1. Weinrunde in München

Letzten Donnerstag war Premiere einer kleinen Weinrunde in München, die über das Internet zusammengefunden hat. Hier schon mal vielen Dank an den Organisator Manuel sowie an die Betreiber des Weinhandels 225 Liter – Handverlesene Weine, die die Lokalität zur Verfügung gestellt haben. Und natürlich auch an alle anderen Teilnehmer, die mit ihrer unkomplizierten Art zum Gelingen des Abends beigetragen haben. Keine Besserwisserei, keine Dogmatiker (hoffentlich denkt das keiner über mich…), ein schöner Austausch von Gedanken rund das Thema Wein an sich und die mitgebrachten Schätzchen.

Wir waren insgesamt 7 Personen, von denen jeder eine beliebige Flasche Rotwein im Preissegment von 8…15 EUR mitbringen sollte, die sie bzw. er gerne probieren wollte. Ein Teil der Weine war den Mitbringern selbst nicht bekannt, meinen kannte ich auch noch nicht. Alle Weine wurden blind verkostet und auch erst ganz am Ende der Verkostungsreihe ausgepackt. Wir haben dann jeweils probiert, unsere Eindrücke geschildert und eine Einschätzung abgegeben, um was es sich jeweils handeln könnte. Um es vorweg zu nehmen: die Weine waren durchweg sehr eigenständig bzw. untypisch oder einfach aus eher unbekannten Regionen, so daß die Trefferquote recht gering war. Macht aber nix, das machte es nur noch interessanter.

1. Wein: 2009er Malbec – Cahors, Chateau de Chambert, Sud-Ouest

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Mittel transparentes Rot, etwas viskos im Glas. In der Nase anfangs eher verhaltene Aromatik nach Kirschen, keine relevanten Holztöne. Am Gaumen dann recht pelzig wirkende Tannine, leichte Säure, etwas Grapefruit mit der entsprechenden Bitterkeit. Nach etwa 1 ½ Stunden dann etwas eleganter, insgesamt aber immer noch auf der eher rauhen Seite angesiedelt. Vielleicht hätte er sich noch ein bißchen entwickelt, aber ich denke nicht, daß er mir dann noch wesentlich entgegen gekommen wäre. Kein schlechter Wein, aber ist einfach nicht so meine Richtung…

Meine Wertung: 0

2. Wein: 2010er 40 XL – Dornfelder, Günther Steinmetz, Mosel

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Da keiner einen brauchbaren Dornfelder kannte, hat ihn auch keiner erkannt. Schon die leicht transparente Farbe weist nicht unbedingt auf einen Dornfelder hin, der ja normalerweise viel dunkler ist. Vielleicht machen die 40 Monate im Barrique das aus? Erstaunlicherweise ist die Holznote zwar da, aber trotz der langen Ausbauzeit nicht dominant. Langsam kommt dann eine klare Kirsch- und Brombeeraromatik auf, die sich auch am Gaumen wiederfindet. Auch die Tannine nicht überbordend, über die Zeit werden sie noch etwas samtiger. Ein anfänglicher leicht metallischer Geschmack verfliegt ebenfalls mit etwas Luft. Weiterhin eine leichte Bitternote nach Bergamotte, durchaus angenehm.

Ein erstaunlicher Wein, der wohl ziemlich alleine auf weiter Flur sein dürfte. Zumindest als Dornfelder. Gut gemacht, macht vor allem nach einiger Zeit mit Luft Spaß, vor allem, wenn man weiß, mit was man es da zu tun hat. Dennoch hat der Wein jetzt keinen Nachkaufreflex in mir ausgelöst, auch wenn er durchaus Freude gemacht hat. Aber wenn man nur den Geschmack sieht, dann ist es zwar ein recht guter Wein, aber letztlich doch nicht so außergewöhnlich, für 17 Euronen habe ich da schon deutlich betörendere Weine im Glas gehabt.

Meine Wertung: 1

3. Wein: 2013er Chinon AOC – Cabernet Franc, Domaine du Roncée, Vallée de Loire

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Im Glas recht helles, transparentes Rot mit leichten Violettschimmern. In der Nase Kirsche und etwas feuchter Keller. Am Gaumen auch Johannisbeere, eine leichte Bitterkeit, wirkt auf mich etwas unaufgeräumt und gehaltlos. Mit etwas Luft gewinnt der Chinon zwar ein bißchen, aber gute Freunde sind wir dennoch nicht geworden.

Meine Wertung: 0

4. Wein: 2011er Porcheria – Cuvée – Veneto Rosso IGT, Zio Porco Wines, Veneto

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Der Porcheria von „Winepunk“ Marco Zanetti ist eine Cuvée hauptsächlich aus Marzemino, weiterhin noch Groppello, Teroldego und Pinot Nero. Das Ganze reift für 18 Monate sowohl im Holz als auch im Stahl, ich weiß aber nicht, was wo reift und wann was assembliert wird.

Der Porcheria (Schweinerei) kommt mit einem recht dunklen Rot ins Glas. Gleich eine schöne Fruchtaromatik nach Brombeere und dunkler Kirsche in der Nase. Aber auch Tabak, etwas Leder und ein bißchen Schokolade. Am Gaumen sind die Tannine von Anfang an schon sehr gefällig. Sehr schöne ausgeprägte Säure, die den Wein recht frisch macht. Mit der Säure kommt ein leichtes Aroma nach Blutorange. Die 13,5 PS passen gut zum Gesamteindruck. Ich war bei diesem Wein auf der Blaufränkisch-Spur, deswegen war es für mich auch einer der besten Weine des Abends.

Meine Wertung: 2

5. Wein: 2009er Shiraz, Neethlingshof Estate, Stellenbosch

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Der Shiraz zeigt sich im Glas sehr dunkel mit ersten leichten Brauntönen. Erster Eindruck in der Nase war bei mir Paprika, was schon auf einen gewissen Reifegrad der Trauben hinweist. Ebenso erdige Noten, Zunder, Feuerstein und Rauch. Am Gaumen auch Lakritz, Vanille, Tabak, ein paar kräuterige Noten, wenig Frucht, mittlere Säure. Sehr dichtes Aroma, das von den 14,5 Umdrehungen recht eindrucksvoll getragen wird.

Muß man aber mögen. Aufgrund der dominierenden Sekundäraromatik ist das nicht unbedingt was für jeden. Für mich war erstaunlich, daß der Wein nach ca. 6 Jahren jetzt schon „so weit“ ist, also recht deutliche Alterungsnoten zeigt. War sehr interessant, animiert mich jetzt aber nicht unbedingt zum nachkaufen.

Meine Wertung: 1

6. Wein: 2011er Saperavi – Qvevri, Shavi Jikhvi, Kachetien

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Der Saperavi Qvevri ist ein Wein, der für 6 Monate in einer Amphore (Qvevri) mit Schalen und Rappen vergoren wurde und dann noch 3 Monate lang ein Eichenfaß gesehen hat. Saperavi ist eine autochtone Rebsorte aus Kachetien, die jedoch in weiten Teilen der ehemaligen UdSSR verbreitet wurde. Sogar in die USA und nach Kanada hat sie ihren Weg gefunden.

Der Wein ist im Glas tief dunkel, in der Nase ein überbordendes Aroma von dunklen Früchten wie Brombeere, Heidelbeere, reife schwarze Kirschen, die allerdings anfangs ein bißchen gekocht wirken. Am Gaumen kommt noch Zwetschge hinzu, auch Leder und Tabak. Die Tannine sind recht kräftig, aber gar nicht kratzig oder pelzig. Der Wein hat nur 13 PS, wirkt aber deutlich gehaltvoller, was wohl der langen Maischestandzeit in der Amphore zuzuschreiben ist. Mit etwas Luft im Glas (bzw. in der Flasche) geht der marmeladige Eindruck aber signifikant zurück, das zweite Glas hat mir schon deutlich besser gefallen. Von anderen Weinen mit sehr langen Maischestandzeiten (egal ob mit oder ohne Amphore) weiß ich, daß diese über mehrere Tage eine teils erstaunliche Geschmacksreise hinlegen. Das könnte hier genauso sein. Deshalb werde ich mir wohl ein paar Fläschchen davon zulegen…

Der Wein war mit einem Preis von 17,50 EUR zwar etwas außerhalb der vorgegebenen Preisspanne, aber ich bin froh, daß der Wein dennoch den Weg in die Runde gefunden hat.

Meine Wertung: 2

7. Wein: 2013er Torre d’Orti Rosso – Cuvée – Rosso Provincia Verona IGT, Cavalchina, Veneto

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Diesen Wein habe ich mitgebracht. Die Auswahl war bei mir relativ einfach, da ich in der Preisspanne von 8…15 Euronen aktuell einfach nur diesen einen Rotwein hatte.

Der Kauf von etwas Südtiroler Käse in einem Südtiroler Laden in München artete neulich in Form einer Verkostung von einer größeren Zahl von Weinen der Eisacktaler Kellerei aus, die ganz nette und teilweise für die Gegend auch eher untypische Weine zu bieten hat und von denen ich einige Flaschen mitgenommen habe. Als Dreingabe habe ich dann noch den Torre d’Orti geschenkt bekommen, stammt zwar nicht ganz aus Südtirol, aber egal. Der Wein fällt durch sein nicht alltägliches Etikett auf, was wohl auch gewollt ist. Es ist eine Cuvée hauptsächlich aus Corvina und Rondinella sowie zu 15 % aus weiteren Rebsorten. Der vergorene Wein wird dann nach dem Ripasso-Verfahren über die Trester von angetrockneten Merlottrauben geleitet. Danach wurde der Wein teils in gebrauchten Barriques, teils in großen Holzfässern ausgebaut.

Ziemlich dunkles Rot im Glas, in der Nase eher an einen Vino Liquoroso anmutende Aromatik nach Schokolade, Kompott, Nelken und Sternanis. Am Gaumen noch Feigen, Datteln und etwas Karamellbonbon. Das Ganze kommt mit seinen 14 PS recht opulent um die Ecke, erreicht aber lange nicht die Eleganz und Finesse bei gleichzeitiger Intensität eines guten Amarone, auch wenn der Wein ein bißchen in diese Richtung schielt.

Einerseits durchaus interessant im Geschmack, aber es ist ein Wein, von dem zumindest ich nicht viel trinken kann. Allenfalls ein ganz kleines Glas zum Abschluß eines Essens. Deshalb verbuche ich es jetzt mal unter „interessante Erfahrung“, aber nachkaufen werde ich den Wein eher nicht.

Meine Wertung: 1

Ich freue mich schon auf das nächste Treffen…

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3 comments on “1. Weinrunde in München

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