJ [Glera] – Extra Dry – Valdobbiadene Prosecco Superiore D.O.C.G., Drusian, Veneto

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Im Glas ein helles Strohgelb, kleine, aber beständige Bläschen, in der Nase grüner Apfel plus Lychee. Am Gaumen dann erst mal die Frucht wie oben mit leichter Fruchtsüße incl. etwas zwar freiem, aber dennoch ganz gut integriertem Zucker, dazu ein leichtes, grünes Bitterchen. Das Ganze wirkt ganz leicht hefig, dazu noch ein Hauch Kalk, mit etwas Luft wird die Apfelseite noch ein bißchen dichter. Der Abgang ist mittellang und dabei leicht süßlich-fruchtig.

Dies ist ein eher einfacher, leicht fruchtsüßer Prosecco, dennoch ganz angenehm zu trinken, jedenfalls nicht die Art von Anstoß-Blubberwasser, bei der ich gleich unauffällig nach einer externen Entsorgungsmöglichkeit suchen muß. Wirklich Spaß macht dieses Prickelwasser aber auch nicht, vor allem nicht für den Preis, den man dafür bezahlen darf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

2. Wein: 2017er [Cuvée] – Custoza DOC, Corte Gardoni, Veneto

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Dieser Custoza ist eine Cuvée aus 40 % Garganega, 20 % Trebbiano Toscano, 20 % Trebbianello, 10 % Cortese und 10% weiteren Rebsorten, u.a. Chardonnay.

Die Farbe ist ein helleres Honiggelb, das Bukett bietet im wesentlichen Blumentopf und etwas Kaktusfeige in breiterer Form. Am Gaumen erst mal ein Plastikbitterchen und was modriges, dann wieder die recht kleine Kaktusfeige, die Säure ist nur spärlich vorhanden, was zu einer etwas substanzlosen Cremigkeit führt. Der Abgang ist von mittlerer Länge und wieder modrig-fruchtig.

Das war jetzt „nicht so doll“ bis „gruselig“, auch in dieser DOC gibt’s für weniger Geld erheblich ansprechendere Sachen.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 12 von 25

3. Wein: 2017er [Trebbiano di Lugana] – Lugana DOC, Olivini, Veneto

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Die Farbe ist ein helles Strohgelb mit leicht grünlichem Touch, in der Nase Kaktusfeige, reife Sternfrucht und nicht ganz reife Khaki sowie ein paar seifige Steinchen. Am Gaumen wiederholt sich das Ganze, wirkt hier aber etwas grüner; trotz recht gut bemessener Säure zeigt sich eine leichte Breite, die Grundlage wird durch etwas nasse Terrasse und Speckstein gebildet. Der mittellange Abgang zeigt wieder Speckstein plus recht undifferenzierte Frucht.

Das ist jetzt eher „annehmbare Basisqualität“, ein herausragender Lugana ist es in keinem Fall, dazu ist schon die Säurestruktur viel zu langweilig.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

4. Wein: 2015er [Garganega] – Castelcerino – Colli Scaligeri – „drio casa“ – Soave DOC, Filippi, Veneto

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Hier ein deutliches Orangegelb im Glas, das Bukett bietet Miesmuscheln mit Honig, leicht anfermentierte Maracuja sowie Jasmintee. Geschmacklich wieder fermentierte Frucht wie Äpfel, Quitten und Maracuja, weiters Roiboos-Tee, Hopfen und Tuffstein gepaart mit einer recht fluffigen Säure. Der Nachhall hallt ziemlich lang, bietet wieder die angemosteten Früchte nebst ordentlich Gerbstoffen, hier leicht cremig, dennoch sehr animierend.

Das ist nun der freakigste Soave, den ich jemals im Glas hatte. Hat mir persönlich sehr gut gefallen, ich stehe ja auf solch schräges Zeug. Wird übrigens mit einem Tag Luft fruchtseitig noch etwas dichter und insgesamt runder.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

5. Wein: 2017er [Cuvée] – Chiar’otto – Vino Rosato – ADXVII, Villa Calicantus, Veneto

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Dieser Rosato ist eine Cuvée aus Corvina, Rondinella, Molinara und Sangiovese.

Die Farbe ist ein helles, trübes Karminrot mit orangem Touch, in der Nase fermentierte Blutorange, Grenadine und moosige Terrasse, leicht schwefelig. Wirkt am Gaumen anfangs etwas substanzarm mit deutlichem Bakelit-Bitterchen, mit etwas Luft erstarken einige mostige Johannisbeeren. Die schön ausgeprägte, aber auch leicht wirkende Säure sorgt für Frische, dazu gibt’s noch eine leichte Schärfe von rosa Beeren. Der Abgang ist mittellang mit leichtem Blutorangen-Bitterchen sowie Rauch, auch hier wieder die leicht anmutende Säure.

Noch ein „Freakwein“, der von der Struktur her aber auch ein bißchen unaufgeräumt wirkt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die Luft hat den Wein über Nacht deutlich aufgeräumt, wirkt nun weniger leicht ohne dabei an Frische einzubüßen; die Fruchtseite profitiert von einer Art „Pink Grapefruit-Likör“, der Abgang hat signifikant an Länge gewonnen; macht so deutlich mehr Freude…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

6. Wein: 2015er [Cuvée] – Campo Casal Vegri – Valpolicella Classico Superiore DOC, Ca‘ la Bionda, Veneto

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Dieser Valpolicella besteht aus 70 % Corvina, 20 % Rondinella und die restlichen 10% aus Corvinone sowie Molinara.

Die Farbe ist ein mittleres Rubinrot mit ebenso mittlerer Transparenz, für’s Näschen gibt’s dicht Pflaumen und frische Feigen sowie eine deutliche Braunwürze, etwas Zuckerkulör, heller Tabak, auch Marzipan, Beifuß und Staub. Am Gaumen nicht wenige, aber recht geschmeidige Tannine, ganz leichte Adstringenz, wieder etwas Staub. Schöne Säure, wirkt trotz des Gehalts eher leicht. Der Abgang hat eine schöne Länge, ist dabei frisch-fruchtig mit belebender Säure.

Hier macht vor allem das Bukett Spaß, am Gaumen nimmt die Komplexität dann leider deutlich ab, bleibt aber fluffig-trinkig, gute Balance zwischen Leichtigkeit und Substanz, jedoch stellt sich kein Nachkaufreflex ein.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Fazit:

Die Runde selbst war sehr schön und entspannt, die Weine waren eher „durchwachsen“ und nicht in jedem Fall geeignet, das Ansehen der Region zu heben. Insbesondere beim Custoza und Lugana, aber auch beim Prosecco gibt es aus meiner Sicht ganz erheblich schönere Vertreter dieser DOC’s, auch im gleichen Preissegment. Andererseits gab’s eben auch zwei nicht ganz so alltägliche Sachen aus der Region, die zumindest mir sehr gut gefallen haben.

Da ich das Ganze diesmal selbst ausgerichtet habe, gilt diesmal der abschließende Dank meinen Gästen, ohne die so eine Verkostung eher langweilig gewesen wäre.

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