41. Weinrunde in München

Eine Weinrunde jagt zur Zeit die nächste, letzten Samstag war das Thema: „Europäische Inselweine“. Das lief für mich selbst aufgrund dessen, was der Keller hergab, klar auf Griechenland hinaus…

Prolog:

Zu Beginn zwei Einsteiger zum Warmwerden, der erste war laut unserem Gastgeber schon gut 10 Tage offen, ich weiß also nicht, wie der Wein in „frisch geöffnet“ schmeckt:

Wein A: 2018er Verdicchio – Albiano – Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico DOC, Marotti Campi, Marche

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Die Farbe ist ein helleres Messinggelb, in der Nase Kaktusfeige, leicht Honigmelone, ein Hauch gelbes Maoam. Am Gaumen wirkt das Ganze auf mich auch etwas kaltvergoren, leicht kräuterig, moderate, aber durchaus effektive Säure, macht insgesamt einen „belegten“ Eindruck. Der Abgang ist mittellang mit leicht „maoamiger“ Frucht.

Ob dieser Verdicchio in „g’rade aufgemacht“ für mich animierender gewesen wäre, kann ich nur vermuten, ich fürchte aber, eher nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

Der zweite „Teaser“ paßte dann schon zum Thema:

Wein B: 2017er Catarratto – Masso – Sicilia DOC, Feudo Montoni, Sicilia

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Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase anfangs ganz leicht Wirsing, dann Steinobst aus der Mirabellenrichtung, sehr reife Karambole, etwas Pulpe, mit der Zeit auch etwas Jod. Am Gaumen setzt sich das Ganze ohne Grünzeug, dafür mit etwas weißem Pfeffer fort, dazu eine nur mitteldichte Säure, dennoch trotz leichter Cremigkeit nicht breit wirkend; weiters etwas sonnengegerbtes Fichtenholz, mit Luft entwickelt sich eine gewisse Kräuterigkeit. Der Abgang ist ordentlich lang, dabei deutlich sekundärfruchtig.

Durchaus schön gemacht, wirkte aber insgesamt etwas vordergründig und „zu warm“ auf mich.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Drama:

Jetzt wird’s ernst:

1. Wein: 2017er Muscat – Roya – dry – PGI Aegean Sea, Nopera, Aigaio

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Farblich zeigt sich ein helles Strohgelb, in der Nase dann deutlich Kräuter wie Estragon, Kerbel, Koriander, auch spätschnittiges Heu und grüne Stachelbeeren; später zeigen sich auch Guave und Anis, mit noch mehr Luft dann noch Weichkäse und Rosen. Am Gaumen deutlich weniger grün bzw. „sauvignonig“, hier gibt’s Melasse und frisches Zuckerrohr (wenn man d’rauf ’rumbeißt), etwas weißen Pfeffer, wirkt recht extraktreich bei wenig Frucht; die Säure ist gut korrespondierend. Mit Luft nehmen Alk und Wucht etwas zu, aber es zeigen sich auch vermehrt Zitruszesten und Physalis. Der Nachhall hallt schön lange, betont dabei vor allem das Zuckerrohr mit einigen Kräutern mit guter Säurestruktur, das Finale bietet dann etwas Lakritz.

Es ist schon ewig her, daß ich mal einen „Samosianer“ getrunken habe, aufgrund der schlechten Erinnerungen habe ich den Wein von dieser Insel seither gemieden. Qualitativ finde ich den „Roya“ aber recht ansprechend, auch wenn mich der Typus aufgrund seiner aufkommenden Wuchtigkeit nicht unbedingt zum Nachkauf animiert.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

2. Wein: 2018er [Manto negro] – Memòries de Binigual – Rosat – Binissalem DO, Finca Biniagual, Islas Balears

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Ein helleres Kupfer im Glas, in der Nase dicht Rambutan und Granatapfel, jeweils mit Speckstein gepudert; weiters rosa Beeren und nach einer Weile auch Basalt, schon hier deutlich cremig anmutend. Am Gaumen zeigt sich der gleiche Fruchteindruck, wie erwartet recht cremig, auch Kaugummi; die Säure kommt damit zwar ganz gut zurecht, dennoch stellt sich nur ein eingeschränktes Frischegefühl ein; Speckstein und Kalk bilden eine geschmeidige Unterlage. Der Abgang ist mittellang, wirkt etwas maskiert, dadurch wird die Frucht in die plakative Ecke gerückt.

Aus meiner Sicht eher ein Crowdpleaser für Leute, die auf „milde Säure“ stehen, finde ich etwas arg spannungslos.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

4. Wein: 2014er Assyrtiko – Pure – Santorini PDO, Volcanic Slopes, Kyklades

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Farblich ein helleres Goldgelb mit ein paar grünlichen Schimmern, fürs Näschen gibt’s gleich deutlich Lindenblüten- und Thymianhonig, letzteren auch in Kräuterform, dazu dicht Marula, überreifen Weinbergspfirsich und Khaki, weiters Kreide und weißen Rauch. Am Gaumen dann von deutlich anderer Textur: hier gibt’s ordentlich Zitronen- und Limettenkonzentrat, dem eine potente, anfangs recht kecke Säure entgegensteht (integriert sich mit der Zeit noch etwas), wirkt cremig und frisch zugleich, weiters noch etwas Pfeffer und Beifuß im Hintergrund. Der Abgang ist von ordentlicher Länge und betont wieder das Zitruskonzentrat, dazu erneut die kraftvolle Säure; Kräuter, Pfeffer und ein Pampelmusenbitterchen begleiten das Ganze.

Assyrtikos der höheren Ligen sind recht häufig ziemliche „Dickschiffe“, dieser hier mutet spätestens am Gaumen gemäß der Einschätzung einiger Rundenmitglieder wie „grün gelesen“ an, was auch nicht durchweg gut ankam. Für mich aber der Wein des Abends mit der höchsten Spannung im Glas

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

5. Wein: 2015er Assyrtiko – Santorini – Santorini PDO, Hatzidakis, Kyklades

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Ein helleres Bernstein im Glas, geruchlich gibt’s Honig (Kastanie, Buchweizen), Malz, leicht Cognac sowie als frischen Gegenpart auch ein paar grüne Reneclauden im Hintergrund. Am Gaumen deutlich flüssiger als erwartet, auch leicht reduktiv, fruchtigerseits gibt’s überreife Physalis sowie dahinter die schon erwähnte Grünfruchtigkeit neben dem Honig; die Säure hält das Ganze gut auf der niederviskosen Seite, dazu ein leichtes, aber prägnantes Vulkanaschebett. Der Abgang ist von schöner Länge mit säuerlichem Honig, trotz der Dichte zeigt sich eine animierende Frische, die auch vom Vulkangestein gut gestützt wird.

Dieser Assyrtiko ist insgesamt deutlich runder und auch „stoffiger“ als der Vorgänger, für mich steht er auf gleichem, hohen Niveau, wenn auch mit gänzlich anderen Mitteln. Ich hatte diesen Wein vor gut drei Jahren schon in ganz jung im Glas, hat sich seitdem prächtig weiterentwickelt.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

5. Wein: 2015er Mandilaria / Mavrotragano – Mm – PGI Cyclades, Domaine Sigalas, Kyklades

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Ein mittleres Rubinrot mit ebenso mittlerer Transparenz im Glas, in der Nase Sauerkirschen und ein Hauch Dörrpflaume, dazu Schnupftabak, der mit der Zeit deutlich zunimmt und später auch etwas Sauerkraut. Am Gaumen recht kantige Tannine mit leichter Adstringenz und Holzteer, die Frucht geht hier fast unter; die Säure ist moderat, jedoch effektiv, im Hintergrund gibt’s ein Bakelit-Bitterchen, Magnesium und auch 99er Schokolade. Dann folgt ein ordentlich langer, pelzig-metallischer Abgang mit leicht harscher Säure.

Kann man zum Essen nebenher einigermaßen gut wegtrinken, wenn man sich nicht zu sehr d’rauf konzentriert, ein Genußwein ist das aber eher nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

6. Wein: 2016er Cabernet Sauvignon – Sicilia DOC, Colomba Bianca, Sicilia

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Hier ist die Farbe ein dunkles Rubinrot mit geringer Transparenz, in der Nase ein Mix aus frischen und angedörrten Pflaumen, dazu leicht Zuckerkulör und Armagnac. Am Gaumen ebenfalls Pflaumen in Armagnac, leicht brandig, wenig Säure. Langer, aber leider kompottig-brandiger Abgang.

Nö, das war nun recht weit von jeglichem Spaß entfernt.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 12 von 25

7. Wein: 2011er [Nero d’Avola] – NeroSanloré – Sicilia IGT, Gulfi, Sicilia

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Ein dunkles Rubinrot mit leicht bräunlichem Rand zeigt sich mit fast nicht vorhandener Transparenz; in der Nase kompottige Pflaumen, Räucherspeck, Rinderfond sowie leicht Fondor (dieses unsägliche Industrie-Würzmittel). Am Gaumen einige Tannine mit leichter Adstringenz, dazu Staub, Kellertreppe, Speckschwarte und eine recht kantige Säure. Der Nachhall hallt recht lang und ist dabei warm, fast brandig mit leicht kratziger Mineralik.

Die Beschreibung hört sich zwar jetzt nicht viel positiver an als beim vorhergehenden roten Sizilianer, trinkt sich insgesamt aber doch deutlich beschwerdefreier. Allerdings bin ich fast vom Stuhl gefallen, als ich erfahren habe, daß so ein Fläschchen immerhin satte 32 Euronen kostet…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Epilog:

Im Nachgang gab’s dann zum Käse zuerst eine kleine Flasche:

Wein C: 2016er [Cuvée] – Wiqem – Auslese – Pw, Wirsching, Franken

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Dieses Auslese ist eine Cuvée aus Silvaner, Riesling und Weißburgunder.

Farblich zeigt sich ein helleres Goldgelb, für den Riechkolben gibt’s vom Fleck weg sehr reife, gelbe Kaktusfeigen und Mirabellen, etwas mit Kräutern und gelöschtem Kalk angereichert. Am Gaumen ein sehr dichter Extrakt, dennoch relativ leicht wirkend, da sich keinerlei freier Zucker bemerkbar macht und die geschmeidige Säure ebenfalls kräftig mitmischt; auch hier ein prägnantes Kalkbett. Dann ein sehr langer Abgang mit opulent-frischer Frucht, geschmeidig und leichtfüßig zugleich.

Hier wurde in der Runde auf eine Sauvignon-Auslese getippt, tatsächlich ist der Name „Wiqem“ in Anlehnung an ein bekanntes Sauternes-Produkt durchaus treffend gewählt. Ein recht eigenständiger deutscher Süßwein, der ohne jegliche Zitrusaromatik auskommt und dennoch erstaunlich niederviskos ist.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Wein D: 2014er Cabernet Sauvignon – Chenin Blanc – Plô Grand Bâtard – Vin de France, Julien Gil, Languedoc-Roussillon

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Diese Cuvée besteht aus 95 % Cabernet Sauvignon und 5 % Chenin Blanc.

Leicht violettes Rubinrot mit geringer Transparenz im Glas, in der Nase dicht Schwarzkirsche und schwarze Johannisbeere, dezente Großholzaromatik mit angekündigter Säure. Geschmacklich wieder Schwarzkirsche, hier deutliche Holzwürze mit Teer und modrigem Holz sowie ein paar Pilzen, dazu eine unauffällige, im Hintergrund arbeitende Säure, eher leichte Tanninstruktur mit gehauchtem Pelz, mit etwas Luft auch 70er Schokolade und etwas Ackerscholle. Der Abgang ist sehr lang, hier etwas mehr Adstringenz, leichtes Alu-Feeling, würzig-erdige Frucht.

Das war nun klar der beste Rotwein des Abends, nur konnte ich den geringen Chenin blanc-Anteil geschmacklich nicht weiter dingfest machen. Sowas trinke ich durchaus auch gerne mal, aber zum Nachkauf reicht’s bei mir nicht mehr, vor 20 Jahren wäre das anders gewesen…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Fazit:

Die weiße Seite war bei dieser Runde klar die schönere, hier gab’s ein paar -aus meiner Sicht- „Hammerweine“, die locker das Mittelmaß manch anderer Sachen überstrahlt haben. Die Stimmung war auch ungetrübt, vielen Dank an alle Rundenmitglieder dafür; und besonderen Dank an unsere Gastgeber für das gewohnt schmackhafte und passende Catering!

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