Aus der Garage…

Ich weiß nicht, wer den Begriff „Garagenwinzer“ wann geprägt hat, in letzter Zeit findet man diesen öfters für die Einordnung kleiner Winzer, die ihre Weine häufig im Nebenerwerb, fast als Hobby, kultivieren und keltern. Wolfgang Betz aus Frickenhausen am Main hat sich diesen Begriff dann selbstbewußt auf’s Etikett seines Sortiments geholt. Er bewirtschaftet nach eigener Angabe insgesamt 36 ar, das sind gerade mal 0,36 ha. Also fast gar nichts im Vergleich mit den professionellen Winzern. Den

2013er Silvaner – Frickenhäuser Kapellenberg – Alte Reben – trocken – Spätlese – Pw, Betz Garagenwein, Franken

habe ich vor einiger Zeit von einem Weinliebhaber geschenkt bekommen, dem der Silvaner besonders am Herzen liegt und der eine Vorliebe für fruchtige Weine hat. Die Flasche ziert eine Bronzemedaille des Fränkischen Weinbauverbandes aus dem Jahr 2014. Auf der Website wird stolz erläutert, daß der vorherige Jahrgang dort die Goldmedaille abgeräumt hat. Ich bin ja hinsichtlich der Aussagekraft solcher Medaillen grundsätzlich eher skeptisch, dennoch fragte ich mich, wodurch dieser „Absturz“ innerhalb eines Jahres bei der gleichen Prämierung verursacht ist (Bronze hört hier bei max. 84,99 Punkten auf, Gold fängt bei min. 92,00 Punkten an). Leider kann ich den 2012er nicht zum Vergleich probieren, also bleibt mir nur, den Wein für sich selbst sprechen zu lassen.

Ein recht dunkles, kräftiges Goldgelb zeigt sich im Glas. In der Nase gleich reifer Pfirsich, Aprikosen, Physalis, Akazienhonig, später wird daraus eher Thymianhonig, auch etwas Braunwürze mit dem Fokus auf Vanille. Am Gaumen weiters noch Quitte und Blutorange, mit der Zeit auch Limette sowie Blütenhonig. Schön ausgeprägte, sauber ausbalancierte Säure, das (Frucht-) Süße-Säure-Spiel verfeinert sich mit der Zeit noch. Insgesamt wirkt der knochentrockene Silvaner recht samtig-elegant. Wenig steinige Mineralik, dafür auch hier etwas Braunwürze. Sehr langer fruchtig-intensiver Abgang.

Wie eigentlich zu erwarten war, ist dieser Wein ein sehr fruchtbetonter Rebsortenvertreter, der durch die Komplexität seiner Fruchtaromatik glänzt und weniger durch eine bodengeprägte Mineralik. Das mag ich zwar sehr gerne, wenn man das Salz auf der Zunge spürt, aber wenn die Frucht sich so schön klar und präzise im Mund entfaltet wie hier, vermisse ich die Steine überhaupt nicht. Bezüglich der Bronze-Medaille: ich weiß nicht, wie der Wein vor zwei Jahren zum Zeitpunkt der Prämierung entwickelt war bzw. was den Prüfern hier deutlich weniger gefallen hat als ein Jahr zuvor, aber wenn ich vergleiche, was sonst so alles schon die Goldmedaille von diesem Verband bekommen hat, dann sollte man diese Bewertung getrost übersehen.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

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