Würzburger Weinorgie

Am letzten Samstag war ich in und um Würzburg weintechnisch unterwegs. Die Betreiber des Weinblogs Wernervino haben ein Treffen in Würzburg organisiert, bei dem einige Follower des Blogs mal die Gelegenheit nutzen konnten, sich auch privat mal etwas näher kennenzulernen.

Den Vormittag habe ich damit verbracht, die Weingüter Weltner in Rödelsee und Schmitt’s Kinder in Randersacker zu besuchen. Da habe ich dann schon mal die ersten ca. 20 Weine probiert und auch welche mitgenommen. Die werden in lockerer Folge in der nächsten Zeit mal drankommen.

Am Nachmittag haben wir uns dann beim Bürgerspital getroffen und 3 Erste Lagen aus diesem Haus verkostet. Abends waren wir dann zum Essen in dem recht netten Lokal Sophienbäck, in dem auch gegen ein angemessenes Korkgeld die Möglichkeit bestand, die selbst mitgebrachten Weine zu verkosten. Dem Wirt hat das dann auch Spaß gemacht, nachdem er von den netten Sachen auch was abbekommen hat…

Ich habe an dem Abend nichts mitgeschrieben, das war so ein bißchen der entspannten Atmosphäre geschuldet, deshalb ist die nachfolgende Beschreibung meiner Eindrücke zu den Weinen diesmal etwas „globaler“ als sonst. Bitte um Kommentierung bei gefühlten groben Abweichungen!

2012er Grüner Veltliner – Qw, LandArt, Franken

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Dieser Wein wurde verdeckt mitgebracht, wir durften also raten, was es ist. In der Nase ein recht mineralischer Duft mit vor allem anfangs deutlich reduktiver Note und einem Touch Streichholzschachtel. Erinnerte mich hier etwas an den „Faß 43“ von Pichler-Krutzler, der ja nicht gerade ein typischer GV ist, aber immerhin. Am Gaumen war mir der Geschmack aber dann doch wieder zu weit weg von einem GV, vor allem wegen der eher niedrigen Säure. War dann aber doch einer, allerdings eben aus Franken. Im Laufe der Zeit kam die fruchtige Seite dann mehr zum Vorschein und die Sekundäraromen traten etwas zurück, aber ein typischer GV wurde der Wein nicht. Stört mich aber nicht weiter. Sehr schön!

Meine Wertung: 2

2012er St. Laurent – Herrenbuckel – Qw, Dollt, Pfalz

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Der St. Laurent wurde ebenfalls verdeckt verkostet. Die Tipps gingen schon von der Farbe her in die Spätburgunderrichtung. War aber ein St. Laurent, der in Deutschland ja auch nicht gerade übermäßig verbreitet ist.

Im Glas eben das eher helle, transparente Rot, in der Nase schöne Kirsch- und Brombeernoten, dezente Holzaromatik, die auf große und / oder gebrauchte Fässer hinweist, schöne Säurestruktur, die Gerbstoffe sind sehr zurückhaltend. Schönes unkompliziertes Weinchen, allerdings dennoch kein Nachkaufkandidat von meiner Seite.

Meine Wertung: 1

2010er Cabernet Franc – Saumur AC, Domaine Guiberteau, Vallée de Loire

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Dieser Saumur Rouge (es gibt wohl auch alle andere Farben) ist ein reinsortiger Cabernet Franc von alten Reben

Die Farbe ist schon deutlich dunkler, in der Nase dann gleich ziemlich kraftvoll, ohne aber zu fett zu wirken. Die Tannine brauchen ein bißchen Zeit, bis sie den Gaumen nicht mehr belegen, aber dann stellt sich eine schöne Kombination aus Kraft und Eleganz ein. Die nicht übertriebenen Holznoten deuten für mich auf eher dezenten Holzeinsatz hin. Reifenoten habe ich bei dem Wein überhaupt nicht erkannt, das heißt, da geht wohl noch was.

Schöner Wein, wenn man was eher kraftvolles haben möchte, was einen aber nicht erschlägt oder müde macht. Und preislich auch noch erschwinglich.

Meine Wertung: 2

2011er Spätburgunder – Liebling – Rosé – trocken – Qw, Ankermühle, Rheingau

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Der Liebling ist ein reinsortiger Rosé aus Spätburgunder. Der Großteil des Weins wurde im Stahl ausgebaut, ein kleiner Teil hat Barriques gesehen. Die Ankermühle arbeitet ja gerne mit Holz, auch bei Weinen, die man da üblicherweise nicht rein füllt. Deshalb war ich gespannt, was mich hier erwartet.

Von der Farbe her ein schon eher kräftiges Erdbeerrot. In der Nase dann eben genau diese Erdbeeren, glücklicherweise nicht auf der künstlichen Seite, aber auch ein bißchen Josta- und Johannisbeere. Das Holz zeigt sich ganz dezent mit ein bißchen Karamellbonbon. Am Gaumen eine ähnliche Fruchtaromatik, schöne Balance zwischen Säure und Extrakt.

Unkompliziert, aber auch nicht ganz alltäglich für einen Rosé. Vielleicht hätte ich mir von einem Ankermühle-Wein etwas mehr Revolte im Glas erwartet, in der Folge ist dieser Rosé jetzt doch keiner der Kandidaten, die ich mir nachkaufen werde, da mir der „Wow-Faktor“ dann doch ein bißchen fehlte.

Meine Wertung: 1

2012er Pinot Blanc – trocken – Landwein, Balthasar Ress, Rheingau

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Der Pinot Blanc von Ress ist einer der vielen Orange-Wein-Versuche, die es mittlerweile hierzulande gibt. Ich habe mal gelesen, daß Betriebsleiter Dirk Würtz gesagt haben soll, bei diesem an die Grenzen gehenden Wein wäre die Rebsorte gar nicht mehr so bestimmend für den Geschmack, sondern es ist mehr die Art des Ausbaus, die darüber entscheidet, was letztendlich rauskommt. Soweit ich weiß, erfolgte die Weinwerdung im Wesentlichen in den Schritten – Maischestandzeit unter Luftabschluß – Maischegärung – Ausbau in neuen, großen Fässern.

Die Farbe ist recht kräftig mit deutlichen orange-braunen Tönen. In der Nase erst mal ein kerniger Sherry-Eindruck. Aber nicht wie ein überlagerter Rotwein das gerne mal hat, sondern schön gepaart mit Rauch, Nelken, Vanille, auch Kaffee. Frucht bietet der Wein eher gar nicht, dennoch ein paar grüne Noten im Hintergrund. Am Gaumen letztlich ähnlich wie in der Nase. Sehr trocken, wenig Säure, 14,5 PS unter der Haube, dennoch recht geschmeidig am Gaumen, fast ein bißchen Petrol beim Abgang.

Das dürfte wohl der extremste Orange-Wein gewesen sein, den ich bis jetzt im Glas hatte. Da muß auch ich sagen, daß ich das sehr bewußt genießen muß und sicher nicht immer brauchen kann. Deshalb schwankte ich ein bißchen mit meiner Wertung. Aber andererseits: solche Extreme reizen mich auch. Daher

Meine Wertung: 2

2012er Chardonnay – Les Margotés – Rully 1er Cru, Dureuil-Janthial, Bourgogne

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Dieser Chardonnay stammt von recht alten Reben (ca. 70 Jahre) und wurde zu einem Viertel in neuen Fässern ausgebaut.

Im Glas kommt er mit einer kräftigen Farbe daher, die Nase ebenfalls gleich recht opulent, die Holzaromatik deutlich, aber nicht übertrieben. Am Gaumen ebenfalls ein schöner Chardonnay-Eindruck, das Holz auch hier noch eher begleitend, wenn auch deutlich spürbar. Schmelzige Bananen- und Backapfelaromatik, leichte Mineralität, ausgleichende, wenn auch eher geringe Säure.

Das ist ein Chardonnay, der für mich noch auf der „guten“ Seite steht. Für meinen Geschmack hätte der Holzeinsatz noch etwas geringer sein können, aber über Geschmack soll man ja bekanntlich nicht streiten. Dennoch ein sehr guter Wein, den ich nicht von der Bettkante schubse, aber bewußt kaufen würde ich ihn mir nicht unbedingt.

Meine Wertung: 1

2008er Spätburgunder – Randeracker Sonnenstuhl – trocken – Große Lage – GG, Schmitt’s Kinder, Franken

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In der Nase ist der GG trotz seines Alters immer noch sehr fruchtig-frisch und bietet eher dunkle Kirschen, Brombeeren und Heidelbeeren an. Am Gaumen eine ähnliche, recht komplexe Fruchtaromatik, schöne Mineralität, einige grünkräuterige Noten dabei, ein bißchen Blumentopf. Die Tannine samtig, die Holzaromen drängen sich in keinster Weise auf. Alles ist in schöner Balance und obwohl das hier mit 14 Umdrehungen absolut kein Leichtgewicht ist, flutscht der GG runter wie Öl. Gefährlich!

Sehr schon gereift, aber eben nicht „reif“, ganz großes Kino!

Meine Wertung: 3

2009er Riesling – Escherndorfer Lump – trocken – Große Lage – GG, Horst Sauer, Franken

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Manche Wissenden bezeichnen den Escherndofer Lump auch schon mal als die beste fränkische Lage überhaupt. Nun, zumindest waren alle Weine, die von dieser Lage stammten und den Weg in mein Glas gefunden haben, nun tatsächlich auch immer sehr hochklassig.

Die Farbe ist ein sehr intensives Gelb. In der Nase eine wahre Fruchtexplosion, die gar nicht mehr aufhört. Viel Exotik, an Maracuja, Mango, Karambole und Papaya erinnere ich mich, aber auch Pfirsich. Man kann auch die mineralische Seite schon in der Nase erahnen. Am Gaumen auch schöne Zitrusaromen nach Mandarine und Orangenzesten. Insgesamt eine extrem intensive Fruchtigkeit, ohne einen dabei zu erschlagen. Der Extrakt und die Säure spielen sehr schön zusammen. Extrem langer und fruchtig-mineralischer Abgang.

Der Riesling GG war für mich der beeindruckendste Wein des Abends, selten habe ich einen solch ausdrucksstarken und vielschichtigen Riesling im Glas gehabt. Nix, was am Gaumen aufgrund des Gehalts das Kratzen anfängt, wie mir das mit so manchem Dickwein schon passiert ist. Sehr sehr nahe am perfekten Wein!

Meine Wertung: 3

Bleibt mir noch, allen Beteiligten herzlichen Dank für das schöne Treffen zu sagen. Gerne mal wieder!

13 comments on “Würzburger Weinorgie

  1. Hallo Erich,
    vielen Dank für die schöne und passende Zusammenfassung der Weine.
    Hat mich/uns sehr gefreut Dich (und alle anderen auch) persönlich getroffen zu haben – war ein sehr schöner Tag und Abend.
    Die Weine habe ich meist ähnlich, manchmal auch etwas anders gesehen. Notizen hab ich auch keine gemacht aber aus der noch frischen Erinnerung sah ich es in etwa so:
    Der 09er Lump GG von Horst Sauer war ein absolut toller Riesling und bietet für seinen Preis (okay ist auch nicht billig) genauso viel wie die GG’s von Keller und Wittmann (und die sind deutlich teurer). Für mich stand die Mineralität und die „schöne“Säure hier weit vor den „Früchten“. Hat mich irgendwie an einen Gebirgsbach erinnert.
    Der 12er Pinot Blanc von Ress war für mich der spannendste Wein des Abends und (für meinen Geschmack) für einen Orange Wein sehr „zugänglich“. Nachdem der anfängliche Sherry-Ton verfolgen war, blieb ein sehr schönes, vielfältiges und sich ständig änderndes Erlebnis für Nase und Gaumen. Aber eben nix was einen abstösst oder stört – für mich einer der konsensfähigsten Weine seiner Kategorie (das meine ich positiv).
    Alle anderen Weine waren auch durchaus schön, einen totalen Ausreißer nach unten gab es eigentlich nicht.
    Allerdings waren auch alle Weine so verschieden, dass direkte Vergleiche nicht möglich sind oder richtig wären.
    Wenn’s ein nächstes mal gibt, wäre vielleicht auch der Fokus auf eine oder zwei Rebsorten ganz spanend :).
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      das ist eigentlich ganz normal, daß insbesondere die Gewichtungen bei der Aromatik oft mal unterschiedlich ausfallen. Das Salz-Säure-Spiel des Sauer-GG war unbestritten sehr schön, mich hat aber eben auch diese schiere Vielschichtigkeit auf der Fruchtseite begeistert, auch als er schon etwas länger offen war.
      Beim Orange war ich generell auch sehr angetan. Ich mache ja nur keine vergleichende Qualitätswertung, weil die wie alles andere auch ja ziemlich subjektiv ist, sondern habe da mehr im Fokus, ob ich mir vorstellen kann, den Wein ein- oder gar mehrfach nachzukaufen…
      Aber generell bin ich d’accord mit dir!
      Schöne Grüße auch an deine Frau!
      Erich

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  2. Danke schön – Grüße zurück 🙂
    Hab mich nicht ganz optimal ausgedrückt – sehe in Deinen Beschreibungen gar keinen direkten Vergleich der Weine, sind „nur“ schöne (natürlich subjektive) Einzelbeschreibungen, die alle auch den Weinen gerecht werden.
    Wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ein Abend mit „vergleichbaren“ Weinen auch mal spannend wäre.

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    • Ja, so ein länderübergreifender Chardonnay- oder Spätburgundervergleich wäre zum Beispiel was Nettes. Was Gscheit’s halt. Am liebsten blind. Da kommen immer die lustigsten Ergebnisse raus. Vor allem, wenn man in der Runde nicht alles „bierernst“ nimmt und auch keine Hemmungen hat, sich mit mit seiner Analyse gnadenlos daneben zu legen…

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  3. Hallo Erich, hallo Patrik,

    auch uns. meiner Frau und mir, hat das Treffen viel Spass gemacht, auch wenn wir nur am Abend im Sophienbäck mit dabei waren. Ich sehe das ähnlich wie Ihr beide: meine Favoriten waren das 2009er Lump Riesling GG von Horst Sauer (überraschend jugendlich und nicht so überladen wie manche GG) und der „Orange“-Pinot Blanc von Ress (sehr sauber, ein zivilisierter Orange-Wein). Eine Themen-Blindprobe ist immer etwas sehr interessantes. In Würzburg machen wir -auch ausserhalb der VHS-Proben- öfters solche Geschichten im kleineren Kreise, d.h. mit 8 – max.12 Personen (eine Pinot Noir-Probe ist für dieses Jahr noch geplant). Bei grundsätzlichem Interesse könnt Ihr Euch gerne bei mir melden.
    Vielleicht sieht man sich auch beim -hoffentlich- nächsten Wernervino-Treffen.

    LG
    Bodo

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    • Also im „gnadenlos daneben liegen“ bin ich ziemlich gut 😉 und eine solche Themen-Blindprobe würde mich auf jeden Fall interessieren. Wie läuft es ab – bringt jeder einen (zwei) Wein(e) mit oder werden alle Weine gegen einen Unkostenbeitrag von Dir gestellt Bodo?

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  4. Hallo Erich,
    einen richtig schönen Beitrag hast du da verfasst. Ich kann mich da wirklich größtenteils anschließen. Den Rouly fand ich aber trotzdem auch richtig gut. Er hat ziemlich meinen Geschmack getroffen.
    Wobei wir beim nächsten wären. Ein neues Treffen wäre sicher eine nette Sache. Frank hat sich ja auch schon angeboten was in der hinsicht zu organisieren.
    Chardonnay und Pinot würde uns alle denke ich auch sehr gut ansprechen.

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    • Hallo Hardy,
      ich persönlich finde ja auch immer die kleinen oder auch größeren Abweichungen in den persönlichen Erfahrungen bei den verschiedenen Fläschchen sehr spannend. Gerade beim Chardonnay führt der unterschiedliche Holzeinsatz ja auch gerne mal zur Lagerbildung. Das wäre aus meiner Sicht von daher wahrscheinlich sogar das kontroversere Thema…
      Würde mich freuen, die Runde -auch in erweiterter Form- wieder zusammen zu bekommen.
      VG Erich

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      • Hallo Erich & Hardy,
        ein neues Treffen verbunden mit einer Verkostung von Weinen aus zwei Rebsorten fände ich super 🙂 .
        Chardonnay und Pinot Noir wären sicher geeignete Kandidaten (von beiden hab ich auch ein paar Flaschen im Keller 😉 ).
        Zum Rully aus unserem ersten Treffen möchte ich gerne noch ein paar Worte verlieren.
        Den Wein hatte ich ausgewählt, weil er für mich persönlich alles bietet was einen weißen Burgunder ausmacht: Geröstete Haselnüsse, weiße Blüten, etwas Butter, gelbe Früchte, ein wenig Salzigkeit, ein wenig Wucht im Abgang, eine stützende Säure und alles in Balance. Es gibt auf jeden Fall größere Weißweine aus dem Burgund und Weine, die an der ein oder anderen Stelle mehr zu bieten haben: Ein guter Chablis hat viel mehr Kalk, Salz und Säure; ein guter Meursault viel mehr Nüsse und Kraft; ein guter Puligny mehr Blüten und Eleganz; ein guter Chassagne mehr Butter und Wucht. Bei diesem Rully gefällt mir persönlich, dass er von allem etwas mitbringt. Allerdings kann ich auch, das Urteil unsers Gastwirtes nachvollziehen – der fand den Wein „total langweilig“ (das kann Ausgewogenheit, je nach Geschmack, ja auch sein).
        Ich find’s auf jeden Fall toll, das Geschmäcker unterschiedlich sind, wichtig ist nur, dass man einen Geschmack hat 🙂

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