Almdudler – Relaunch

Heute fiel die Wahl als Pastabegleiter auf der Terrasse nach gut 3 Jahren Pause auf den

2014er Sauvignon [blanc] – Platt & Pignat+ – Südtirol DOC, Erbhof Unterganzner, Südtirol

Im Glas ein recht helles Goldgelb, für den Riechkolben gibt’s anfangs eine sehr kräuterig-grüne Mischung, die mit etwas Luft deutlich an gelben Komponenten dazu gewinnt, zur typischen Stachelbeere sowie Estragon kommen dann noch Mirabellen und Kaktusfeigen. Am Gaumen ein ähnlicher Eindruck, die deutliche Säure bringt noch etwas Limette und Oroblanco („Sweetie“) mit; eine kleine, blau-kühle Steinunterlage rundet das Ganze ab. Der schön lange Nachhall repetiert das Ganze nochmals und fügt im Finale noch ein sehr feines, leicht süßes Grapefruit-Bitterchen hinzu.

Mittlerweile gut erwachsen gewordener, wunderschöner Terrassen-SB („Almdudler“ paßt jetzt gar nicht mehr), der die Balance zwischen der frisch-grünen und der adult-gelben Seite sehr schön beherrscht, ohne dabei was Besonderes sein zu wollen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 24. März 2017:

Gestern war’s mal wieder Zeit für ein Weinchen aus der Bozener Ecke, genauer eine Kreation von Josephus Mayr:

2014er Sauvignon [blanc] – Platt & Pignat+ – Südtirol DOC, Erbhof Unterganzner, Südtirol

Die beiden genannten Lagen liegen übrigens im Nordhang des Titschen, das ist der südöstliche „Hausberg“ von Bozen. Auch aufgrund der schon zunehmenden Enge des Tals um Kardaun finde ich es an sich schon erstaunlich, daß hier in dieser nicht ganz so sonnenverwöhnten Ausrichtung überhaupt Weinberge angelegt sind. Was das „+“ hinter dem Lagennamen „Pignat“ bedeutet, weiß ich leider nicht, vielleicht sind noch ein paar Trauben von rechts und links der Lage mit in den Bottich gewandert…

Die Farbe ist ein helleres Strohgelb, in der Nase einiges an grünen Kräutern wie Estragon, Koriander und Kerbel, fruchtseitig eher verhalten eine kleine Sternfrucht sowie etwas kandierte Zitrone. Am Gaumen dann aber recht viele gelb-grüne Zitrusaromen aus der leicht kandierten Ecke, dazu eine bestimmte Säure, die mit dem nicht geringen Extrakt gut zurecht kommt. Dabei zeigt sich eine ganz kleine freie Süße, die aber im schönen Gegensatz zu dem dichten Zitrusextrakt steht. Die Kräuter stehen hier in der zweiten Reihe, sind aber klar vernehmbar, einige herbe Steinchen gibt’s auch. Mit etwas Luft zeigt sich auch noch eine kleine Stachelbeere. Der lange Abgang ist bestimmt durch den süß-sauren Zitrusextrakt mit leichtem Kräutertouch und dezentem Lakritzfinale.

Ein SB mit einer recht eigenständigen Zitrusaromatik und sehr schöner Süße-Säure-Balance. Erinnert mich ein bißchen an „Almdudler“ (wer’s nicht kennen sollte, das ist eine österreichische Kräuterlimonade). Interessanterweise stört mich hier das oben erwähnte „Zuckerschwänzchen“ überhaupt nicht, wobei es aber auch von der Wahrnehmung völlig anders daher kommt, als diejenigen, die so manche nicht ganz trockenen Weine vehement aus der Frischezone ziehen. Denn über mangelnde Frische kann man hier trotz deutlichem Extrakt und spürbarer Extraktsüße nicht klagen, der Zitrusanteil „reißt’s wieder raus“.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die Zitrusfrüchte haben sich von grün-gelb weiter in Richtung gelb-orange entwickelt, und zwar nicht nur ein kleines bißchen. Die Frische ist dem Wein dabei aber nicht verloren gegangen, obwohl ich den Extrakt nicht nur farblich anders, sondern auch intensiver empfinde. Sehr schöne Entwicklung über einen Tag, dafür gibt’s ein Pünktchen mehr…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

4 comments on “Almdudler – Relaunch

  1. Hi Erich,
    klingt nach einem schönen, nicht zu lauten SB. Weiß habe ich bis dato noch nichts von Josephus Mayr im Glas gehabt. Hattest Du schon etwas rotes von ihm probiert und wenn ja, hat es Dir gefallen?
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ich war letztes Jahr am Ostersamstag dort. Ostern 2016 war ja sehr früh und die Mayrs waren ziemlich ausverkauft, neu gefüllt hatten sie in dem Jahr noch nicht. So habe ich in rot nur die Cuvée der Tirolensis Ars Vini probiert, bei ja alle TAV-Mitglieder Trauben beisteuern. Fand ich zwar gut, aber auch nicht soo herausragend, daß ich da was mitgenommen hätte, nur von der weißen Cuvée habe ich ein paar Flaschen gekauft. Und vom 2013er Lamarein habe ich mir ja ein Fläschchen gesichert, aber das liegt gemäß deiner Empfehlung noch im Keller. Ggf. fahre ich Pfingsten wieder hin…
      Und: der SB ist vor allem am ersten Tag ein etwas leiserer, aber doch frischer und keinesfalls dünner Wein. Am zweiten Tag legt er signifikant zu, aber er bleibt doch klar auf der eleganten Seite. Auch wenn man ihn durchaus als SB erkennen kann, ist dennoch alles andere als typisch.
      Schönen Sonntag wünsche ich!
      Erich

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      • Die Cuvée kenne ich auch nicht aber werde mir wohl bei der nächsten Order von diesem Weingut mal ein paar Weiße mitbestellen. Übrigens ist der „Reif“ auch sehr schön – etwas eleganter als der Lamarein aber ebenso eigenständige.
        Dir auch einen schönen Restsonntag:)

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