Die Folgen des Klimawandels? – Nachtrag

Neben dem, was man an Rebsorten heutzutage so für traditionell hält (vor nicht mal 90 Jahren wurden die gut 800 damals zugelassenen, traditionellen Rebsorten in D auf gerade mal 15 eingedampft), tauchen in den letzten Jahren immer mehr Rebsorten wieder oder auch neu auf, die zumindest die letzten Generationen nicht auf dem Schirm hatten. Was dafür nun die Gründe im Einzelnen sind, kann ich nur erahnen: manche Winzer führen klar den Klimawandel an, warum man sich Sorten aus wärmeren Regionen in den Weinberg holt, andere schätzen einfach die Aromatik der für die Region außergewöhnlichen Sorten und holen sie deshalb nach Hause, aber auch das Schielen auf die tatsächlichen oder vermeintlichen Kundenwünsche kann ein Grund sein. Wenn daher jemand in Franken -aus welchen Gründen auch immer- Cabernet Sauvignon anbaut, mutet das bis jetzt noch recht exotisch an. Genau einen solchen Wein habe ich neulich mal geschenkt bekommen:

2012er Cabernet Sauvignon – Randersacker Sonnenstuhl – [trocken] – Qw, Störrlein Krenig, Franken

Die Farbe ist ein dunkleres Rubinrot mit mittlerer Transparenz. Fürs Näschen gibt’s recht würzige schwarze Johannisbeeren, dazu Holz in Form von Nelke und etwas Anis. Schmeckt dann recht herb-kantig-schmatzig nach der dunkelroten bis schwarzen Frucht, dazu einige rustikale Tannine sowie deutlich Teer und eine gut moderierende Säure. Auch der Abgang ist von eher handfester Natur.

Das Bukett ist hier der interessanteste Teil, danach wird’s deutlich rauher; ist zwar aromatisch und von der Säurestruktur her durchaus animierend, bietet aber aktuell eine deutlich zu schroffe Textur, zumindest gemessen an meinen persönlichen Vorlieben. Ich bin ja eh‘ nicht sooo Bordeaux-affin, als BDX-Ersatz geht dieser Wein aber eher nicht durch, zumal die reinsortige Verwendung von CS im Bordelais meines Wissens nach auch eher untypisch ist. In der aktuellen Preisliste taucht der Wein übrigens gar nicht mehr auf, sondern nur noch der „Casparus“, eine Cuvée aus CS und Spätburgunder; vielleicht um die erwähnte Ruppigkeit in den Griff zu bekommen?

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: in der Nase hat das Holz signifikant mit Vanille und Malz aufgerüstet, ist dennoch nicht überfrachtet. Am Gaumen sind die Tannine nun deutlich fluffiger, das teerige hat sich eher in die Tabakrichtung gewandelt, die Säure ist um einiges besser integriert. Auch der Abgang hat sich von der Ruppigkeit weitgehend verabschiedet und macht nun mehr Lust auf das nächste Glas.

Ein nicht geringer Sprung nach vorne, ist heute erheblich runder, ausgewogener, aber dafür auch mainstreamiger und ein Stück weit auch beliebiger geworden; macht aber insgesamt nun sehr viel mehr Freude, dennoch von der Gesamtstilistik her nicht in vorderster Linie meiner Nachkaufwünsche.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: wirkt jetzt wie deutlich gereift, es kommen einige leicht kompottige Noten hoch, aber auch ein paar grüne Paprikakanten, sehr warm im Abgang, hier jetzt leicht alkig. Insgesamt wieder ein markanter Rückschritt, also: aufmachen, einen Tag warten und dann gleich vernichten!

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

 

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