3. Weinrunde in / um München

Letzten Donnerstag haben wir uns zur dritten Weinrunde in bzw. um München getroffen. Diesmal bei Andreas, dem mein und unser Dank für die Zurverfügungstellung seines schönen Wohnzimmers gilt. Die Teilnehmer haben wieder schöne Sachen mitgebracht, die gemäß folgendem Thema ausgesucht wurden:

Weine aus 100 % autochtonen Trauben beliebiger Farbe, die jeweils dem Mitbringer schon bekannt waren. Eine Preisrange gab es nicht.

Bei dem Thema bin ich davon ausgegangen, daß ein Erraten der Herkunft und Sorte kaum möglich sein dürfte, da ich für meinen Teil der Definition gefolgt bin, daß hier Weine gemeint waren, deren Rebsorte ursprünglich in der Gegend der Herkunft des Weines ist.

Laut Wikipedia ist „autochton“ wie folgt gemeint:

Als autochthone, einheimische oder indigene Art bezeichnet man in der Biologie Lebewesen, die im aktuellen Verbreitungsgebiet (Region, Biotop) entstanden sind (sich evolutionär gebildet haben) oder dort ohne menschlichen Einfluss im Zuge von natürlichen Arealerweiterungen eingewandert sind. In der Botanik spricht man beispielsweise bei Bäumen von autochthonen Arten oder bei Rebsorten von autochthonen Sorten.

Also ist auch ein Chardonnay auch autochton, aber eben nur im Burgund…

1. Wein: 2013er Petite Arvine – Valle d’Aosta DOC, Les Crêtes, Valle d’Aosta

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Den Petite Arvine hatte ich vor einiger Zeit schon mal im Glas und hatte ihn noch in sehr guter Erinnerung.

Im Glas schön goldgelb, aber das Bukett hat mich dann doch irritiert. Von der erhofften komplexen Frucht war (erst mal) wenig bis nichts mehr übrig geblieben, ein bißchen Apfel, ansonsten einfach recht mineralisch. Auch am Gaumen auch „nur“ ein bißchen Apfel, ein paar grüne Kräuter, recht dominante Mineralik, schöne zupackende Säure. Auch der Abgang war im wesentlichen nur mineralisch.

Am Ende der Runde haben wir ihn nochmals probiert, über die Zeit hat sich dann doch einiges getan. Die zuerst vermißte Exotik in Form von Maracuja, Grapefruit und Limette hat sich deutlich entwickelt, blieb aber hinter der Komplexität, wie ich sie noch von meiner ersten Verkostung in positiver Erinnerung hatte, signifikant zurück.

Meine anfängliche Enttäuschung milderte sich dann zum Ende hin wieder, aber im derzeitigen Zustand gefällt mir der Wein dann doch nicht so gut wie vor etwa 10 Monaten. Eine Flasche habe ich aber noch, der gebe ich mal noch ein paar Jährchen, vielleicht tut sich ja noch was in die andere Richtung…

Meine (jetzige und hoffnungsvolle) Wertung: 2

2. Wein: 2014er Soave Classico – DOC – Garganega, Coffele, Veneto

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Ein strohgelber Wein mit einem Bukett nach Quitte und unreifem Pfirsich, etwas weißer Pfeffer, leichte Holzaromatik. Am Gaumen recht kräftige und komplexe Aromatik nach Mandarine, Apfel, Netzmelone, Limette mit kleinem Bitterchen. Recht prägnante Säure, im Hintergrund ein bißchen Mineralik sowie ein paar florale Noten. Der Abgang ist mittellang, dafür aber recht intensiv.

Nach ein bißchen Überlegen hat mich der Wein dann etwas an den Soave Monte Carbonare von Suavia erinnert, da war ich dann mit zumindest einer der von mir aufgezeigten Möglichkeiten auf der richtigen Spur. Dem Monte Carbonare ist der Soave von Coffele auf jeden Fall ebenbürtig, mein bisheriger Lieblings-Soave muß sich daher künftig warm anziehen!

Meine Wertung: 3

3. Wein: 2006er Berger·Gei – Lagrein – Gries, Niedrist, Südtirol

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Im Glas ist dieser Wein recht dunkel und zeigt in der Nase eine gereifte Aromatik nach Leder, Tabak und Zwetschge sowie etwas Kakao, aber auch etwas rumtopfig alkoholisch. Mit etwas Luft wird das Bukett jedoch noch etwas eleganter. Am Gaumen trotz des Alters noch recht tanninlastig, auch hier eine deutliche Alkoholnote – die 14 PS verstecken sich gar nicht. Die Zwetschge ist hier ebenfalls das wesentliche Fruchtaroma. Säure und Holz sind eher dezent vorhanden.

Mir persönlich ist der Wein (noch) zu wenig geschmeidig und / oder elegant. Bei Lagrein habe ich bis jetzt auch noch keinen Wein gefunden, der mich nachhaltig überzeugt hätte, immerhin kann ich aber den von Niedrist eindeutig unter die besseren Rebsortenvertreter einreihen und war doch erstaunt, daß Lagrein so auch geht.

Meine Wertung: 1

4. Wein: 2012er Quinta da Mimosa – Castelão – Palmela DO, Casa Ermelinda Freitas, Setúbal

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Der „Mimosa“ zeigt sich im Glas mit einer dunkelgranatroten, leicht transparenten Farbe. In der Nase zeigen sich Brombeeren, Heidelbeeren und ähnliche Waldfrüchte, weiters Ledertasche und Tabak aus dem Barriqueausbau, aber auch eine deutliche Pfeffernote. Am Gaumen die gleiche Fruchtaromatik, noch etwas pelzig, weiters erdige Noten, Nelke und Lakritze. Insgesamt sehr trocken, die 14,5 Ampere machen sich nicht mit voller Wucht bemerkbar. Etwas Säure nimmt dem Wein auf schöne Weise ein bißchen den Wind aus den Segeln.

Da ich den Wein ja vor einigen Wochen schon mal probiert hatte, hätte ich die reale Chance gehabt, ihn zu erkennen, bin aber leider nicht drauf gekommen. Das ändert aber nichts daran, daß es sich hier um einen sehr schönen und komplexen Wein handelt, dem ich aber vor dem Öffnen einer der bei mir im Keller lagernden Flaschen noch mindestens zwei Jahre Zeit gebe.

Meine Wertung: 2

5. Wein: 2008er Bursôn – Augusto – Rosso Ravenna IGT, Poderi Morini, Emilia-Romagna

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Dieser Wein aus der Emilia Romagna ist aus der Traube Longanesi gekeltert („Bursôn“ ist ein Synonym hierfür). Die Traube heißt nach der gleichnamigen Winzerfamilie, die aus einer sich um eine Eiche rankenden Wildrebe einige Stecklinge veredelt hat und seither daraus mit wachsendem Erfolg den „Bursôn“ in verschiedenen Qualitäten produziert.

Unser „Bursôn“ aus der Flasche mit dem schwarzen Etikett ist mindestens hälftig aus gewelkten Trauben gekeltert und im großen Faß gereift.

Im Glas ist der Wein recht dunkel, dennoch etwas transparent. In der Nase zuerst grüner Paprika und ebenso grüne Kräuter, leichte Leder- und Tabaknote. Am Gaumen deutlich tanninhaltig, aber bereits auf der etwas weicheren Seite. Einige würzige Aromen in Richtung Koriander und Minze, leichte Grapefruit-Säure. Die immerhin 15 Umdrehungen sind ganz gut eingebunden, so daß man sie nicht in vollem Ausmaß spürt.

Der „Bursôn“ ist ein sehr interessanter Wein, der bei meinen derzeitigen Trinkgewohnheiten allerdings eher selten Raum finden dürfte. Deshalb war ich mir auch lange bei meiner Bewertung unsicher, da mir die Stilistik ja doch irgendwie gut gefällt. Letztlich bin ich mit mir überein gekommen, mir bei Gelegenheit -auch wegen der außergewöhnlichen Herkunft der Rebsorte- doch mal so ein Fläschchen zuzulegen, deshalb

Meine Wertung: 2

6. Wein: 2009er Fumin – Valle D’Aosta DOC, Les Crêtes, Valle D’Aosta

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Da ich von Les Crêtes zwei Weine aus autochtonen Trauben im Keller hatte, haben meine Begleitung und ich uns einfach entschlossen, von jeder Farbe eine Flasche mitzubringen. Auch den Fumin habe ich hier schon mal vorgestellt. Da der oben beschriebene Petite Arvine ja leider ein bißchen abgebaut hat, hoffte ich, daß der Fumin sich nicht genauso verhält.

Der Fumin zeigt sich farblich in einem schönen rubinrot mit einer mittleren Transparenz. In der Nase gleichermaßen saure und süße (bzw. nicht ganz so saure) Kirschen, Heidelbeeren und ein paar Johannisbeeren. Leichte Ledernote aus dem Ausbau im Holz, trotz der Verwendung von Barriques aber schön dezent. Am Gaumen die oben beschriebene Fruchtaromatik plus etwas Limette und Grapefruit, eher wenig Gerbstoffe, dafür eine schöne Säure, die Holznoten in Form von Nelken auch vornehm im Hintergrund.

Insgesamt nach meiner Erinnerung etwas runder und eleganter als vor einem dreiviertel Jahr. In der Runde hat der Wein etwas darunter gelitten, daß er nach 3 deutlich kernigeren Rotweinen dran war. Mir persönlich liegt aber diese eher feine Stilistik bei Rotweinen mehr, deshalb bleibe ich bei diesem schönen, weil vielschichtigen Wein bei

Meine Wertung: 3

7. Wein: 2012er Shiraz, Andreas, Wellington

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Der „Andreas“ wurde uns vom gleichnamigen Gastgeber nach dem „offiziellen“ Programm noch zusätzlich ausgeschenkt. Also auch ohne Bezug zum eigentlichen Thema des Abends.

Der „Andreas“ ist von der Farbe her rubinrot, in der Nase recht würzig nach Nelke, Muskatblüte, Pfeffer und Anis riechend, Kakao schwingt auch mit. Am Gaumen finden sich dunkle Beeren und Zwetschgen sowie nach meinem Gefühl ein bißchen Marula, die ich eigentlich eher mal in weißen Weinen finde. Weiters gefällige Tannine und eine eher dezente Holzaromatik.

Ein schöner Südafrikaner, der trotz 14 Volt mal nicht ganz so wuchtig daher kommt, wie man dies sonst so häufig aus diesem Land kennt. Also für mich durchaus auf der spaßigen Seite, aber auch nicht so außergewöhnlich, daß ich ihn unbedingt (selbst) haben müßte.

Meine Wertung: 1

Auffällig war diesmal die Häufung italienischer Weine. Wohl auch deshalb, weil es in Bella Italia verhältnismäßig viele autochtone Rebsorten gibt. Es war kein objektiv noch subjektiv schlechter Wein dabei, alle haben mir beim Verkosten Spaß gemacht, auch wenn ich nicht alle nachkaufen würde. Was sich in meiner persönlichen Wertung niederschlägt. Es war wieder ein gelungener Abend, der Lust auf mehr gemacht hat…

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6 comments on “3. Weinrunde in / um München

  1. Das hast Du sehr schön auf den Punkt gebracht, Erich. Noch eine Frage: Es blieben ein Handtuch und eine Kühlmanschette bei mir zurück. Ich nehme an, dass eines von beidem Dir gehört, da Du ja einen gekühlten Weißwein mitgebracht hast.

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    • Hallo Andreas!
      Vielen Dank für die Blumen! Wir haben aber alles wieder mitgenommen, was uns gehört. Ich hatte im Auto eine Kühlbox dabei, die Manschette hat dann sicher den Soave gekühlt!
      Bis zum nächsten Mal!
      VG Erich

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