Was Graues vom Kalk – Relaunch

Nach ziemlich genau einem Jahr ergab sich gestern die Gelegenheit, mal wieder den

2015er Grauer Burgunder – Westhofener – «vom Kalkstein» – trocken – Qw, Seehof, Rheinhessen

zu testen und zu sehen, ob sich der grandiose Eindruck vom letzten Mal wiederholen läßt:

Im Glas ein ganz leicht angerötetes Goldgelb, nasenmäßig gibt’s reife Birnen, Äpfel, Pfirsiche, gelbe Kiwi und was gelbblumiges, was anfangs noch leicht kaltvergoren daherkommt, nach gut 10 Minuten ist dieser Eindruck allerdings komplett verschwunden; der Obstkorb präsentiert sich dann zwar dicht, aber nicht breit, den mit der Etikettierung schon angekündigten Kalk kann man sich auch schon gut einbilden. Am Gaumen steht dem ordentlichen Extrakt rebsorten- und jahrgangsuntypisch einiges an Säure incl. einiger Zitrusfetzen gegenüber, sodaß selbst dieser Warmjahr-GB ein recht frischer Genosse ist; ein klein bißchen Rest-CO2 stützt das Ganze noch auf recht animierende Weise, lediglich der Kalk steuert noch eine dezente Cremigkeit zu. Nachhallmäßig hat man mit der dicht-beschwingten, kalkbestäubten Frucht recht lang Freude.

Ja, die meisten Grauburgunder sind breit und belanglos bis anstrengend, für mich jedenfalls. Das hier ist jedoch das krasse Gegenteil davon, man könnte fast den Verdacht hegen, daß im Rahmen der EU-weit erlaubten 15 % noch ein paar Rieslingtrauben mit in die Presse gerutscht sind, aber ich gehe jetzt mal einfach von perfektem Handwerk aus. Vor allem habe ich den Eindruck, daß sich die Säurestruktur sogar noch etwas verbessert hat, nur die Kräuter haben ein bißchen gelitten; insgesamt eine schöne Seitwärtsbewegung. Ich muß dringend mal einen Seehof-GB aus einem kalten Jahr probieren!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 26. Mai 2018:

Gestern zum Auftakt der Samstagsgrillerei bei schönstem Wetter mal eine Rebsorte, die andere Leute bei diesen Temperaturen eher links liegen lassen würden. Oder auch generell…

2015er Grauer Burgunder – Westhofener – «vom Kalkstein» – trocken – Qw, Seehof, Rheinhessen

Im Glas ein helleres Goldgelb mit deutlich rötlichen Einschlägen, nasenmäßig gibt’s gelbe Sachen wie Kaktusfeige, die entsprechende Kiwi, reifere Karambole und etwas Löwenzahn. Am Gaumen ist die Frucht leicht adstringent, der recht stramme Extrakt birgt hier auch was in Richtung halb getrockneter Feigen, einige gelbe Zitrusfetzen in konzentrierter Form (Zitrone, Pampelmuse) spielen auch mit. Die Säure ist zwar eigentlich eher mild, der GB wirkt aber dennoch nicht breit, denn eine leichte grüne Kräuterigkeit in Verbindung mit kalkig-herben Steinchen sorgt für genügend Spannung; Frischegefühle kann man also auch mit anderen Mitteln als schierer Säure erzeugen. Der Nachhall ist ebenso von dieser etwas gerbstofflastigen und gesteinsmehlgepuderten Frucht geprägt und macht im Mehrminutenbereich Freude.

Das ist nun ein ziemlich eigenständiger Grauburgunder, die herbe Kalknote in Verbindung mit der recht gegerbten Frucht habe ich so bei dieser Rebsorte noch nicht erlebt. Und es ist faszinierend, wie viel Frische man aus einem (gefühlt) begrenzten Säureangebot herausholen kann! Das Ganze geht noch dazu für roundabout 9 Euronen her. Man kann natürlich darüber streiten, ob man sowas -weil’s ja doch „nur“ Grauburgunder ist- nun gut findet oder nicht, es dürfte aber schwer bestreitbar sein, daß sich dieser GB sehr wohltuend von den allermeisten seiner Pendants aus anderen Gütern nach oben absetzt.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

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