17. Weinrunde in München – Rev.1

Letzten Freitag fand unsere Blindtastig-Runde Nr. 17 in München statt. Diesmal mit dem Thema „Italiens Outsider-Regionen“, wobei Weine aus der Basilikata, Kalabrien, Kampanien, Ligurien und Molise zugelassen waren. Tatsächlich hatte ich davon fast nichts im Keller, aber eben nur fast…

Prolog:

Zu Beginn gab es dann etwas, was uns schon beim ersten Anblick etwas in Erstaunen versetzt hat:

Wein A: oJ Baga – Tinto Bruto – Vinho Espumante de Qualidade, Quinta do Ortigão, Beiras

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Einen richtig roten Sekt hatte ich schon seit Urzeiten nicht mehr im Glas, zuletzt wahrscheinlich 1990 einen furchtbar süßen Крымское auf der Dachterrasse eines Hotels in Chabarowsk (Sibirien). Bei dieser Brause wurde anscheinend die Rebsorte Baga mit aller Farbigkeit versektet.

Im Glas ein mittleres Rubinrot mit deutlicher Transparenz, mäßige, aber beständige Perlage, geruchlich finde ich -etwas verhalten zwar, aber schön differenziert- Acerola, Schattenmorelle, Brioche und etwas Roastbeef (mit veganem Kräutermantel). Am Gaumen dann eher herbe Beerenfrucht, vor allem Johannisbeere, etwas Brotkruste. Die Säure ist schön belebend, weiters hat der Schäumer auch einige Tannine anzubieten, die ganz leicht adstringierend wirken. Der Abgang zeigt viel rote, herbe Frucht und wird von einem dezenten Pampelmusenbitterchen begleitet.

Sowas hatte ich tatsächlich noch nie im Glas! Vor allem die Kombination von rotfruchtigen und hefigen Noten fand ich recht spannend. Bleibt nur die Frage, zu was man sowas trinkt. Ich persönlich habe da aktuell keine zündende Idee, aus der Runde wurde eingeworfen, daß ein gegrilltes Spanferkel mit Salzkruste gut passen könnte…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama:

Nun die „Wettbewerbsweine“:

1. Wein: 2015er Falanghina – Beneventano IGT, Villa Raiano, Campania

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Im Glas messinggelb, in der Nase Lychee, Netzmelone und leicht Kaugummi. Am Gaumen dann Rambutan, Pampelmuse incl. Bitterchen. Mit der moderaten Säure wirkt der Wein etwas belegt, das was ich so als „Kaltvergärungsaromatik“ bezeichne. Der Abgang zeigt wieder diese „belegte“ Frucht und leider recht wenig Frische.

Soweit an sich ein sauber gemachter Wein, der auf jeder Party aufgrund seiner „milden Säure“ sicher gut weggehen würde, aber mir fehlt es da doch an Klar- und Beschwingtheit.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

Rev.1: hat sich bei einer späteren Verkostung deutlich nach vorne entwickelt, dann

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

2. Wein: 2015er Greco Bianco – Tenute di Altavilla – Greco di Tufo DOCG, Villa Matilde, Campania

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Die Farbe schaut hier wieder in Richtung Messing, ist aber dunkler als beim vorigen Wein, für die Nase gibt’s Kaktusfeige, gelbe Kiwi, ganz leicht Akazienhonig. Am Gaumen kommt auch etwas Mango dazu, der Fruchtextrakt ist schon recht deutlich. Die Säure ist zwar eher moderat, dennoch ist die Struktur recht animierend. Auf der mineralischen Seite ist ein bißchen Kreide erwähnenswert. Der Abgang präsentiert nochmals die dichte Frucht, trotz der verhaltenen Säure wird auch hier der Fluß nicht unterbrochen.

In der Stilistik ist dieser Wein eigentlich recht ähnlich zu dem oben beschriebenen Falanghina, dennoch liegen Welten dazwischen. Dichte, Klarheit der Frucht und Säurestruktur sind hier sehr viel schöner, der Spaß ist entsprechend größer. Dabei liegen beide Weine preislich auf dem gleichen Niveau.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

3. Wein: 2013er [Aglianico] – Terra di Vulcano – Aglianico del Vulture DOC, Bisceglia, Basilicata

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Die Farbe ist ein dunkles Granatrot, wenig transparent, am Rand ganz leicht bräunlich. In der Nase rote und grüne Paprika, Pflaume und Johannisbeere, dazu ein paar Kräuter der Provence. Am Gaumen zeigt sich eine deutliche Tanninstruktur, die leichte Adstringenz nimmt mit der Zeit deutlich ab. Die Paprikas werden hier zu gerösteten Pimentos, dazu eine herbe Rauchigkeit, leicht Alu, etwas staubig, wenig Frucht, vielleicht etwas Pampelmuse. Der Abgang zeigt dann mehr hölzerne Noten wie Tabak und Sternanis, dazu etwas Dörrpflaume, ist von mittlerer Länge, flacht aber recht schnell ab.

Dieser Aglianico ist einerseits vielschichtig, dennoch fehlt mir ein gewisses Maß an Rundheit, um ihn in die Nachkaufebene zu rücken.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

4. Wein: 2012er Cuvée – Rosso – Falerno del Massico DOP, Villa Matilde, Campania

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Dies ist eine Cuvée aus 80 % Aglianico und 20 % Piedirosso.

Dieser Wein ist dunkel ziegelrot mit mittlerer Transparenz und zeigt schon deutliche Brauntöne. Geruchlich zeigen sich etwas verhalten dunkle Kirschen mit dezenten Holztönen in Form von Kakao. Am Gaumen wenige Tannine, rauhledrig, Zeder, 50er Schokolade, leicht Zimt, Laub und saftige Heidelbeeren. Nur bei der Säure zeigt der Wein aus meiner Sicht eine klare Schwäche. Der Abgang ist lang und warm, dabei fruchtig-würzig.

Diese Cuvée erzeugt zwar einerseits ein sehr schönes Mundgefühl, aber mir als Säure- (struktur) -fetischisten fehlte in dieser Richtung dann doch deutlich was, um ihn nachhaltig interessant für mich zu machen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

5. Wein: 2011er [Aglianico] – Contado – Riserva – Aglianico del Molise DOC, Di Majo Norante, Molise

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Im Glas rubinrot mit mäßiger Transparenz, minimale Braunfärbung am Rand. In der Nase deutlich gebutterter Schafskäse, daneben Pflaume und Schwarzkirsche. Am Gaumen eher wenig, aber geschmeidiges Tannin, ganz leicht Eisen, die Fruchtseite gemäß oben beschriebenem Bukett. Dazu eine sehr schöne Säurestruktur, ganz dezent Holz in Form von Leder, leicht Thymian und ein klar vernehmbares Steinbett. Der Abgang ist recht lang, dabei herb-würzig, hier eher dezente Frucht gepaart mit einem leichten Chinin-Bitterchen.

Alles drin, alles dran, auch die beschriebene Käsenote in der Nase ist für mich eher das gewisse Etwas, andere fanden es dagegen störend. Ich habe diesen Wein letztes Jahr mal in deutlich älter beschrieben, der hier verkostete Jahrgang in der aktuellen Reife gefällt mir allerdings deutlich besser. Vielleicht ist der Wein jetzt einfach am oder nahe seines Zenits.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

6. Wein: oJ Aglianico – Trigaio – Vino Rosso, Feudi di San Gregorio, Campania

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Die Farbe ist ein Granatrot mit deutlicher Transparenz, geruchlich gibt’s Johannisbeere und Herzkirsche in etwas plakativer Form, dazu etwas Sauerkraut. Geschmacklich: fast kein Tannin, etwas platte Frucht, deutliche, aber isolierte Säure, leichte Würze, jedoch keine Holzaromatik. Der Abgang ist von mäßiger Länge, dabei zuvorderst fruchtig und leicht alkoholisch.

Ich habe auf dieser Flasche keine Jahrgangsangabe gefunden, im Handel wird er jedoch mit Jahrgang angeboten. Vielleicht stand die Angabe auch oben auf der Kapsel oder dem Korken, das konnte ich aber nicht mehr nachvollziehen. Insgesamt ist dies jedoch ein sehr einfach gestrickter Wein, der zwar problemlos trinkbar ist, dem man aber absolut nicht nachlaufen muß.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 12 von 25

7. Wein: 2009er [Cuvée] – Gironia – Riserva – Biferno Rosso DOC, Borgo di Colloredo, Molise

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Dies ist nun eine Cuvée aus 80% Montepulciano und 20% Aglianico.

Im Glas rotviolett, dabei mittel transparent, in der Nase Erdbeerbrause und 2-Komponenten-Lack, später auch Kirschsaft. Am Gaumen dann helle, künstlich wirkende Beeren mit Brausegeschmack, kaum Tannine, freie Fruchtsüße sowie eine isoliert dastehende Säure. Der mittellange Abgang ist in erster Linie fruchtig-extraktsüß.

Dies ist nun der teuerste Wein im Rennen (zumindest gemäß Netz-Recherche) und gleichzeitig auch der, mit dem ich am wenigsten -eigentlich gar nichts- anfangen konnte. Künstlich, plakativ, zusammenhanglos…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 10 von 25

Nachtrag, bitte beachten! Anscheinend hat sich der Gironia nach einigen Tagen mit Luft extrem entwickelt und dann doch noch für erweiterten Trinkspaß gesorgt. So jedenfalls gemäß dem untenstehenden ⇓ Kommentar, ich selber konnte es leider nicht verifizieren…

Epilog:

Soweit also das Hauptprogramm, abschließend gab’s noch einen Neuzugang im Sortiment des kleinen, aber feinen Weinhandels, den einer unserer regelmäßigen Gruppentrinker betreibt:

Wein B: 2012er Cuvée – Carm – Reserva – Vinho Tinto – Douro DOC, Familia Roboredo Madeira, Douro

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Hier handelt es sich um eine Cuvée aus Touriga Nacional, Tinta Roriz, Tinta Francisca und Touriga Franca. Das Ganze durfte 18 Monate in amerikanischen und französischen Eichenfässern reifen.

Im Glas violett-rot, mäßig transparent. Für den Riechkolben gibt’s dunkle Beerenfrucht (Heidel-, Johannis-, Brom-, Preisel-), welche auch schön differenzierbar ist, dazu Nadelwaldboden nach einem warmen Regen, über den man etwas frisch gemahlenen Kaffee gestreut hat. Am Gaumen wirken all diese Beeren sehr saftig, dazu gibt’s einige samtige Gerbstoffe, wieder Kaffee. Das Ganze wird durch eine animierende Säurestruktur und ein deutliches Kiesbett abgerundet. Auch der Abgang bietet mit schöner Länge Kaffee und Frucht, wieder eine schöne Balance zwischen dem deutlichem Extrakt und der präsenten Säure.

Der „Carm“ beeindruckt mich vor allem aufgrund der klaren Differenzierung der Aromabestandteile, trotz ordentlich Druck auf dem Kessel (14 barü) wirkt der Wein kein bißchen belastend, der Trinkfluß ist im Gegenteil ziemlich hoch.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Fazit:

Die Runde war wieder sehr unterhaltsam, ein paar schöne Weinchen waren auch dabei, wenn auch bei den eigentlichen Themenweinen kein ganz großer Kracher dabei war. Aber in Kürze gibt es Teil 2 von „Italiens Outsider-Regionen“, dann etwas nördlicher angesiedelt. Vielleicht ist da mehr los. Aber der Abschlußwein aus Portugal versöhnt mich dann vollständig mit dieser Runde!

2 comments on “17. Weinrunde in München – Rev.1

  1. Hi Erich!
    Ich hatte den letzten Wein, den wir am Freitag so schlecht fanden, den Gironia am Dienstag drauf nochmal nachverkostet. Nachdem der 4 Tage Luft bekommen hat, war der wahnsinnig gut. Hier meine kurze Verkostungsnotiz:

    Verkoste gerade nochmal einen der Weine unserer Runde vom Freitag nach.
    Die Diskrepanz zu Freitag ist verblüffend. Am Freitag ist der Wein durchgeflogen.
    Heute:
    Nach 3 Tagen eine Granate:
    Borgo di Colloredo – Gironia Reserva 2009
    Biferno DOC (Molise)
    Dicke würzige Nase, dazu reichlich Frucht.
    Im Mund gute Säure trotz der Fülle.
    Textur: Griffig dann aber doch geschmeidig.
    Ein kompletter Wein.
    Geschmacksexplosion im Mund. Und recht langes Finish
    93 Punkte

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