Jung – rot – schmatzig – Relaunch

Vor ziemlich genau 3 Jahren habe ich mich sehr über diesen äußerst gelungenen Orts-BF gefreut, der für wenig Geld ziemlich viel zu bieten hatte:

2015er Blaufränkisch – Horitschoner – trocken – Qw, Weninger, Mittelburgenland

Mal sehen, wie sich dieser „schmatzige“ Wein so entwickelt hat: Farblich ein dunkleres Rubinrot mit ganz dezentem Braunanteil, kaum durchsichtig. Riecht nach Kirschkompott mit Holunderbeeren, dazu eine deutliche und warme, jedoch nicht vorlaute Würze aus Totholz, Pfifferling und Möbelschreinerei. Am Gaumen hat sich das „Schmatzige“ grundsätzlich bewahrt, durch die sich mittlerweile gebildete und oben bereits beschriebene Würze plus etwas Rindenmulch wirkt der Wein nun aber deutlich ernsthafter bzw. erwachsener; die Säure bietet dem auch etwas kantig-pfeffrigen Extrakt super die Stirn, d’runter was leicht kalkig-lehmiges. Für die Bemessung der Abgangslänge ist eine Minutenskala durchaus sinnvoll, die würzig-schmatzige Frucht kommt mit einer schönen Wärme daher, die aber nicht alkig ist, sondern eher aus der Dichte resultiert.

Hat mit den 3 Jahren Keller nochmal ordentlich gewonnen; dafür daß das beim Erstkontakt ein junger, reiner -wenn auch sehr guter- Fruchtinger war, bin ich schon erstaunt, was sich da mittlerweile an Sekundäraromatik so zeigt! Wenn mir heute jemand diesen Blaufränkisch für 25 Euronen je Flasche verkauft hätte, hätte ich dem Wein immer noch ein gutes PLV bestätigt, tatsächlich waren’s knapp 9 EUR! Der „Horitschoner“ füllt auch souverän meine großen Sophienwald-Töpfe aus und verbindet Gehalt und Frische, Anspruch und Unkompliziertheit, Komplexität (mittlerweile finde ich diesen Begriff hier gerechtfertigt) und Geradlinigkeit wunderbar miteinander. Für mich in der Preisklasse ein richtig großer Wein!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 07. August 2017:

Heute habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mal wieder ein rotes Fläschchen zur Brotzeit aufgezogen:

2015er Blaufränkisch – Horitschoner – trocken – Qw, Weninger, Mittelburgenland

Im Glas ein recht dunkles, ins Violette gehendes Purpurrot, das Bukett bietet von Beginn an viel reife Kirsche, etwas mit Holunderbeeren garniert. Geschmacklich ist das erste, was mir in den Sinn kam: „schmatzig“, was letztlich so viel heißt wie „ganz schön gehaltvoll (gerne auch [frucht-] fleischig), läuft aber widerstandslos“. Ich halte übrigens nicht das Patent für diesen Begriff! Tannine gibt’s beim Horitschoner Ortswein (den Begriff gibt’s in A gar nicht, denke ich) zwar eher wenig, die, die da sind, sind dafür butterweich. Die Frucht wirkt hier noch etwas dunkler, etwas Blutorange incl. ganz leichtem Bitterchen schwingt noch mit. Dazu eine wunderschöne BF-Säure, flutscht super! Der Abgang ist dann wieder Frucht pur, hat aber nichts plakatives, auch wieder einfach „schmatzig“ und das im Minutenbereich. Anfangs habe ich vor lauter schöner Frucht die erdigen Noten überhaupt nicht beachtet, es gibt sie aber, vor allem der Nachhall präsentiert den Boden zwar nicht sehr differenziert, aber dennoch sehr schön.

Das ist nun einfach ein schöner Wurschtbrotwein im besten Sinne. Nicht hochkomplex, aber dennoch auf recht hohem Niveau ausgewogen und trotz Druck auf dem Kessel geschmeidig und -ja was wohl?- schmatzig! Richtig!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 19 von 25

4 comments on “Jung – rot – schmatzig – Relaunch

  1. Wieder einmal ein Klasseweinnaus dem Hause Weninger zu einem tollen Preisleistungsverhältnis.

    Ich habe den Wein Anfang Juni verkostet und ähnlich wie Du beschrieben, insbesondere was die Orangennoten angeht. Nelken und Lorbeer habe ich zusätzlich noch detektiert. Das Tannin fand ich aber noch recht rau – das war bei mir das einzige kleine Minus bei dem Wein.

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    • Hmm, interessant! Ich habe mir gerade noch ein Glas eingeschenkt. Auf Nelke reagiere ich eigentlich recht sensitiv und finde sie -wenn überhaupt- nur ansatzweise, zu Lorbeer könnte ich als Begleitung zum kleinen Orangenbitterchen mitgehen. Aber rauhes Tannin hat meine Flasche irgendwie gar nicht. Ich habe den Wein zuerst vor Ostern beim Weinhändler probiert und daraufhin eingepackt. Ich habe damals zwar keine Notizen gemacht, weiß aber noch, daß insbesondere das Tannin damals auch schon recht fluffig war.
      Aber das erlebe ich bei unseren Weinrunden auch regelmäßig. Bei einem Wein haben alle 8 Teilnehmer im Großen und Ganzen die gleichen Eindrücke, beim nächsten Wein meint man, jeder hätte eine andere Flasche gehabt…

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      • Mit den unterschiedlichen Eindrücken geht es sogar meiner Frau und mir manchmal so… wenn es in den Herbst hineingeht und kühler wird, werde ich wieder einmal ein Flasche öffnen und schauen, ob sich etwas getan hat. Vielleicht liegen wir dann ja näher beinander.

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