Verspätetes Gewächs

Wenn ich ein paar Tage „frei“ habe -soweit man als Freiberufler überhaupt wirklich „frei“ haben kann-, versuche ich natürlich ganz nach Hedonistenart genußmäßig Maximalschaden anzurichten. Einen gewissen Anteil machen da natürlich auch Essen und Trinken aus, und wenn ein paar „externe“ Personen involviert sind, wird auch ein bißchen vorgeplant. Diesmal ging aber alles etwas durcheinander, so mußte auch eines der auserwählten Weinchen etwas warten, bis es seinen Korken gestern endlich loswerden dürfte:

2013er Riesling – Laumersheimer Kirschgarten – trocken – Große Lage – GG, Philipp Kuhn, Pfalz

Die Farbe ist ein unauffälliges, dabei aber durchaus kräftiges Goldgelb, die Nase bekommt’s vom Fleck weg mit einem prall gefüllten Korb voller Zitrusfrüchte plus Ananas zu tun, auch die Säure kündigt sich hier bereits sehr vielversprechend an; was herb-kalkiges schimmert auch durch. Am Gaumen ist das GGchen immer noch leicht jugendlich-brizzelig, die Säure ist noch leicht ungestüm-kantig, die Balance mit dem amtlichen Extrakt ist dennoch vorbildlich und sehr belebend. Die Fruchtseite ist intensiv und frisch zugleich, die moderaten 12,5 Umdrehungen fördern den Trinkfluß zusätzlich. Auch hier eine schöne Unterlage aus Calcium- und Magnesiumsalzen, mit ein bißchen Luft kommt auch etwas Löwenzahn dazu. Der Abgang währt für mehrere Minuten und hält die Früchte auf Salzbett lange auf hohem Niveau parat.

Alterungsnoten gibt es bei diesem Riesling noch gar nicht, da wird man noch mehrere Jahre warten müssen. Für diejenigen, die auch mit GG’s in eher frecher Verfassung was anfangen können, hier die Empfehlung, schon jetzt eines dieser Fläschchen ohne Reue zu öffnen.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

2 comments on “Verspätetes Gewächs

    • Hallo Hardy,
      es ist immer wieder spannend, wie die Eindrücke zu einem Wein sich manchmal gleichen wie ein Ei dem anderen, manchmal driftet man ellenweit auseinander. Bei unseren Blindtasting-Weinrunden erleben wir das immer wieder. Vor allem die Wahrnehmung der Süße-Säure-Struktur kann von Person zu Person anscheinend sehr unterschiedlich sein. Insofern: ich bin gespannt! 😉
      VG Erich

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