33. Weinrunde in München

Diesmal hab‘ ich nicht ganz so lange wie beim letzten mal zur Fertigstellung des Berichts gebraucht! Diese Weinrunde fand letzten Freitag statt und hatte das Thema „Weniger ist mehr!“; wobei jeweils zwei der insgesamt 8 Rundenmitglieder gemeinsam eine etwas gehobenere Flasche Wein mitbringen sollten. Das untere Preislimit wurde mit 25 EUR für die Flasche festgesetzt. Das mag jetzt so manchem „Nerd“ dann wieder etwas gering vorkommen, wenn man von gehobeneren Weinen spricht, aber an unseren Runden nehmen nicht nur Großverdiener teil, auch das ist mit ein Grund der in aller Regel sehr schönen heterogenen Zusammensetzung unserer Treffen.

Prolog:

Zu Beginn erst mal zwei Einsteiger:

Wein A: 2017er Vinho Branco – Reserva – Cuvée – DOC Alentejo, Herdade do Esporão, Alentejo

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus Antão Vaz, Arinto und Roupeiro.

Die Farbe ist Goldgelb mit Ockertouch, für’s Näschen gibt’s herbe, leicht gerbstoffige, belegte, gelbe Frucht wie Kaktusfeige und etwas Maracuja, dazu etwas verschwitzter Lederkragen. Geschmacklich erst mal etwas lehmig anmutend, ohne dabei breit zu wirken, wieder altes Leder, Kaktusfeige und Pfeffer, insgesamt recht dicht, dazu genügend Säure, um den Wein ausreichend niederviskos zu halten. Der Nachhall hallt recht lang, ist dabei dicht und lehmig-fruchtig-gerbstoffig, hier zwar eine ganz leichte Kaltvergärungsnote, die aber neben den Gerbstoffen nicht negativ auffällt.

Ein Wein, der relativ schwer einzuordnen ist, von der Stilistik her geht das ein bißchen in Richtung Naturwein „light“ ohne verschreckende Aromatiken aufzuweisen, weist auch trotz der lehmigen Unterlage einen recht hohen Trinkfluß auf.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

Wein B: 2017er Silvaner – Gerlachsheimer Herrenberg – Kilian – Kabinett – trocken – QmP, Becksteiner Winzer, Taubertal

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Die Farbe ist gold- bis strohgelb, in der Nase rauchige Birne, Honigmelone, Speckstein und etwas Kerbel. Am Gaumen dann eher specksteingepuderter Apfel plus herbe Pampelmuse, wirkt leicht cremig, die Säure puffert das aber ganz gut weg; kräuterseitig gibt’s hier noch etwas Beifuß. Der Abgang hat eine schöne Länge, die Frucht ist hier wieder mit etwas Speckstein belegt.

Soweit ein ganz ordentlich gemachter Silvaner mit einer schönen Kräuternote, die Frische ist durch den cremigkeitsfördernden Speckstein aber etwas gebremst.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 17/25

Drama:

Jetzt geht’s los:

1. Wein: 2011er Ex Vero III – Cuvée – trocken – Landwein, Werlitsch, Südsteiermark

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Dieser Ex Vero ist eine Cuvée aus 50% Sauvignon Blanc und 50% Chardonnay bzw. Morillon, wie’s dort regionstypisch heißt. Die Trauben stammen von den höchsten, steilsten und kärgsten Lagen des Gutes. Sie wurden auf der Schale einige Tage lang eingemaischt und spontan im offenen Holzbottich vergoren, danach auf der Feinhefe belassen und zwei Jahre im großen Holzfaß ausgebaut.

Im Glas ein helleres Mandarinengelb, leicht trüb. Der geruchliche Eindruck ändert sich ständig, es kommen immer wieder neue Aromen dazu bzw. gehen auch wieder um dann teilweise erneut aufzuploppen; nachfolgend daher völlig ungeordnet, was ich so alles gefunden habe: Rauch, Gummiabrieb, Mandarine, Blutorange, Gerbstoffe, etw. Hefe, Armagnac, Malz, Lakritze, Eukalyptus, Minze, Roiboos-Tee, Akazienhonig, Jasmin-Tee, Kandis, Salbei, ganz leicht Uhu, Bitterorange, Pfirsich, Heftpflaster, altes, sonnengegerbtes Holz; aus der Runde wurde auch mal „urinös“ eingeworfen, was ich auch ein bißchen nachvollziehen kann. Am Gaumen dann dieselbe Vielfalt und hochfrequente Veränderung: dichte Frucht mit etwas Malz, super balancierte Säure (baut streckenweise zwar etwas ab, was die Frische aber nicht weiter beeinflußt), leicht kribbelige Fruchtsüße auf der meist herberen Seite, Pfeffer, Weihrauch, Darjeeling-Tee mit vielen Buchstaben, fermentierte Orangenschalen, Palmzucker. Der Abgang ist extrem lang und dabei genauso vielschichtig wie Nase und Mund zusammen, dabei kaum abschwellend, im Finale meist auf der Pampelmuse endend, auch hier eine super balancierte Säure.

Ich habe ja schon vor einiger Zeit dem 2006er meine Höchstnote gegeben, dieser Jahrgang steht dem aus meiner Sicht in nichts nach. Diese Vielschichtigkeit und Wandelbarkeit ist für mich ohne gleichen und trifft bei mir genau ins Schwarze, besser geht’s für mich nicht mehr, höchstens anders. Das wurde jedoch in der Runde nicht einheitlich so gesehen, z.B. wurde auch angemerkt, daß viele der aromatischen Bestandteile zu sehr nebeneinander stehen würden; ich dagegen fand es in höchstem Maße erstaunlich, wie klar differenziert die Einzelaromen dastehen und trotzdem bzw. gerade deswegen ein schönes Gesamtkunstwerk ergeben. Wie auch immer, das ist einfach „mein“ Wein, über dem ich derzeit nichts anderes sehe…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 25/25

2. Wein: 2014er Weissburgunder – Barthenau – Vigna S. Michele – Südtirol DOC, J. Hofstätter, Südtirol

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, schaut aber in Richtung strohgelb, das Bukett zeigt herbe Kräuter wie Oregano, aber auch Minze und etwas Heu, dazu Malz und Korianderhonig sowie ganz leicht Pattex; fruchtseitig gibt’s gelbe Pitahaya und Kumquat. Am Gaumen dann wieder die leicht herbe, gelb-orange mit etwas Specksteinpuder garnierte Frucht, wirkt aufgrund der distinguierten Säure etwas cremig, als Unterlage gibt’s leicht seifige Steine, mit etwas Luft kommen noch Bananen und Frischkäse dazu. Der Abgang ist lang und herb-gesteinsmehlig, die Frucht ist recht belegt, die steinerne Unterlage erinnert hier eher an gelöschten Kalk.

Recht eigener Weißburgunder, dem es für mich -trotz des kälteren Jahrgangs- etwas an Frische fehlt, gefällt mir aber dennoch aufgrund seiner nicht alltäglichen Aromenfülle insbesondere beim Bukett ganz gut.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

3. Wein: 2015er Touriga Nacional – Douro DOC, Quinta do Crasto, Douro

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Die Farbe ist ein sehr dunkles Rubinrot mit violetten Rändern und mittlerer Transparenz, in der Nase etwas Uhu, Süßkirschen und rote Pflaumen sowie leicht auch der Alk, das Holz ist noch sehr im Hintergrund versteckt. Am Gaumen dicht rote Pflaumen, etwas Kirsche, wirkt eher tanninarm, das Holz ist malzig mit etwas Tabak und 45er Schokolade; die Säure ist recht potent aufgestellt. Der Abgang lebt sehr lange vom süßen Tabak und den oben genannten Früchten, sehr gute Säurestruktur.

Dieser Wein zeigt zwar schon ganz gut, was in ihm steckt, aber meiner Erfahrung mit dieser Rebsorte folgend, ist er einfach noch viel zu jung und sollte erst in ca. 10 Jahren wieder probiert werden. Wenn man ihm die ganzen „Jugendsünden“ etwas verzeiht, bleibt bei mir aber dennoch eine recht anerkennende Wertung übrig:

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25

4. Wein: 2004er Mas de Daumas Gassac – Cuvée – Vin de Pays de l’Herault, Mas de Daumas Gassac, Languedoc

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Dies ist laut Rückenetikett eine Cuvée aus 80 % Cabernet Sauvignon und 20 % „Variètés rares“, auf der Heimseite gibt’s für den 2004er eine genauere Aufschlüsselung: 72,4 % Cabernet Sauvignon, 5,8 % Syrah, 2,6 % Malbec, 6,3 % Merlot, 4,4 % Cabernet Franc, 3,6 % Tannat, 3,1 % Pinot noir und 1,8 % variètés rares.

Im Glas ein dunkles Granatrot mit leicht bräunlichen Rändern, mittlere Transparenz. Bukettmäßig zeigen sich etwas Pflaumenkompott, Phenol und Räucherschinken, ganz leicht Allohol, ein anfänglicher Stinker verzieht sich recht schnell, bleibt dann aber doch etwas stallig. Am Gaumen praktisch tanninfrei, keine Adstringenz, fluffiges Pflaumenkompott, ganz leicht Paprika und grüne Walnuß, eine schieferige Steinunterlage sowie eine gut angepaßte Säure. Der Abgang ist recht lang, dabei pflaumig, stallig, animalisch, wirkt insbesondere hier etwas eindimensional.

Ich hatte den Eindruck, daß da mal „mehr in der Flasche“ war, vielleicht auch nur ein Formtief, aber dazu kenne ich mich mit diesen Weinen zu wenig aus. Läßt sich zwar recht schön trinken und macht in seiner Entwicklung im Glas auch einigen Spaß, einen Nachkaufreflex hat die aktuelle Kondition aber nicht ausgelöst.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 17/25

Epilog:

Im Nachgang gab’s dann noch gemäß dem Motto „Weniger ist mehr!“ zu einer Schimmelkäseauswahl (Stilton, Gorgonzola piccante, Roquefort) eine kleine 0,375 l Flasche

Wein C: 2012er Riesling – Randersackerer Sonnenstuhl – Beerenauslese – QmP, Schmitt’s Kinder, Franken

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Die Farbe ist ein recht dunkles Goldgelb, in der Nase viel kandierter Zitruskorb, vor allem Zesten sowie eine deutlich angekündigte Säure. Am Gaumen gleich dick und fett sowie hochviskos, dabei fast überbordend Zitrusfruchtaromen von grün über gelb bis orange, kein frei wirkender Zucker trotz hier eher distinguierter Säure, dazu eine spürbare Kalkunterlage. Der Abgang bietet über mehrere Minuten eine sehr geschmeidige, fluffige und vor allem zuckerfreie Fruchtsüße mit schönem Säurepuffer.

Trotz gehörigem Extrakt und sicher nicht gerade wenig analytischem Zucker klebt hier nix, die Zitrusaromatik ist sehr schön differenziert, die Säure verrichtet ihre Arbeit perfekt, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen. Paßte insbesondere zu Stilton und Gorgonzola sehr schön, beim Roquefort wäre dann aber schon eher eine Trockenbeerenauslese angebracht. Nächstes mal dann…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

Dann gab’s noch ein paar „Absacker“:

Wein D: 2010er Terrano – Teran – Venezia Giulia IGP, Zidarich, Friuli-Venezia Giulia

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Im Glas ein dunkles Rubinrot mit leicht gräulichen Rändern, leicht trüb, wenig transparent. In der Nase altes, nasses Leder, fermentierte Kirsche, Hasenstall und leichte Holznoten. Geschmacklich erst mal deutlich säurelastig durch ordentlich Zitrone, weiters stark auf Sauerkirschen fokussiert, das Holz ist hier ebenfalls nur ’reingehaucht. Der Nachhall ist lang und frisch, er lebt in erster Linie durch die recht straffe Fruchtsäure.

Diesem Terrano könnte man durch seine aromatische Pointiertheit zwar durchaus auch Eindimensionalität vorwerfen, aber durch die ordentliche Zitronenaromatik ist dieser Rotwein schon durch seine Eigenständigkeit recht interessant, er ist dabei vor allem auch super balanciert und dennoch nicht eintönig. Macht richtig Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Wein E: 2015er Carmenère – Gran Reserva – D.O. Valle del Maipo, Tarapacá, Valle Central

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Ein dunkles Rubinrot im Glas, mäßig transparent. Geruchlich gibt’s vor allem Kirsche im Polystyrol-Joghurtbecher. Geschmacklich zeigt sich erstmal eine mittlere Tanninstruktur, dann Pimentos auf Granit mit schöner Säure. Der lange Abgang ist auf der herben Seite angesiedelt und zeigt im Finale ein ganz angenehmes Bitterchen.

Rein von der Vielschichtigkeit her ist dieser Wein ungefähr mit dem oben beschriebenen Terrano vergleichbar, dennoch kommt hier fast schon gepflegte Langeweile auf. Kann man zwar ganz gut trinken, ein Aha-Erlebnis bleibt aber aus.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

Fazit:

Natürlich wieder eine schöne Runde (irgendwie gab’s bei uns eigentlich noch nie eine Runde, die ich nicht als gelungen bezeichnen würde, auch wenn natürlich der ein oder andere Wein mal durchgefallen ist), die zwar weinmengenmäßig dann letztlich doch nicht so „wenig“ war, wie das Thema eigentlich vorgegeben hat, aber das Rahmenprogramm hatte es diesmal auch leicht, litermäßig in Führung zu gehen. Von außerhalb der Runde gab es auch die Meinung, das Thema wäre zu unfokussiert, aber ich selbst (und offensichtlich ein paar andere auch) mag auch solche „Wundertüten-Runden“ recht gerne, zumal ein Großteil des Reizes dieser Treffen ja auch den Teilnehmern selbst geschuldet ist und nicht ausschließlich den mitgebrachten Weinen.

Vielen Dank an unseren diesmaligen Gastgeber incl. der schön passenden Verköstigung mit festen Nahrungsmitteln!

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2 comments on “33. Weinrunde in München

  1. Hallo Erich,
    danke für den Bericht, liest sich sehr interessant. Den Werlitsch hätte ich sehr gerne mitverkostet. Ich oute mich gleich mal als der mit dem Fokus. Hab allerdings nie gesagt, dass das Thema zu unfokussiert ist, sondern dass es mir (persönlich) zu unfokussiert ist neben dem Timing. Liegt sicher auch mit am Thema „gehoben“ und >25€ was für mich persönlich irgendwie keine Weinkategorie darstellt, bzw. womit ich mir bei der Auswahl schwer tue… Ansonsten stimme ich voll zu, ganz unabhängig von den Weinen machen die Runden immer großen Spaß! VG und sicher bis bald bei einer der nächsten Runden 😀

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    • Hallo Christoph,
      war auch nicht als Kritik von mir gemeint, sondern nur als kurze Darstellung der verschiedenen Standpunkte bzw. Vorlieben diesbezüglich.
      Der Ex Vero III würde Dir sicher auch gefallen, ich hab‘ derzeit neben dem 11er auch noch den 12er Jahrgang im Keller. Das ist einfach aktuell hinsichtlich Vielschichtigkeit, Spannung und Dynamik im Glas meine persönliche Referenz. Ich tue mir mit der Vorstellung schwer, was da noch schöner (für mich) gehen soll. Aber vielleicht werde ich ja irgendwann nochmal eines Besseren belehrt. Nach meinen Bewertungskriterien einfach 4 x „perfekt“ und daran gemessen ist der Preis schon fast wieder in der Schnäppchenkategorie zu sehen…
      Bis bald!

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