Rheingauer Katze – Relaunch

Schon gestern habe ich mich mal wieder eines deutschen Spätburgunders erinnert, der mir bei der ersten Begegnung schon sehr gut gefallen hat:

2013er Pinot noir – [trocken] – Qw, Chat Sauvage, Rheingau

Die Farbe ist ein relativ dunkles Rubinrot mit eher mäßiger Transparenz, in der Nase dunkle und herbe Kirschen mit deutlicher, aber nicht überfrachteter Holzaromatik aus Nelke, Zeder und Holzkohlenteer; hier schon relativ frisch anmutend. Am Gaumen dann auch einige Pflaumen- und Holunderbeernoten, ohne ins kompottige abzugleiten; auch hier das Holz sehr präsent, ohne sich dabei zu sehr nach vorne zu drängeln. Die Säure ist recht belebend und hält den extraktreichen Spätburgunder klar auf der niederviskosen Seite. Der Abgang ist sehr lang und warm, auch hier verdrängt das Holz die dichte Frucht nicht.

Sehr intensiver, dennoch fluffiger und vor allem gar nicht deutscher Spätburgunder (bzw. hier tatsächlich angemessener „Pinot noir“), zwar kein Komplexitätsmonster, aber in sich absolut stimmig; vor allem hat er in den letzten zwei Jahren deutlich an Ernsthaftigkeit gewonnen, für den Preis nun ein überaus ansprechendes Getränk!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 03. Oktober 2016:

Ich habe hier ja schon mal einen Wein vom Gut Chat Sauvage vorgestellt, welches diesen für das Rheingau so typischen Namen trägt. Absolut typisch für das Gebiet auch die Rebsorten, die hier angebaut werden, nämlich ausnahmlos Burgundersorten. Ok, das war natürlich nicht ganz ernst gemeint. Kleiner Hinweis für die Leute, die mich jetzt schon verprügeln wollten. Aber so, wie das Gut mit Namen und Sorten aus der Reihe tanzt, so ist es vielleicht auch stilistisch ganz woanders daheim, denn das Faible der Weingutsbesitzer ist nun mal das burgundische. Mal sehen, was der

2013er Pinot noir – [trocken] – Qw, Chat Sauvage, Rheingau

so drauf hat, der aus handselektierten Trauben gekeltert wurde, dabei 18 Monate Faßlager hinter sich gebracht hat und unfiltriert abgefüllt wurde.

Die Farbe dieses Basis-Pinots ist ein eher dunkles Granatrot mit violetten Reflexen, aber doch deutlicher Transparenz. Das Bukett zeigt erst mal keinen Pinot noir, den ich als typisch deutsch einstufen würde. Ganz vorne zeigen sich einige Holznoten -70er Schokolade und eine alte Ledertasche-, dennoch würde ich das nicht als dominant einstufen. Die Frucht zeigt sich dabei erst langsam, aber dann doch recht dicht in Form von Schattenmorellen und Brombeeren. Am Gaumen ist die Frucht schneller da, hier eher reife schwarze Kirsche, ebenfalls die Brombeere, Heidelbeere und etwas Holunderbeere von mir aus auch noch. Jedenfalls ein sehr ausgeprägter, leicht herb-süßlicher (nicht süßer!) Extrakt, der einen da aus dem Glas erreicht. Die Holzaromatik ist hier deutlich weiter hinten angesiedelt, paßt dabei aber perfekt als Bett für die Fruchtseite. Und der Wein hat eine super ausbalancierte Säure, die dem Extrakt eine schön geschmeidige Viskosität verpaßt. Der Abgang ist ellenlang und bietet die gesamte Fruchtpalette nochmals in voller Dichte, wobei das Holz wieder schön dezent, aber dennoch deutlich mitschwingt.

Vor allem wenn man berücksichtigt, daß dies der Basis-Pinot des Guts ist, ist das hier ein sehr bemerkenswerter Saft. Ein finaler Kommentar zur roten Katze war „schmatzig“, das kann ich hier einfach mal so stehen lassen. Ich selbst hätte das Fazit zwar etwas wortreicher ausgeführt, aber was soll’s…

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

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