Auch mein Name ist Hase – Relaunch – Nachtrag

Die Südtiroler aus 2014 gehen langsam zur Neige, ich hab diesen Jahrgang ja ab einem gewissen Zeitpunkt etwas mit Vorrang seiner finalen Bestimmung zugeführt, da eine allgemeine Einschätzung lautete, daß dessen Weine nicht unbedingt das längste Leben haben werden. Zum Glück hat sich die Mehrheit meiner 14er-Probanden immer noch recht schön präsentiert, das Gleiche erhoffe ich mir nun auch von dieser Flasche:

2014er Pinot bianco – Lepus – Alto Adige DOC, Franz Haas, Südtirol

Farblich ein leuchtendes Goldgelb, fürs Näschen gibt’s Kaktusfeige, etwas Netzmelone, leicht Mirabelle, insgesamt noch eher jugendlich, aber nicht sehr primär wirkend. Am Gaumen dann auch eher feine Frucht weit vor der Reife, an sich gut aufgestellte Säure, die aber doch einen leichten Schleier mit sich herumträgt, die Basis ist auf einer feinen Kalkspur der eher gipsigen Art unterwegs. Schön langer Abgang mit hier etwas grüner wirkender Frucht, sogar etwas Limette ist mit im Spiel.

Irgendwie wirkt der „Lepus“ nun fast jünger als vor nunmehr gut fünfeinhalb Jahren; er steht ohne Fehl und Tadel da, läßt sich mit Freude trinken, aber ein Nachkaufreflex kommt bei mir nicht (mehr) auf, da ich trotz aller Qualität und an sich schöner Struktur keine wirklichen Besonderheiten feststellen kann, der Hase singt einfach nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: im Wesentlichen gibt es zu vermelden, daß sich die Frucht deutlich verstärkt hat, weiters kommt ein strammes Pampelmusenbitterchen auf. Gesang kommt aber immer noch nicht an, deshalb auch keine Wertungsänderung.

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 11. Dezember 2016:

Wieder zurück aus Bamberg gab’s heute zum Abendessen mal wieder was aus Südtirol, nämlich den

2014er Pinot bianco – Lepus – Alto Adige DOC, Franz Haas, Südtirol

Einen Lagen-Hasen gab’s hier ja schon. Mir war als Nicht-Lateiner auch nicht gleich klar, daß Lepus = Hase ist, womit sich die Ableitung für die Benennung dieses Weins wohl selbst erklären dürfte. Mit dem 2013er Jahrgang gab es laut Heimseite des Weinguts einen deutlichen Zuwachs an Pinot bianco aus Höhenlagen, was dem „Lepus“ zu mehr Komplexität und Langlebigkeit verhelfen soll.

Im Glas zeigt sich ein dunkleres Strohgelb mit leichter Tendenz ins Braunorange. Das Bukett zeigt mürbe Äpfel, etwas Quitte, dazu Hefe bzw. Rinde von einem Bauernbrot, wirkt hier schon ein bißchen cremig. Am Gaumen kommt ganz leicht Pfirsich dazu, etwas weißer Pfeffer, der WB hat dabei eine cremig-frische Struktur, ganz hinten ploppt eine kleine Limette auf. Der Abgang offenbart dann noch einige feucht-herbe Steine, ist eigentlich der salzigste Teil jedes Schlucks.

Für mich ein Pinot bianco bzw. Weißburgunder, der ein bißchen zwischen den Welten steht. Einerseits deutlich auf der cremig-eleganten Seite angesiedelt, fehlt es ihm doch nicht an erfrischender Säure und einem anregenden Salzbett. „Einfach und vielschichtig“ paßt in der Kombination ebenfalls für diesen Wein mit Wiedererkennungspotential. Super gemacht!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 7 Tagen mit Luft: Der WB hatte nun gut eine Woche Ruhe vor mir. In der Zeit hat sich das Bukett ein bißchen hin zu einem Sauvignon blanc entwickelt, das heißt, es finden sich zusätzlich ein paar dezente grünfruchtige Noten, ergänzt durch etwas Estragon und Limettenschale. Die Aromen des ersten Tages sind alle noch erkennbar, jedoch nicht mehr so intensiv. Insgesamt gewinnt die Nase deutlich an Frische und Komplexität. Am Gaumen ebenfalls eine gewisse Wandlung vom Gelben zum Grünen hin, das Cremige geht leicht zurück, was die Säure gleich schamlos elegant ausnutzt. Der Abgang zeigt neben einer schönen steinig-fruchtigen Seite auch noch ein bißchen was Malzig-Lakritziges. Sehr schöne Entwicklung nach vorne!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

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