Flotter Dreier – Relaunch

Die erste Flasche dieses Weins haben wir ja relativ frisch getrunken, jedenfalls nicht lange, nachdem der Wein abgefüllt wurde, denn er hat eine 16er Prüfnummer. Nun, über 3 Jahre nach dem Erstkontakt wird’s Zeit für eine Pegelmessung bei der

2013er Burgundercuvée – Iphöfer – Tri Terra – trocken – Qw, Wirsching, Franken

Recht sattes Goldgelb mit leicht grünem Stich im Glas, riecht „reduktiv barock“ nach grüner Kochbananenschale, etwas Milchsäure sowie leicht Krautwickel, dazu etwas grüner Tabak. Schmeckt auch nach all diesen Ingredienzien, dazu gibt’s aber auch einiges an recht reifer, sekundärer Frucht wie Reneclaude, Mirabelle und Tamarinde, die Säure ist für Burgunder ziemlich knackig, der mineralische Unterbau ist bläulich-kalkig. Der recht kühle und doch fast opulente Abgang hält einige Minuten an, hohe Spannung zwischen grün-gelber Frucht und der stark reduzierten, aber hochdichten Sekundäraromatik, zu der auch die grünliche Verjus-Säure einen deutlichen Anteil beiträgt.

Hier fasziniert mich vor allem das Wechselspiel zwischen dem immer noch fränkisch-klassisch-barockem Teil und dem hoch animierenden, reduktiven, deutlich burgundischem Teil des Tri Terra, wobei nunmehr der F-Part die Führung deutlich übernommen hat und nicht nur in die Richtung geschaut wird. Schmeckt ein bißchen so, als wenn man 2/3 Pouilly-Fuissé und 1/3 klassischen fränkischen Keuper-Weißburgunder zusammenschüttet. Großer Spaß zu vergleichsweise überschaubarem Preis!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 26. November 2016:

Das Weingut Wirsching aus Iphofen hatte ich schon länger auf der „To-Do-Liste“. Zwei Bemühungen, in der Gastronomie mal einen der Weine des Guts zu probieren, schlugen leider wegen „is nich“ fehl. Dann habe ich Anfang November mal die Chance genutzt, auf einer Frankenwein-Probe in München ein paar Weine des Weinguts zu probieren. Letztlich war es dann eines von drei Gütern, bei denen ich auch ein paar Flaschen bestellt habe (ca. 40 Winzer waren da, bei ca. 15 habe ich probiert). Wirsching macht mit seinem ganzen Auftreten eher den Eindruck eines sehr traditionellen, bodenständigen Betriebs. Das äußert sich schon in den Etiketten, die auch aus den 80ern stammen könnten und der relativ umfassenden Verwendung des Bocksbeutels als Flaschenform. Auch Chardonnay gibt’s z.B. in diesem Behältnis. Andere Häuser setzen ja recht strikt auf die Vermeidung dieser für Frankenweine exclusiven Form und versuchen von der Etikettengestaltung (Zitat: „Klebt nicht auf Bock’s Beutel!“) bis zum Internetauftritt, sich von den „alten Zöpfen“ bzw. einem verstaubten Image zu distanzieren. Aber: Qualität, die Spaß macht, gibt es auf beiden Seiten. So mag ich weder die traditionellen Stilistiken als auch die modernen bis zuweilen abenteuerlichen Kreationen missen. Alles zu seiner Zeit. Manche machen nur das eine oder das andere, manche versuchen auch, beide Richtungen gleichberechtigt nebeneinander zu pflegen.

Der einzige der Weine, die ich von Wirsching erstanden habe und der nicht im Bocksbeutel daherkommt, ist der

2013er Burgundercuvée – Iphöfer – Tri Terra – trocken – Qw, Wirsching, Franken

Dies ist eine Burgundercuvée (in entsprechender Flasche) aus Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay, die gemäß Etikett wohl etwas kraftvoller ′rüberkommt, 14 Volt sind angesagt. Und es ist sicher der am wenigsten (fränkisch) traditionelle Wein aus meiner Wirsching-Kiste, aber für’s Essen gestern schien mir dieser Saft der Auswahl am besten zu passen. Weiters heißt es von Seiten des Winzers über den Wein:

Die Reben wurzeln seit mehr als 30 Jahren in unseren Weinbergen „Julius-Echter-Berg – Grauburgunder“, „Kronsberg – Weißburgunder“ und „Kronsberg – Chardonnay“. Die südexponierten Weinbergshänge gehören zu den fränkischen Spitzenlagen und sind als VDP.Erste Lagen klassifiziert. Der graubraune, kalkreiche Keuper Boden strahlt Hitze aus und setzt ungeahnte, wilde Düfte frei. Aus diesem einzigartigen Sediment des grünen Schilfsandsteines erhalten die Weine einen hohen Extrakt und eine besondere Würze.

In der Burgunderflasche orientiert sich TriTerra an den klassischen Burgunderweinen dieser Welt und versprüht einen Hauch von Internationalität. Vollreifes Lesegut wird sorgfältig verarbeitet. Die Gärung beginnt im Edelstahltank und endet nach ca. 8 Wochen im Barrique, wo der Wein weitere 2 Jahre reift. Er besitzt eine reife Aromatik von Kokos, Birne, Quitte und Walnuss gepaart mit einer kräuterigen Note und dezenten Anklängen von Mokka, Vanille und Tabak.

So weit, so gut, mal sehen, ob wir das so unterschreiben können.

Im Glas goldgelb mit leicht bräunlichen Reflexen. In der Nase ein recht dichtes gelbes Fruchtaroma mit reifen Abate-Birnen, Pfirsichen, Aprikosen, auch Quitte, getragen von leichten Karamell-Noten, etwas Leder, Tabak, Nelke. Die Fruchtseite hier ebenfalls recht intensiv, der Chardonnay-Anteil bringt wohl etwas frittierte Kochbanane mit, mit der frischen und präsenten Säure kommen noch leicht Grapefruit und ein paar Orangenzesten. Die hölzerne Seite ist hier eher durch braunwürzige Aromen geprägt, etwas Nelke, Koriandersaat und ein paar Röstaromen ohne rauchigen Anteil, dafür ein paar herbe Steine. Dank der schönen und deutlichen Säurestruktur hat der Burgunder trotz der oben erwähnten 14 Umdrehungen eine angenehm niedrige Viskosität. Der Abgang ist ebenfalls recht frisch und intensiv zugleich, die Säure ist auch hier angenehm präsent und begleitet einen noch für mehrere Minuten.

Viele gute Burgunder machen einen geringeren Säureanteil durch eine gewisse Cremigkeit wett, die dem Wein dann auf diese Weise einen hohen Flutschfaktor verpaßt. Die Variante mit dem ausgewogenen Süße-Säure-Spiel ist aber aus meiner Sicht der sicherere Weg, vor Ermüdung zu schützen. Das ist bei dieser Cuvée aus meiner Sicht sehr schön gelöst, eine hohe Dichte gepaart mit einer recht vielschichtigen Aromenstruktur und gehörig Frische. Somit unterschreibe ich auch die obige Aussage „versprüht einen Hauch von Internationalität“, was für mich heißt: geht in die Richtung (wobei „international“ ja schon wieder extrem vielschichtig ist), hat aber seine eigene Handschrift. Macht Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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